Schulen bleiben dicht: Nicht alle Schulleiter begeistert

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ist nun erneut Homeschooling angesagt.
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Homeschooling ist weiterhin angesagt.

Unterricht auf Distanz: Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Die Reaktionen vor Ort sind sehr unterschiedlich.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Eine Rückkehr zum normalen Schulalltag wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Distanzunterricht bleibt weiterhin das Mittel der Wahl, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Darauf haben sich Bund und Länder am Dienstag (5. Januar) verständigt. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab Februar zunächst die Erst- bis Sechstklässler, dann die Älteren im Wechselunterricht in die Schulen zurückkehren. Eine Entscheidung, die in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde nicht nur auf Begeisterung stößt. Ein Überblick.

Sekundarschule: „Schüler so schnell wie möglich in Schule zurück“

Für Anne Rohde, Leiterin der Sekundarschule Altena-Nachrodt, ist klar: „Wir wünschen uns die Schüler so schnell wie möglich in der Schule zurück.“ Das Lernen in der Schule wäre auch eine Erleichterung für die Eltern, sei jedoch an Voraussetzungen gebunden. „Wir brauchen kleinere Lerngruppen“, fordert Anne Rohde.

Das Solinger Modell findet die Schulleiterin sehr überzeugend, es sei aber „demontiert“ worden. Dabei sollten wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen die Klassen an allen weiterführenden Schulen in Solingen halbiert werden. Die Schüler sollten im Wechsel zuhause und in den Schulräumen unterrichtet werden. Doch die NRW-Landesregierung kassierte die Pläne. Anne Rohde spricht sich dafür aus, „nicht mit Distanzunterricht zu beginnen“. Auch eine „ungesteuerte Freiwilligkeit“ des Schulbesuchs sei nicht das Mittel der Wahl.

Gratis-Computer für die Familien

Auch Distanzunterricht sei an Voraussetzungen gebunden, sagt die Schulleiterin mit Blick auf die Ausstattung von Geräten und Personal, aber auch auf die technische Infrastruktur: „Da braucht man schnelles Internet an jeder Milchkanne“. Computer sollten ihrer Meinung nach im Übrigen zur Lernmittelfreiheit gezählt werden – und somit keine Kosten für Schüler und Eltern verursachen.

Rohde findet: „Bevor wir mit schlechtem Distanzunterricht anfangen, warten wir lieber noch eine Woche länger.“ Anne Rohde plädiert vielmehr für einen „sinnvollen Wechselunterricht“, wenn ein reiner Präsenzunterricht in der Schule nicht möglich ist, statt alle Schüler parallel online auf Distanz zu unterrichten.

Um den Wechselunterricht vorzubereiten, bräuchten die Schulen dann aber auch Zeit. Rohde macht auch darauf aufmerksam, dass die Lehrerkollegien durch zusätzliche Belastungen an ihre Grenzen kommen – „und zwar im ganzen Land.“

Burggymnasium: Entschuldigung vorab

Auf der Homepage des BGA entschuldigt sich Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper dafür, dass es erneut zu sehr kurzfristigen Entscheidungen kommen wird. Das NRW-Schulministerium habe angekündigt, dass es seine Entscheidungen „im Laufe des Donnerstags“ bekannt geben werde.

Damit könne schulintern erst am Freitagmorgen festgelegt werden, wie es weitergehen soll. „Ich werde versuchen, noch am Freitag die konkreten Entscheidungen zu übermitteln“, verspricht der Schulleiter. Holtkemper geht davon aus, dass es „zumindest in Teilen“ beim Distanzunterricht bleiben wird. „Wie weit aber die Einschränkungen tatsächlich gehen werden, ist im Moment noch völlig unklar“, bedauert der BGA-Direktor.

Grundschule Altena: „Keiner weiß, was in 14 Tagen ist“

Wolfgang Wilbers, Leiter der beiden Standorte Dahle undMühlendorf der Grundschule Altena, kann sich durchaus vorstellen, dass die Grundschulen bald wieder in den Präsenz-Unterricht gehen. Gleichzeitig stellt er klar: „Meine Aufgabe ist die Umsetzung der Anweisungen, nicht das Spekulieren.“ Für Donnerstag erwartet auch er die sogenannte Schulmail mit Richtlinien aus dem Ministerium. Wilbers erinnert an die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown, wo man Homeschooling in Papierform anbot.

Die Aufgaben für die Schüler konnten in der Schule abgeholt werden, und es gab zugleich Rückgabetermine. Zur Frage, wann der Schulunterricht seiner Meinung nach wieder beginnen sollte, mochte sich Wolfgang Wilbers nicht äußern: „Da halte ich mich raus. Kein Mensch weiß, was in 14 Tagen ist. In den letzten acht Monaten hat mich nie einer gefragt, was ich mir wünsche.“

Grundschule Nachrodt-Wiblingwerde: „Vernünftiges Verhältnis“ entscheidend

„Wir werden reagieren, sobald wir die dienstliche Anweisung haben“, sagt Carsta Coenen, Leiterin der Grundschulen in Nachrodt und Wiblingwerde. Wichtig sei, dass die Maßnahmen für den Schulbereich „in einem vernünftigen Verhältnis“ stehen zu dem, was im übrigen öffentlichen und privaten Leben geschieht, findet sie. Vielleicht werde es bis zum Ende des ersten Schul-Halbjahres in drei Wochen einen Kompromiss geben.

Wechselunterricht kann sich die Pädagogin grundsätzlich gut vorstellen. Denn „die Kinder müssen den Bezug zu den Lehrern behalten“. Was das Homeschooling, also die Beschulung auf Distanz, angeht, habe das Kollegium zweifellos sehr viel geleistet. Auch in Nachrodt-Wiblingwerde hatte man Aufgaben für die Schüler zum Abholen bereitgestellt und Rückgabezeiten eingerichtet. Das Lehrerkollegium übernahm zusätzlich die Betreuung per Telefon und E-Mail.

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