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Schülerin aus dem MK studiert nebenher Maschinenbau: So kriegt sie alles unter einem Hut

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Den Alltag auf dem Campus hat Larissa Wiegmann schon längs kennengelernt. Seit dem Sommersemester ist sie als Schülerstudentin eingeschrieben.
Den Alltag auf dem Campus hat Larissa Wiegmann schon längs kennengelernt. Seit dem Sommersemester ist sie als Schülerstudentin eingeschrieben. © Privat

Larissa Wiegmann vom Burggymnasium ist in vielerlei Hinsicht talentiert. Neben ihren Abi-Vorbereitungen studiert sie nun an der Ruhr Universität Bochum Maschinenbau.

Altena – Am Burggymnasium werden jetzt gerade wieder Klausuren geschrieben: Englisch, Mathe, Deutsch, Bio – das übliche eben. Für Larissa Wiegmann ging es darüber hinaus noch um einiges mehr: Erfolgs- und Leistungsindikatoren im Betrieb, Zeitmanagement, Rüstzeiten, Muss- und Soll-Zeiten der Mitarbeiter, Arbeitsvorbereitung. Ungewöhnliche Themen für ein junges Mädchen - es sei denn, man studiert schon mal „nebenher“ Maschinenbau.

Seit dem letzten Sommersemester ist die 17-Jährige an der Ruhr Uni Bochum (RUB) als Schülerstudentin eingeschrieben. Die RUB bietet seit 2002 leistungsstarken Schülerinnen und Schülern ab der Klasse 10 die Möglichkeit ins Studium reinzuschnuppern. Das haben schon einige Altenaer genutzt – jetzt ist auch Larissa dabei.

Schülerin aus dem MK studiert nebenher Maschinenbau: Von Talentscout entdeckt

„Ich lerne gerne“, sagt sie, „und ich habe Lust zu studieren.“ Als RUB-Talentscout Max Ammareller, mit dem das Burggymnasium seit 2019 zusammenarbeitet, von der Schüleruni berichtete, war sie Feuer und Flamme. Ihre Leistungen sprachen dafür. „Ich bin eine ganz gute Schülerin“, meint das junge Mädchen – ihr Notenschnitt: 1,7.

Talentscout am Burggymnasium

Ende 2019 haben die Ruhr-Universität Bochum und des Burggymnasium Altena einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Durch ihn ist die Zusammenarbeit beider Bildungsinstitutionen auf vorerst unbeschränkte Zeit besiegelt. Das Burggymnasium und die Ruhr-Universität Bochum arbeiten unter anderem beim sogenannten Talentscouting zusammen. Dabei handelt es sich um ein Programm, durch das besonders begabte Schüler schwerpunktmäßige und individuelle Förderung erhalten sollen. Talentscout Max Ammareller bringt dabei sein Know-how ein, um Schülern Berufstraum greifbar zu machen. „Das Talentscouting dient vor allem den Schülern. Es eröffnet viele Chancen, universitäres Arbeiten schon während der Schulzeit kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen“, betonte Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.

Schülerin aus dem MK studiert nebenher Maschinenbau: Entscheidung für Schwerpunkt fiel schwer

Die Auswahl aus dem Vorlesungsverzeichnis fiel ihr nicht leicht: „Meine Leistungskurse sind Mathe und Englisch, aber ich mache auch gern Bio, Kunst, Sport. Ich mag so vieles, das war echt schwer zu entscheiden“, erzählt sie: „Ich habe mich schon immer für Technik, Informatik und Chemie interessiert.“ Sie entschied sich für Maschinenbau/Konstruktionstechnik und belegte dazu noch „English for academic purposes“. Jetzt in der Stufe 11/Wintersemester 2021/22 schloss sie Industrial Management im Fachbereich Maschinenbau an und hat da ihren Weg gefunden: „Ich weiß jetzt, dass Maschinenbau das Richtige ist. Das will ich auf jeden Fall weitermachen.“

