Altenas Armutsbericht

Die Schuldnerberatung der Awo registrierte in Altena im vergangenen Jahr 152 langwierige „Beratungsfälle“.

ALTENA ▪ Lüdenscheider Straße 23, direkt neben dem Ordnungsamt: Hinter einer fliederfarbenen Holztür kümmern sich Tom Höppner und Werner Herminghaus Tag für Tag um jene Altenaer, die mit ihrem Geld nicht auskommen. Exakt 152 langwierige „Beratungsfälle“ registrierten die beiden Awo-Schuldnerberater im vergangenen Jahr. Hinzu kamen über 100 Betroffene, für die eine einmalige Kurzberatung ausreichte.

Penibel Buch führen – das bringen die beiden nicht nur ihrer Klientel bei, das tun sie auch selbst. Es wird notiert, wer welche Schulden bei wie vielen Gläubigern hat und wie es dazu gekommen ist. Einmal im Jahr fassen die beiden diese Daten zu einem Bericht zusammen, der Verschuldung und damit oft auch Armut in der Burgstadt dokumentiert. Die wichtigsten Ergebnisse daraus:

Gründe der Überschuldung: Über 41 Prozent der Beratungsfälle wurden durch Arbeitslosigkeit ausgelöst, es folgen Einkommensrückgang (29 Prozent) und Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit (11 Prozent).

Alter der Betreuten: Gut 51 Prozent sind zwischen 31 und 50 Jahren alt und 23 Prozent zwischen 51 und 60 Jahren. 6,5 Prozent der Überschuldeten sind jünger als 26.

Höhe der Schulden: 40,8 Prozent der von der Awo betreuten Menschen steht mit 10- bis 25000 Euro in der Kreide. Bei 32 Prozent sind die Schulden geringer, immerhin 6,6 Prozent haben mehr als 100 000 Euro Schulden.

Anzahl der Gläubiger: In den wenigsten Fällen sind es nur die Schulden bei der Bank – die Awo betreut auch Menschen, die bei mehr als 50 Unternehmen im Soll stehen. Etwa 60 Prozent haben zwischen sechs und 20 Gläubiger.

Schuldenarten: Genau 15 listet die Schuldnerberatung auf, Bankkredite stehen immer noch an erster Stelle – 137 der Awo-Kunden stehen (auch) bei Geldinstituten in der Kreide. Es folgen Handy- und Telekommunikationsanbieter (99), Versandhäuser (62), Einzelhandel/Dienstleistung (68) und Energieschulden (59). Nach Beobachtungen der Schuldnerberatung werden Telekommunikation und Energie immer mehr zum Schulden-Problem.

Einnahmearten: 53,3 Prozent der Betroffenen müssen ausschließlich mit Hartz IV auskommen. 23 Prozent beziehen ein Gehalt, 7,9 Prozent sind Rentner. Von den 152 Haushalten, die die Awo betreut, haben 118 ein Einkommen, das unterhalb der Pfändungsfreigrenze liegt.

„Wir stellen immer wieder fest, dass viele die ersten Warnsignale wie z.B. ein ständig überzogenes Konto, sich stapelnde Rechnungen und erste Mahnschreiben ignoriert haben“, schreiben die Schuldenberater in ihrem Bericht. Dabei könne man, wenn man schnell handele, das Abrutschen in die Schuldenspirale oft noch verhindern.

Wenn die Hilfe der Schuldnerberatung gesucht wird, dann kümmern sich Höppner und Herminghaus zum einen um den Erhalt der Wohnung und des Lebensunterhalts, auch mit Tipps zur Senkung von Ausgaben und zur besseren Haushaltsführung. Ganz wichtig ist aber auch der Umgang mit den bereits vorhandenen Schulden. Hier sind Stundungen und Ratenzahlungsvergleiche denkbar, oft hilft aber nur noch ein gerichtliches Verbraucherinsolvenzverfahren. ▪ Thomas Bender

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