An den Schulen arbeiten besonders viele Pendler

Pendeln in Altena: Wer weit fahren muss, ist meistens pünktlich

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Mehr weg als hin: Sowohl in Altena als auch in Nachrodt-Wiblingwerde liegt die Zahl derjenigen, die zum Arbeiten in andere Städte fahren, über der Zahl der Einpendler. Für kleinere Kommunen ist ein solcher Auspendlerüberschuss aber nichts Ungewöhnliches, vor allem wenn sie in direkter Nachbarschaft zu größeren Städten wie Iserlohn und Lüdenscheid liegen. 44 Prozent aller Auspendler aus den beiden Kommunen haben ihren Arbeitsplatz dort.

Altena/Nachrodt - Fast wie früher: Ulrich Holtkemper, Direktor des Burggymnasiums, wohnt genau vier Häuser neben seiner Schule. Das ist aber die ganz große Ausnahme. 80 Prozent seiner Lehrer seien Pendler, hat der Schulleiter ausgerechnet.

An der Sekundarschule sieht es so ähnlich aus. Anne Rohde, ebenfalls überzeugte Altenaerin, berichtet, dass nur elf der etwas über 50 Lehrer in Altena und Nachrodt wohnen. Manche Kollegen nehmen richtig weite Strecken auf sich – einer fährt jeden Morgen von Münster ins rund 90 Kilometer entfernte Nachrodt, eine andere Kollegin kommt Tag für Tag aus Hamm. Holtkempers weitgereisteste Lehrer pendeln aus Wuppertal und vom Möhnesee nach Altena.

Erstaunlich: Beide Schulleiter berichten, dass sich Lehrer, die über besonders staugefährdete Strecke zum Unterricht kommen, durch große Pünktlichkeit auszeichnen. „Die wissen, wann es besonders schlimm ist, und versuchen diese Zeiten zu meiden“, weiß Anne Rohde. Holtkemper hat von pendelnden Kollegen erfahren, dass sie alle wichtigen Möglichkeiten zur Stauumfahrung kennen.

"Ein Unfall auf der Rahmedestraße macht uns mehr zu schaffen als ein langer Stau auf der Sauerlandlinie“, sagt der BGA-Direktor. Es gilt nämlich auch, dass viele Lehrer zwar Pendler sind, aber keine besonders großen Strecken zurücklegen – Lüdenscheid und Iserlohn sind jedenfalls beliebte Wohnorte für die Lehrkräfte beider Schulen. Aus Gesprächen mit ihren Kollegen kennen die beiden Schulleiter einen ganzen Reigen von Gründen dafür, dass Lehrer nicht an ihrem Dienstort wohnen wollen oder können. An erster Stelle stehen familiäre Wurzeln: Wer Ehefrau und Eigenheim in Dortmund habe, tue sich mit einem Umzug nach Altena naturgemäß schwer, sagt Rohde.

Hinzu komme, dass ja meistens beide Partner arbeiten – „dann sucht man die Wohnung auch mal in der Mitte zwischen beiden Arbeitsorten“. Rohde kennt aber auch Kollegen, die gerne in den Ruhrgebietsstädten mit ihrem reichhaltigen Kulturangebot wohnen, aber lieber im beschaulichen Altena und Nachrodt als in der Dortmunder Nordstadt unterrichten wollen. Einige von denen kämen aber mit der Zeit dahinter, dass es einfacher sei, ein- oder zweimal die Woche von Altena nach Dortmund ins Konzerthaus oder nach Essen ins Museum zu fahren als umgekehrt täglich aus dem Ruhrgebiet nach Altena zu pendeln, berichtet Holtkemper.

Wie auch Anne Rohde beobachtet er, dass es zunehmend Mitglieder des Kollegiums in die Region zieht – teils nach Altena und Nachrodt, teils in Nachbarstädte. Das hänge dann aber oft auch davon ab, wo sich die passende Immobilie oder Mietwohnung finde. Ob Lehrer auch deshalb pendeln, weil sie in ihrer Freizeit nicht ständig auf ihre Schüler und deren Eltern soßen wollen? Das könnte ein Grund sein, sagt Holtkemper, Rohde muss bei dieser Frage passen: „Ich kann nur sagen, dass ich mich freue, wenn ich beim Einkaufen einen meiner Schüler treffe und der mich nett begrüßt“.

Und wie verbunden sind die pendelnden Lehrer mit der Stadt, in der sie arbeiten? Wie Altenas Bürgermeister heißt, müssten die Lehrer am BGA eigentlich wissen – Holtkemper organisierte für sein Kollegium einst eine Stadtführung mit Dr. Andreas Hollstein und will das „gerne mal wieder wiederholen“. Das Sekundarschul-Kollegium hat schon in der Stadtbücherei konferiert, um deren Angebot kennenzulernen. „Und nach einer anderen Konferenz sind wir Burgaufzug gefahren“, berichtet Rohde.

Die Statistik:

Lüdenscheid ist die Nummer eins für die Pendler aus dem Lennetal: 1784 Altenaer fahren täglich aus Altena in die Kreisstadt, aus Nachrodt-Wiblingwerde sind es 516. Umgekehrt arbeiten nur 66 Lüdenscheider in Nachrodt, in Altena sind es 659.

Weitere bevorzugte Ziele der Pendler sind die übrigen Nachbarstädte, wobei auffällt, dass zwar 402 Nachrodter in Altena arbeiten, aber nur 217 Altenaer nach Nachrodt auspendeln. Es gibt aber auch Pendler, die deutlich weitere Wege zurücklegen – es gibt Bochumer, die in Altena arbeiten und Münsteraner, die jeden Tag nach Nachrodt fahren. Besonders rege ist der Austausch mit Dortmund: 137 Altenaer fahren täglich dorthin zur Arbeit, aus Nachrodt sind es 75. Umgekehrt zählt die Doppelgemeinde 24 Einpendler aus Dortmund. In Altena arbeiten 101 Dortmunder.

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