Extras gibt es für die Schülerstudenten nicht. Sie besuchen die normalen Vorlesungen der Uni. Die anderen im Hörsaal sind alle älter, Larissa ist da zurzeit die einzige ohne Abi in der Tasche. Aber alles kein Problem. „Wenn ich nicht sage, dass ich noch zur Schule gehe, fällt es gar nicht auf. Man wird wie eine normale Studentin behandelt.“ Industrial Management war eine Vorlesung, die erst ab dem fünften Semester vorgesehen ist. Larissa kam trotzdem klar: „Ich habe die Klausur mitgeschrieben und ein gutes Gefühl.“ Sie macht sich in den Vorlesungen Notizen, schaut sich zuhause noch einmal alles an, erarbeitet sich selbstständig die Übungen, notiert Fragen, die sich ergeben. „Ich finde es eigentlich ein bisschen einfacher als an der Schule“, lacht sie: „Ich liebe es, an der Uni zu sein, dieses Gefühl, man wird erwachsen. Das motiviert sehr.“ Wenn sie sich ein Ziel setze, falle ihr alles leichter.

Schülerin aus dem MK studiert nebenher Maschinenbau: So kriegt sie alles unter einem Hut

Den verpassten Stoff an der Schule muss sie natürlich nachholen. „Die Lehrer unterstützen das sehr. Wir bekommen alles geschickt, können nachfragen“, erklärt Larissa, „und über unseren Tool-Manager kann ich jederzeit schauen, was am Tag dran war und welche Hausaufgaben zu erledigen sind.“ Sie versucht, alles perfekt zu machen und hat für sich als beste Lernmethode das Verfassen von Lernzetteln gefunden, markiert Texte mit verschiedenen Farben. Das Optische ist für sie wichtig: „Ich mag es, wenn alles schön aussieht. So kann ich am besten lernen.“

Im vergangenen Jahr hat die Corona-Pandemie den Einstieg ins Studium fast ein bisschen erleichtert. Die Veranstaltungen fanden online statt, die Fahrtzeit nach Bochum fiel weg. „Das war ganz gut, weil ich an den beiden Tagen nach den Vorlesungen direkt anschließend mit der Schule weitermachen konnte“, erzählt Larissa. Jetzt in der Stufe 11 darf sie nur noch an einem Tag in der Schule aussetzen. Statt zur Bismarckstraße geht es dann mit Bus und Bahn zum Campus nach Bochum – mehr als zwei Stunden ist sie dann täglich unterwegs. Die Zeit im Zug nutzt sie, um Hausaufgaben zu machen oder Schulstoff nachzuholen.

Zukunftsperspektive: Schülerin aus dem MK studiert nebenher Maschinenbau

Die Begeisterung hat noch nicht nachgelassen. Im Sommersemester ist sie wieder dabei, und für die Zeit nach dem Abi kann sie sich gut ein Studium in Bochum vorstellen. „Ich kenne da ja jetzt schon ein paar Leute, und der Botanische Garten ist richtig schön.“ Metallographie, Werkstoffkunde – das sind Bereiche, die sich die angehende Maschinenbaustudentin gut für ihren späteren Berufsweg vorstellen kann. „Ich habe im Januar bei Lüling ein Praktikum in der Qualitätssicherung gemacht. Das hat mir richtig gut gefallen.“

Warum tut sie sich das an? Neben der Schule vor dem Abi freiwillig noch mehr zu machen? Die Fragen kommen schon mal von den Freunden, aber die meisten finden es gut. „Ich bin ja auch kein Nerd“, sagt Larissa und lacht. Sie spielt Keyboard, singt gerne, schaut Filme, trifft sich mit Freunden – macht all das, was junge Leute eben so machen. Begeistert erzählt sie von Reisen, vor allem nach Amerika und England. „Ich liebe die englische Sprache“, sagt der Harry Potter-Fan und schwärmt vom Besuch des Themenparks im Universal Orlando Resort in Florida: „Früher habe ich immer eine englische Kinderserie geguckt. Ich glaube, das macht viel aus. Ich lese englische Bücher und schau mir auch schon mal Youtube-Videos zur besseren Aussprache an.“ Das hat sich gelohnt: Ihren Englisch-Kurs im Sommersemester an der Uni hat sie mit 38 von 40 Punkten bestanden. Der internationalen Karriere steht wohl nichts im Weg.

VON HILDE GOOR-SCHOTTEN

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