Schutz der Privatsphäre ist „Ehrensache“

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Maria Nawrath, Apothekerin der Mühlen-Apotheke aus Evingsen, führt Kunden bereits beim Betreten ihrer Apotheke gezielt in einen diskreten Beratungsbereich. „Dafür hat jeder Verständnis“, sagt die Inhaberin.

ALTENA - Wer als Kunde die Mühlen-Apotheke in Evingsen betritt, wird schon ganz gezielt, aber unaufdringlich geleitet. „Man sollte rechts herum zum Tresen gehen“, sagt Apothekerin Maria Nawrath.

Das Warum erschließt sich sofort: Hier steht nicht nur gut sichtbar ein Schild: „Beratungsbereich – Bitte Abstand halten!“– der Kunde kann auch unmittelbar in den sichtgeschützten und separaten Beratungsraum abbiegen.

Ähnlich ist es im St. Vinzenz-Krankenhaus. Wer dort als Patient im Ärztehaus vorspricht und orthopädischen Rat sucht, muss in Kauf nehmen, nicht so ohne weiteres zur Anmeldetheke gehen zu können. „Wir nehmen Datenschutz ernst und bitten unsere Patienten, Abstand zu halten und gegebenenfalls sogar in einem separaten Zimmer zu warten, bis sie aufgerufen werden“, so Pflegedienstleiterin Elisabeth Degemer. Das Krankenhaus hat mit diesem Schutz der Privatsphäre „nur gute Erfahrungen gemacht.“ Lediglich kurz nach der Einführung habe der ein oder andere Patient schon mal gemeckert. „Aber, wenn er selbst an der Reihe ist und seine Daten oder sein Krankheitsbild abgefragt werden, erschließt sich die Diskretionszone von allein“, so Degener.

Zurück geht die Diskretions-Offensive der Apotheken unter anderem auf die am 12. Juni 2012 in Kraft getretene neue Apothekenbetriebsordnung. Die schreibt vor, mehr in die vertrauliche Beratung zu investieren. „Kein Problem für uns“, sagt Apothekerin Maria Nawrat. „Wer möchte schon von sich preisgeben, dass er inkontinent ist?“ Und wer etwa Strümpfe angemessen bekomme oder all die Messungen durchführen will, die in Apotheken erlaubt sind, der wird an der Ihmerter Straße gleich in ein separates Besprechungszimmer gebeten.

Als Apothekerin hat Maria Nawrat keine Einwendungen gegen die neuen Lösungen. Damit werde die heilberufliche Tätigkeit des Apothekers stärker in den Vordergrund gerückt. Das sieht auch Egbert Althoff, Amtsapotheker im Märkischen Kreis, so. Für ihn ist dieser Service eine weitere Stärkung der Arzneimittelsicherheit und damit letztlich der Gesundheit der Menschen. Er sagt aber auch: „Wir bitten jeden Kunden, mitzuspielen und sich nicht in Beratungsgespräche zu drängen. Jeder sollte Rücksicht nehmen.“

Dem stimmen auch Maria Nawrath und Elisabeth Degemer zu. Was man für sich selber reklamiere, müsse auch für andere Gültigkeit haben. „Wir müssen immer dran bleiben“, so die Pflegedienstleiterin. „Diskretion ist eine Daueraufgabe.“

von Johannes Bonnekoh

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