Schuss geht für Frauen nach hinten los

ALTENA ▪ Voll war es am Samstagmorgen im Festzelt, mit Spannung erwarteten die Besucher die 26. Femegerichtsverhandlung des Evingser Schützenvereins. Insgesamt wurden fünf Fälle verhandelt.

Der Vorsitzende Richter Frank Moldenhauer teilte mit, dass man sich auch in den vergangenen zwei Jahren wieder „mit einigen Gräueltaten und Geschmacklosigkeiten der Heimatberechtigten des Dorfes“ auseinandersetzen musste.

Schützenfest in Evingsen

Schützenfest Evingsen

ALTENA - Die Schützen in Evingsen feiern! In unserem Video haben wir unter anderem Bilder vom Festumzug.

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Zunächst sei jedoch unverkennbar, das sich dieses Gericht personell verändert habe, so Moldenhauer. Büttel Erich Rohmund wurde nach 28 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand entlassen. Auf eine so lange aktive Tätigkeit im Femegericht könne bis heute kein anderer zurückschauen, so der Vorsitzende.

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Mit Rohmund verlassen auch Staatsanwalt Udo Weber und Pflichtverteidiger Wilhelm Förster das Femegericht. Damit die jüngere Generation nachrücken kann übergaben die drei ihre Roben, Uniform und Pickelhaube an den neuen Büttel Michael Klinke, Staatsanwalt Martin Klinke und Pflichtverteidiger Renè Sadowski. Unter großem Applaus, mit Blumen und Geschenken bedacht, wurden die Ruheständler von der Bühne verabschiedet.

Bilder vom Schützenfest

Michael Porsch wird neuer Regent

Evingser Schützenfest

Zum Fall eins: Angeklagt waren die Technikfreaks Peter Beckmerhagen, Jochen Schulte, Jürgen Sauser und Daniel Potthof, die sich ihren Traum mit dem Kauf einer riesigen Pistenraupe erfüllt haben. Doch was solle nach Unimog, Unimogtreffen und Pistenraupe folgen? Etwa eine schwere Dampflokomotive oder gar ein Braunkohlebagger? Wohin solle sich das bei dieser Landmachinen-Euphorie entwickeln, fragte der Ermittlungsrichter Hans Martin Pohl. Um der Erweiterung des Fuhrparks Einhalt zu gebieten, fällte das Gericht folgendes Urteil: In einem der beiden nächsten Winter wird das Femegericht auf Einladung der Angeklagten am Skihang auf Elfenfohren erscheinen, um entsprechende Sachkundenachweise zu führen. Da eine Pistenraupe einem bekanntlich „den Schnee unterm Hintern sichert“, werden sie sich anschließend ins Pistengetümmel werfen. Grundsetzlich habe man bei der Überprüfung keine Abneigung gegen ein oder zwei Tässchen Jagertee, so das Femegericht.

Bilder vom Festumzug

Schützenfest Evingsen: Festumzug am Sonntag

Auf die Spitze hatten es allerdings im vergangenen Jahr die 48 Frauen des 3. Zuges getrieben, die dem Angeklagten Volker Bösert Vernachlässigung und Verschleppung vorwarfen. Der Schuss sollte aber nach hinten losgehen.

Bilder vom Dorfabend

Dorfabend beim Schützenfest Evingsen

Beim letzten Schützenfest im Jahr 2010 hatten die als Piraten verkleideteten Frauen die Theke im Zelt gestürmt und so richtig die Sau rausgelassen. Volker Bösert, der sich in aller Ruhe gerade noch ein paar frisch Gezapfte gönnen wollte, konnte nach gefühlten drei Stunden das Gekreische, Gefrotzel und Gequatsche nicht mehr länger ertragen. Der Busunternehmer überlegte kurz und bot den lärmeden Piratinnen einen Ausflug mit dem Bus an. In seinem alkoholisierten Zustand war das zwar nicht möglich, aber die Frauen nagelten ihn auf das Angebot sofort fest. Am 12. Mai 2012 startete dann endlich die Ausflugsfahrt – mit Volker und seinem Bus. Bei der Zielankunft entpuppte sich die versprochene Oase als das Dörfchen Hützemert, in dem bis zu diesem Tag noch kein Reisebus gesichtet worden war. Dazu kam noch, dass es den ganzen Tag regnete. Und wärend das Frauengeschwader eine Planwagenfahrt unternahm, war Bösert mit seinem Bus einfach wieder nach Evingsen gefahren. Am Abend hat er die Damen zwar wieder abgeholt, jedoch ohne über seine zwischenzeitliche Flucht auch nur ein einziges Wort zu verlieren.

Das Evingser Femegericht sprach den Angeklagten allerdings wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit und wegen Mangels an Beweisen frei. Seine Hochherzigkeit sei von den Frauen schamlos ausgenutzt worden, urteilte das Gericht und verdonnerte sie dazu, im schützenfestfreien nächsten Jahr eine „morgenländische Vergnügung“ nach dem Motto „Ali Baba und die 40 Räuber“ mitten im Dorf auszurichten. Das Ganze soll nach Möglichkeit in der warmen Jahreszeit stattfinden und rechtzeitig in arabischer Schrift angekündigt werden. Die Evingser und alle Gäste sollten freien Zutritt haben. ▪ Susanne Loewen

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