Schulleiter Wolfgang Wilbers wünscht sich mehr Flexibilität

Zu jung für die Schule?

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Petition zur Verschiebung des Einschulungsstichtags: Heute sind nur noch gesundheitliche Gründe ausschlaggebend, um ein Kind zurückzustellen. Das hat sich gegenüber früher deutlich verändert erläutert Schulleiter Wolfgang Wilbers. 

Altena – Wie viele i-Dötzchen in Altena bereits mit fünf Jahren die Schulbank drücken, ist statistisch nicht genau erfasst. Doch es gibt zahlreiche Mädchen und Jungen, die so jung bereits das Rechnen, Schreiben und Lesen erlernen. Die zentrale Frage bleibt dabei: Sind sie nicht zu jung für die Schule?

In Nordrhein-Westfalen ist der 30. September Einschulungsstichtag. Alle Kinder, die bis zu diesem Datum ihren sechsten Geburtstag feiern, müssen noch im selben Jahr (1. August) eingeschult werden. Das stößt jedoch zunehmend auf Widerspruch. So hat Sylvia Montanino, eine Mutter aus Essen, jetzt eine Petition ins Leben gerufen: Der Stichtag soll ihrer Meinung nach auf den 30. Juni verschoben werden. Des Weiteren sollten Eltern selbst entscheiden können, ob ihr Kind noch im selben Jahr zur Schule geht, wenn das Kind zwischen dem 1. Juli und 30. September Geburtstag hat. Seit dem 2. Februar ist die Petition online. Sie hat bisher mehr als 36 500 Unterschriften und 13 600 Kommentare erzeugt. Für Wolfgang Wilbers, Schulleiter der Grundschule Altena mit den Standorten im Mühlendorf und Dahle, ist die Praxis der frühen Einschulung tägliches Brot. „Das ist irgendwie ein Thema, das jede Grundschule angeht“, sagt er. Er erinnert daran, dass es eine Zeit lang so war, dass Eltern auf Antrag ihre Kinder früher zur Schule schicken konnten. Damit habe er im Einzelfall immer gut leben können. Natürlich gebe es auch an seinen Schulstandorten einige Kinder, die schon früh schulreif wären, aber es seien unter dem Strich auch viele eben nicht soweit, bereits mit fünf Jahren in die Grundschule zu gehen. Das betreffe sowohl ihre Fähigkeit zum Lernen, als auch ihr Sozialverhalten. Die heutige Praxis sieht er deshalb eher kritisch. Zwar könne man grundsätzlich nicht jedes Kind und jede persönliche Situation über einen Kamm scheren, „aber im Prinzip ist die Aussage ,zu jung für die Schule?’, schon ein Alltagsthema geworden.“ Wilbers gibt zu bedenken, dass eine Zurückstellung Fünfjähriger heute nur noch aus gesundheitlichen Gründen möglich sei. Einen anderen Spielraum gäbe es nicht. „Und das wünschen sich natürlich weder die Eltern, noch die aufzunehmende Schule wirklich.“ Wilbers erinnerte daran, dass die frühe Einschulung und die Verkürzung der Gymnasialausbildung auf acht Jahre ja ausschließlich das Ziel verfolgten, die jungen Leute früher in die Sozialversicherungssysteme einzubeziehen. „Ein so früher Start, da wiederhole ich mich, geht an manchen unserer Spatzen einfach vorbei!“ Hätte die Petition Erfolg, ist Wilbers überzeugt, „dass wir als Schulen in Zukunft weniger Probleme hätten. Das würde die Situation im Schulalltag schon deutlich entschärfen.“ Übrigens: Unabhängig vom Ausgang der Petition besteht in NRW nach wie vor die Möglichkeit einer vorzeitigen Einschulung. Das geht auf entsprechenden Antrag, etwa wenn eine Hochbegabung vorliegt. Das seien im Alltag aber eher die Ausnahmen, erläutert Wilbers. Insgesamt hält der Rektor die Verschiebung des Einschulungsstichtages „für durchaus sinnvoll.“ Damit könne man im Schulalltag gut arbeiten - Ausnahmen für die Kinder blieben ja bestehen.

ONLINE-PETITION 

Zur Online-Petition von Sylvia Montanino gelangt man über das Portal www.openpetition.de. Dort findet man auch Statements von Landtagsabgeordneten.

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