Der Schutz des Meeres geht jeden an

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Dr. Rebecca Störmer sensibilisiert für den Schutz der Meere.

Altena - Für das Hochseeaquarium auf Helgoland gibt es keine Hoffnung mehr. Die Schließung zum Jahresende ist beschlossene Sache. Das auf der Hochseeinsel mit zwei Naturschutzgebieten keine Begegnungsstätte für Meeresforschung und Umweltbildung mehr existieren soll, will die ehemalige Altenaerin Dr. Rebecca Störmer nicht einsehen.

Von Ina Hornemann

Sie kämpft für ein neues Projekt, das Menschen für den Schutz der Meere sensibilisieren soll. In Altena hat sie das am Montag mit Erfolg getan. 50 interessierte Bürger nahmen auf dem Dachboden der Stadtbücherei Platz und alle haben Rebecca Störmers Petition für ein neues Bürger- und Touristenforschungszentrum unterschrieben.

Ein solches Projekt hat seine Berechtigung, wie die Referentin in ihrer Präsentation anschaulich darlegte: Denn auch jede Fastfood-Verpackungstüte, die hier aus dem fahrenden Auto ins Gebüsch fliegt, landet irgendwann über Wind und Lenne in der Nordsee. Die brauche schon zwei Monate, um ein abgekautes Apfelgehäuse biologisch abzubauen und fünf Jahre für einen abgerauchten Zigarettenfilter.

Den Abbau des Plastikmülls in den Meeren werde der Mensch nicht mehr erleben: Biologen schätzen, dass es 450 Jahre braucht, bis die Umwelt eine schlichte dünne Plastiktüte grob in ihre Bestandteile zersetzt hat.

Von solchen Tüten gibt es auf Helgoland viele: Jeder der zahlreichen Duty Free-Shops gibt sie gern an die schnäppchenjagende Kundschaft heraus. Rebecca Störmer will das ändern. In wenigen Wochen führt sie Gespräche mit den Kommunalpolitikern und Einzelhändlern der Insel, um ihr Ziel zu erreichen: Helgoland soll die erste plastiktütenfreie Duty Free-Insel der Welt werden.  Wiederverwertbare Taschen gegen Pfandausgabe könnten eine attraktive Lösung sein, die dem Handel sogar noch Geld in die Kasse spülen könnte.

Es ist aber beiweitem nicht der Kunststoff allein, der dem Meer zu schaffen macht. Während zu Land Flussbetten durch Baggeraushub begradigt werden, dürften die Lebewesen in der Nordsee damit rechnen, dass ihnen dieser Schlamm bald geliefert wird, und zwar legal. Zu viele und zu fremde Nährstoffe gelangten so ins Meer. Laichplätze von Fischen werden verschüttet.

Über solche Baggerguteinbringungen hat Rebecca Störmer zwischen 2009 und 2012 für ihre Doktorarbeit geforscht und Veränderungen an den Meeresbodenbakterien entdeckt. Auch Chemikalien und Klärschlamm, die bis vor 30 Jahren noch legal in die Nordsee eingebracht werden durften, haben ihre Spuren hinterlassen und Arten verändert.

Der Container mit Markenschuhen, den ein Frachtschiff vor wenigen Jahren in der Nordsee verlor, machte am Strand die Folgen menschlich verursachter Umweltverschmutzung für kurze Zeit sichtbar. Zwar wurde gut aufgeräumt, doch bis heute wird die Fußbekleidung aus Kunstfasern gelegentlich noch angespült.

Welche Organismen Schaden nehmen durch achtloses Handeln, will die Meeresforscherin Menschen in dem neuen Begegnungszentrum zeigen. Der Förderverein ,,Bluehouse” will Touristen Erlebnispädagogik bieten, indem er sie in einer Station zu Meeresforschern für einen Tag macht.

Auch jeder Sauerländer Bürger könne zum Umweltschutz beitragen, indem er zum Beispiel die Plastiktüte beim Einkauf ablehne oder darauf achte, dass sein Gesichtspeeling keine Mikrokunststoffpartikel enthalte. Das von Rebecca Störmer gegründete Unternehmen ,,Sustainable me” bietet Umweltbildungsseminare, die sich genau mit solchen Themen auseinandersetzen. Auch in ihrer Wahlheimat Helgoland selbst bietet sie Exkursionen an. Und ins Sauerland kommt sie dafür auch immer gern zurück. Alle Infos gibt’s auf www.sustainable-me.de.

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