„Es ist wie im Krimi hier"

Schüsse auf dem Nettenscheid: Nachbarn haben Angst

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Altena – Erneut Randale im leer stehenden Hochhauskomplex Nettenscheid: Jüngster Höhepunkt der bereits oft von Anwohnern geschilderten Eskalationen waren Schüsse, die vor wenigen Tagen nach einem weiteren Eindringen von Unbekannten ins Gebäude abgefeuert sein sollen. Anwohner fühlen sich zunehmend unwohl in ihrer Nachbarschaft und wollen aus Angst vor Übergriffen anonym bleiben.

„Es ist wie im Krimi hier am Nettenscheid und dabei wird man nicht mal von der Polizei ernst genommen“, schreibt eine Frau aus dem Wohnumfeld an die Redaktion. Mehrere Male habe sie bei der Polizei in Altena angerufen und passiert sei nicht viel. 

Am 20. Februar griff die Frau wieder zum Telefonhörer, weil aus dem Haus Randale zu hören war. „Zur Krönung fingen sie mit einer Waffe an auf dem Dach sowie im letzten Obergeschoss rumzuschießen.“

Schüsse und umherfliegende Gegenstände

Ereignet habe sich der Vorfall kurz vor 22 Uhr. Unbekannte Jugendliche, die den Nachbarn bereits zwei Tage vorher als Ortsfremde aufgefallen waren, hätten sich sehr laut Zugang zum Dach verschafft. „Nachdem die Schüsse abgefeuert wurden, haben wir uns hinter einen Busch versteckt, wir waren draußen, da wir auf die Polizei warteten. Die Minuten kamen uns sehr lang vor“, berichtet die Anwohnerin. 

Bei Nachbarn sei ein Gegenstand in den Garten geflogen und der Bewegungsmelder angesprungen, woraufhin die Polizei 50 Minuten nach dem ersten Anruf noch einmal alarmiert worden sei. Zwischenzeitlich seien die Einbrecher wieder ins Gebäude gegangen um dort weiterzuschießen

Gegen 23 Uhr seien dann zwei Polizistinnen eingetroffen. Die Jugendlichen hätten sich zwischenzeitlich aus dem Gebäude entfernt, ihre Taschenlampen seien an der Außenwand aber zu sehen gewesen. Die Polizei habe das Gebäude umfahren, währendessen hätten sich die Einbrecher über den Fußweg aus dem Staub gemacht „wie eine Horde Elefanten“. Einer habe eine auffällige rote Jacke getragen. 

Angst, auf der Terrasse zu sitzen

Vier Tage später seien sie wieder aufgetaucht, hätten mit Taschenlampen Richtung Hochhaus geleuchtet, woraufhin die Hunde der Nachbarschaft sich bemerkbar gemacht hätten. Betroffen von der Randale sei jedes mal derselbe Block der leer stehenden Hochhäuser.

Nachdem die Randalierer sich den Nachbarn bewusst provokativ genähert hätten, will eine der Nachbarinnen nicht mehr auf ihrer Terrasse sitzen und auch nicht mehr in ihrem Wohnumfeld spazieren gehen. „Seit diesem Vorfall habe ich regelrecht Schweißausbrüche. Man muss schon Angst haben, überhaupt was zu sagen da man in der heutigen Zeit nie weiß, was die Menschheit in den Taschen hat“, schreibt die Betroffene.

Der Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid

Nachfragen beim Ordnungsamt seien ergebnislos geblieben: „Uns wurde gesagt, ihnen wären die Hände gebunden und man könnte nichts machen. Wenn man eine Besichtigung durchführen würde, dann gäbe es mit Sicherheit Einschusslöcher zu sehen.“ 

Abriss des Gebäudes nicht möglich

Die Anwohner fordern die Absicherung des Komplexes, der leicht zu betreten ist. „Es wird immer mehr zerstört und jeden Sommer macht sich mehr Schwarzschimmel auf den Weg nach draußen.“ Jüngste Überlegung: Eine Unterschriftenliste der Nachbarschaft, um etwas zu erreichen. 

Polizei und Ordnungsamt haben sich in der Vergangenheit bereits mehrmals geäußert zum Thema. Die Problematik ist den Behörden bekannt. Der oft geforderte Abriss des Gebäudes ist nicht möglich, da dort 83 Eigentumsverhältnisse vorherrschen, die erst durch Kauf oder Überschreibung geklärt werden müssten. 

Die Geschichte des Hochhaus-Komplexes auf dem Nettenscheid

Interesse am Erhalt seines Eigentums hat niemand mehr. Ordnungsbehördliche Maßnahmen zur Gebäudesicherung hat es in der Vergangenheit gegeben, die aber von abenteuerlustigen Eindringlingen immer wieder ignoriert worden waren. 

Die sogenannten „Lost Places“-Jäger hatten die Nachbarschaft nicht einmal großartig gestört. Als aber 2018 Eindringlinge Baumaterial vom Dach entfernten und Gegenstände hinabwarfen, wurde es den Leuten zu bunt und die Rufe nach der Gebäudesicherung wurden lauter. 

Polizei habe den Komplex im Blick

Altenas Wachleiter Alexander Fall widerspricht der Anwohnerin vehement, die Polizei bliebe tatenlos.. „Natürlich nehmen wir als Polizei jeden Anruf ernst. Wir sind dazu übergegangen, dort oben verstärkt Streife zu fahren. Aber ein Blick ins Internet genügt: Lost Places ziehen Menschen magisch an. Wir können deshalb nicht 24 Stunden am Tag Wachdienst dort leisten.“ 

Gleichwohl setzte er sich noch einmal mit dem Ordnungsamts ins Benehmen. „Die Stadt hat alle scharfkantigen Dinge vom Dach entfernt. Ich sage noch einmal: Wir haben den Komplex sehr wohl im Blick.“

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