Schrottimmobilien in jeder Hinsicht ein Ärgernis

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Den Giebel hat der Bauhof ordentlich verkleidet. An der Wand darunter hängen noch Tapeten.

Altena - Schlimm, dass es sie gibt und dass letztlich der Steuerzahler die Zeche zahlt. Noch schlimmer, wenn es dann auch noch die Nachbarn trifft – so wie zum Beispiel Nicole Hallensleben. Sie klagt seit mehr als einem Jahrzehnt darüber, dass ihr Elternhaus an der Eggestraße durch das marode Nachbargebäude massiv in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch der Abbruch löste die Probleme nicht.

Feucht ist es schon länger im Haus an der Eggestraße 8. Erst war das Obergeschoss betroffen, weil in das marode Nachbarhaus Wasser eindrang. Es suchte sich seinen Weg, auch durch die Wand zum Nachbarhaus. Immer wieder drängte die Bewohnerin auf Abhilfe, bis die Stadt im Sommer endlich tätig wurde – sie war zuständig, weil der Betreuer des letzten Bewohners den Verzicht auf das Eigentum erklärte hatte und es damit an die Stadt fiel. Das ist ein Phänomen, das seit einiger Zeit um sich greift und der Verwaltung inzwischen einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Im historischen Kern der Nette war der Abbruch gar nicht so einfach: Das Grundstück ist nur zu Fuß zu erreichen. „Richtig leidgetan“ hätten ihr die Mitarbeiter des Bauhofs, die das Gebäude entrümpeln und abreißen mussten, schildert Hallensleben. Vieles wurde über eine Art Seilbahn zur Nette befördert, anderes blieb liegen. Direkt neben ihrem Haus schaut Nicole Hallensleben jetzt auf einen großen Haufen Bauschutt.

Im oberen Bereich des Hauses wurde von der Stadt eine Abdichtung angebracht, Die Wände darunter blieben, wie sie waren – selbst die Tapeten hängen noch. Auf der anderen Seite hat Hallensleben ihr Wohnzimmer – und dort ist es jetzt feucht. „Das haben wir noch nie gehabt“, sagt die junge Frau und drängt auf Abhilfe. Es sei Sache der Stadt, die einstmals gemeinsame Wand wasserdicht zu verputzen und auch den Sockel zu isolieren, meint sie und argumentiert, dass die Feuchtigkeitsprobleme eindeutig darauf zurückzuführen seien, dass das Nachbarhaus erst vergammelte und dann abgerissen wurde. „Als nebenan noch alles in Ordnung war, haben wir solche Probleme nicht gehabt.

Die Stadt sieht das anders: Sie habe ihren Part erledigt, um den Rest möge sich die Bewohnerin des Nachbarhauses bitte selber kümmern – so Stadtplaner Roland Balkenhol. „Das kann ja nicht sein, dass ich jetzt auf den Kosten sitzenbleibe“, kontert Hallensleben, die inzwischen eine Rechtsanwältin eingeschaltet hat. Für sie hat die Stadt „einfach nur halbe Arbeit geleistet“.

Von Thomas Bender

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