Teurer Schrott aus Stein

Beide müssen weg: Am Haus an der Eggestraße (kleines Bild) ist das Dach eingestürzt, beim Nachbarn werden die Wände feucht. Das Gebäude am Schwarzenstein gilt als einsturzgefährde. Foto: Bender

ALTENA -  Die Bauverwaltung führt neuerdings eine Liste mit so genannten Schrottimmobilien und versucht, deren Eigentümer ausfindig zu machen, damit sie sich um ihre verwahrlosten Häuser kümmern. Gelingt das nicht, bleibt die Sache an der Stadt hängen – und die muss dafür schon im kommenden Jahr richtig viel Geld ausgeben.

Die Häuser könnten unterschiedlicher nicht sein: An der Eggestraße muss ein schon seit Jahren leerstehendes Gemäuer mit vielleicht 80 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Etagen weichen, an der Werdohler Straße lässt die Stadt im Schwarzenstein-Komplex ein dreigeschossiges Haus abreißen. Eines aber haben beide Maßnahmen gemeinsam: Sie sind hoch problematisch und damit auch teuer.

An dem kleinen Haus in der Nette ist es die Lage: Es ist nur über einen Treppenweg zu erreichen. Schweres Gerät kann nicht eingesetzt werden, der Bauschutt muss von Hand zur Straße getragen werden. An der Werdohler Straße erschwert einerseits die Lage direkt an der Bundesstraße die Arbeiten, andererseits rechnet der Stadtplaner auch mit erhöhten Entsorgungskosten. „Das Treppenhaus ist komplett eingestürzt“, berichtet er. Deshalb sei es kaum möglich, Fenster, Heizkörper, Leitungen und Holzteile („sogar die Möbel stehen da noch drin“) aus dem Gebäude zu holen und möglichst sortenrein zu entsorgen.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung gab am Montag grünes Licht dafür, für diese beiden Abbrüche insgesamt 250 000 Euro in den Haushalt zu stellen. Die Stadt kommt nicht um die Ausgabe herum: Beide Häuser sind „herrenlos“, es gibt also keine Besitzer mehr. Und es ist Gefahr im Verzug: Das Haus am Schwarzenstein droht auf die Bundesstraße zu stürzen, das in der Nette führt zu Schäden am Nachbarhaus. „Wenn bei den Nachbarn solcher Immobilien die Wände feucht werden, dann müssen wir handeln“, sagte Balkenhol.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Irmgard Ibrom drängte darauf, sich intensiv mit einer neuen Vorschrift im Baugesetzbuch zu befassen. Bisher konnte die Stadt nur dann tätig werden, wenn Gefahr im Verzug war. Jetzt gilt, dass sie bei Missständen oder Mängeln auf deren Beseitigung drängen darf – und zwar schon dann, wenn ein vergammeltes Gebäude „das Straßen- oder Ortsbild nicht nur unerheblich beeinträchtigt“. Damit habe die Stadt jetzt womöglich eine Handhabe, am Nettenscheid tätig zu werden, meinte die SPD-Ratsfrau. Man beschäftige sich mit dem Thema, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, wies aber auch darauf hin, dass die Vorschrift noch neu sei und abgewartet werden müsse, wie sie im konkreten Einzelfall von den Verwaltungsgerichten interpretiert werde.

Mehr Hoffnung setzt die Verwaltung auf Prävention. Sie unterstützt deshalb ein Projekt der Uni Münster. Deren Studenten wollen für die Stadtteile Dahle und Evingsen herausfinden, welche Häuser in absehbarer Zeit von den derzeitigen Bewohnern verlassen werden und Konzepte entwickeln, wie eine eventuell erforderliche Vermarktung am besten gelingen kann.

von Thomas Bender

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