Schüler in Altena erkunden die Betriebe

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Tamara Purgina präsentiert eins der Teile, das unter ihrer Regie entstanden ist. ▪

ALTENA ▪ Seit Donnerstag weiß Tamara Purgina nicht nur, wie eine Drahteinziehzange aussieht und wofür sie gut ist. Sie kann einen Teil davon – den Körper – auch selber herstellen. Gelernt hat sie das bei der Firma Withöft in Evingsen, Anlass dafür war der „Girls Day“.

Die Realschule lege Wert darauf, dass ihre Schülerinnen an diesem Tag auch wirklich „Männerberufe“ kennen lernen, sagte Schulleiter Heribert Hertel. Da war Tamara bei Withöft bestens aufgehoben – in deren Werkshallen stehen nur Männer. Das sei kein Naturgesetz, betonte Geschäftsführer Harald Brüggemann. Es seien auch schon Industriemechanikerinnen im Betrieb tätig gewesen, es spreche nichts gegen eine Wiederholung.

In absehbarer Zeit will Withöft wieder ausbilden – das ist möglich, weil der Betrieb seit vergangenem Jahr wieder auf eigenen Beinen steht. Harald Brüggemann und Peter Söllner haben die Firma übernommen. Auszubilden, das stehe jetzt mittelfristig auf der Agenda, sagte Brüggemann am Donnerstag.

Tamara bekam ihren Girls Day-Platz über Beziehungen – ihr Vater Hubert Purgina arbeitet dort, die 14-Jährige kannte seinen Arbeitsplatz schon vorher. Was sie später einmal werden will, das weiß sie noch nicht so richtig – eine Lehre als Industriemechanikerin vielleicht? „Eher nicht“, sagt sie.

Die Realschülerin durfte übrigens „richtig arbeiten“ – nach kurzer Einweisung durch ihren Vater bediente sie ganz eigenständig (aber natürlich unter kritischer Beobachtung) eine der CNC-Maschinen. Im Ellen-Scheuner-Haus gelten da ganz andere Gesetze – Hygiene- und andere Vorschriften und natürlich der Respekt vor den Bewohnern machen es unmöglich, dass Schüler beim Girls Day die Pflegekräfte hautnah bei ihrer tagtäglichen Arbeit begleiten. Trotzdem machte die Pflegeeinrichtung in der Innenstadt mit – mit einem Programm, das Anja Bräuniger-Calitri eigens für sechs junge Menschen zusammengestellt hatte. Sie mussten Betten beziehen, Böden wischen, sich gegenseitig das Essen anreichen und lernten Hilfsmittel und die in den Kanzeln der einzelnen Wohnbereiche anfallende Büroarbeit kennen. Weil der Girls Day seit einiger Zeit auch ein Boys Day ist, waren auch drei junge Männer mit von der Partie – Niklas Tumbrock, Joscha Schulte und Niklas Hochrinner nutzten die Chance, sich über die Arbeit in der Pflege zu informieren. Ein paar Männer mehr täten dem Scheuner-Haus sicher gut: Gut 100 Menschen arbeiten dort, über 90 Prozent davon sind Frauen.

Den Girls- und Boys-Day nutzte die Realschule gestern dazu, in allen Klassen zum einen die Berufswahl und zum anderen die Geschlechterrollen zu thematisieren. So wurde für die Schüler der Jahrgangsstufe neun eine individuelle Berufsberatung angeboten, die sechsten Klassen brachen zu kleinen Exkursionen auf und besuchten die Partnerfirmen Lüling, Pilling, Finkernagel und Möhling.

Auch das Burggymnasium beteiligt sich an der Aktion, schickt allerdings die Neuntklässler in die Betriebe – sie seien schon etwas älter und damit auch verständiger, sagte Werner Reiling, der den Einsatz koordiniert. Er freute sich darüber, dass in diesem Jahr erstmals alle Schüler einen Platz gefunden haben – das sei in der Vergangenheit meist nicht der Fall gewesen, die Schule habe dann ein Programm für die „Daheimgebliebenen“ organisieren müssen. ▪ Von Thomas Bender

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