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Schulen schlagen Alarm: Immer weniger Kinder können schwimmen

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Von: Ines Engelmann

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Spannende Aufgabe: Abstoßen vom Beckenrand und dann im Wasser gleiten beim Schwimmkurs im Gartenhallenbad Nachrodt.
Immer mehr Schulkinder können nicht schwimmen, stellen Lehrer fest. Im Gartenhallenbad in Nachrodt gibt es Schwimmkurse. © Fischer-Bolz, Susanne

Es ist viel Nachhilfe nötig: Immer weniger Kinder können richtig schwimmen. Die Schulen schlagen Alarm. In Altena ist das Problem nach der Flut noch größer.

Altena/Nachrodt – Eigentlich sollten Kinder in der fünften Klasse bereits schwimmen können. Eigentlich. In der Praxis zeigt sich, dass das immer seltener der Fall ist. Umso wichtiger wird der Schwimmunterricht an Schulen. Doch der gestaltet sich in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde schwierig.

Dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können, wird an Schulen allmählich zum Problem. „Die Schulen müssen da unheimlich viel aufholen“, sagt Anne Rohde, Schulleiterin der Sekundarschule. Aufgrund der Pandemie fielen viele Schwimm- und Sportkurse aus. Die Folge: Die Lehrkräfte merken, dass Kinder motorisch oft schwach seien. Rohde: „Viele Schüler haben mittlerweile unglaubliche Defizite beim Körpergefühl.“ Nun sei es Aufgabe der Schulen, die Kinder dementsprechend zu fördern.

Nachhilfe im Schwimmbecken

An der Sekundarschule erhalten deshalb nicht nur Fünftklässler Schwimmunterricht im Gartenhallenbad in Nachrodt, sondern so weit möglich auch Schüler des sechsten Jahrgangs. Sekundarschüler, die über den Schwimmunterricht hinaus im Wasser aktiv sein wollen, können an der Schwimm-AG (für die Klassen fünf bis sieben) teilnehmen

. Darüber hinaus werden in den Ferien Schwimmkurse angeboten, um vor allem Anfänger beim Schwimmen zu unterstützen. „Und ich glaube, wir kriegen das ganz gut hin. In der Regel können alle Kinder nach sechs Monaten bei uns schwimmen“, sagt Rohde. Die Sekundarschule ist mittlerweile Träger des DLRG- Schulsiegels für besondere Leistungen in der Schwimmausbildung 2020.

Geschlossenes Bad verschärft Problem

Am Burggymnasium (BGA) gibt es derzeit keinen Schwimmunterricht. Nach der Flut ist das schwer getroffene Bad in Dahle noch immer geschlossen. Auch am BGA spüren die Lehrer eine Veränderung. „Wir haben zwar keine Erhebungen zu den Schwimmfertigkeiten veranlasst, aber auch wenn bei uns die Kinder bereits das Seepferdchen bei der Einschulung haben müssen, gibt es immer wieder Kinder, die in der fünften Klasse noch nicht schwimmen können“, sagt Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper. Er findet den Alarm, den Experten schlagen, gerechtfertigt.

Dass das Dahler Bad vorerst geschlossen bleibt, spitze die Situation weiter zu, vermutet er. Im Vergleich zu Grundschulen seien weiterführende Schulen jedoch weniger betroffen, glaubt Holtkemper.

Kein Schwimmunterricht für Drittklässler

Das bestätigt Jörg Schlüter, Leiter der Grundschule am Breitenhagen. Die Pandemie und das geschlossene Bad spitzen auch dort die Situation zu. „Wir können im Moment keinen Schwimmunterricht für den dritten Jahrgang anbieten“, sagt Schlüter. „Das ist besonders bitter, denn das Schwimmen ist ein sehr wichtiges Thema, denn es rettet Leben.“ Er spüre, dass immer mehr Kinder immer weniger Schwimmerfahrung mitbringen.

Der Schwimmunterricht – sofern er überhaupt stattfinden kann – findet oft mit mehreren Sportlehrern gleichzeitig statt. Am BGA beispielsweise verschaffen sich die Lehrkräfte selbst einen Eindruck über die Fähigkeiten der Kinder im Wasser und teilen sie dann in Gruppen auf: „Wir verlassen uns nicht auf die Aussagen der Eltern, sondern prüfen selbst die Fähigkeiten jedes Kindes. Deshalb haben wir zwei Sportlehrer dabei: Der eine unterrichtet Schwimmer, der andere die Nichtschwimmer“, sagt Holtkemper. So handhabt es auch die Sekundarschule.

Schwimmunterricht mit mehreren Lehrern

An der Grundschule Breitenhagen findet der Schwimmunterricht normalerweise sogar mit drei Lehrern statt: „Wir teilen die Drittklässler in drei Gruppen – Schwimmer, Nichtschwimmer und Teilschwimmer – auf“, so Schlüter. Die Teilschwimmer sind diejenigen, die kurz vor ihrem Seepferdchen stehen. Eltern und Kindern legt er vor dem Beginn des dritten Schuljahres nahe, einen Schwimmkurs zu belegen. „Doch die Wartezeiten sind lang und das Problem wird sich in den kommenden Jahren auch in Schulen weiter durchziehen.“

Die DLRG-Ortsgruppe Altena bedauert, dass sie derzeit keine Schwimmkurse im Dahler Bad anbieten kann. Die Nachfrage ist laut Uwe Beul, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe, auf jeden Fall da. Auf ein anderes Bad auszuweichen, mache aber keinen Sinn: „Wir würden den Aufwand sogar betreiben, die Kinder in ein anderes Bad zu fahren, aber dort sind oft nur Trainings- und Schwimmzeiten ab 19 Uhr frei. Das ist für Fünfjährige keine Option.“

DLRG fürchtet: Wartelisten wachsen

Beul fürchtet langfristige Folgen: „Mit sechs, sieben, acht oder vielleicht sogar neun Jahren schlagen die Kinder dann bei uns auf und bitten um Schwimmunterricht. Die Wartelisten werden somit überall noch länger.“ Alle Beteiligten fiebern der Wiedereröffnung des Dahler Bades entgegen. Der Zeitpunkt ist jedoch ungewiss.

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