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Schon wieder wird es teurer: Gaspreise ziehen erneut kräftig an

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Von: Thomas Bender

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Der Gaszähler dokumentiert den Verbrauch eines Haushalts. Pro Kilowattstunde soll bald erneut ein deutlich höherer Preis fällig werden.
Der Gaszähler dokumentiert den Verbrauch eines Haushalts. Pro Kilowattstunde soll bald erneut ein deutlich höherer Preis fällig werden. © Jansen/dpa

Es kehrt keine Ruhe ein an der Gaspreisbörse. Ganz im Gegenteil: Nachdem sich die Situation um den Jahreswechsel herum eher etwas beruhigte, schnellen die Preise im Moment wieder nach oben. Damit wirkt sich die Ukrainekrise inzwischen ganz konkret auf alle aus, die mit Erdgas heizen. Das gilt auch für Altena, wo Stadtwerke-Chef Hendrik Voß am Monat die zweite Preiserhöhung innerhalb von nur drei Monaten verkünden musste.

Altena – 9,96 Cent pro Kilowattstunde wird das Gas für die Bestandskunden der Stadtwerke ab 1. April kosten. Das sind 1,79 Cent mehr als bisher. Bis Ende 2021 betrug der Preis sogar nur rund 7 Cent (das AK nennt, wenn nicht anders erwähnt, Bruttopreise). Und: Es handelt sich um die Preise für Kunden, die schon vor dem 1. Dezember 2021 zu den Stadtwerken wechselten. Wer später kam (etwa weil sein bisheriger Versorger die Belieferung einstellte), zahlt nach dem Tarif „Grund- und Ersatzversorgung ab 01.12.2021 für Neukunden“ (siehe Kasten).

Natürlich bedauere er die Entwicklung, sagt der Noch-Stadtwerke-Chef, der im Laufe des Jahres ausscheiden wird. „Es ist aber so, dass die Preise an der Börse immer noch auf einem sehr, sehr hohen Niveau sind“, ergänzt er und nennt Zahlen: Im Moment kostet das Gas im Einkauf 8,5 Cent – und das ist der Nettopreis. Steuern, EEG-Abgabe, Netzentgelte, Personalkosten, Konzessionsabgabe und dergleichen mehr müssen noch oben drauf gerechnet werden. Und übrig bleiben soll am Ende des Jahres auch noch was – wobei Voß schon jetzt darauf hinweist, dass das Jahresergebnis 2022 nicht an die der Vorjahre heranreichen wird.

Schon wieder wird es teurer: Gaspreise in Altena ziehen erneut kräftig an

Ein zweiter interessanter Fakt: Die Stadtwerke bleiben auch nach dieser Erhöhung günstigster Anbieter, jedenfalls für ihre Bestandskunden. „Der Wettbewerb ist rund 30 Prozent teurer“, weiß Voß. Das zeigt tatsächlich ein Blick auf die gängigen Vergleichsportale: Die dort gelisteten günstigsten Anbieter berechnen um die 13 Cent pro Kilowattstunde. So eine Preiserhöhung ist zunächst einmal mit Kosten verbunden: In diesen Tagen gehen Briefe raus, mit denen die 4500 Kunden über den erneuten Preisanstieg informiert werden. Diesen Schreiben liegt auch ein Formular bei, mit dessen Hilfe die Kunden berechnen können, wie sie ihre Abschlagszahlungen anpassen können. Dazu sind sie zwar nicht verpflichtet, Voß rät aber dringend dazu: „Sonst kommt mit der Rechnung das böse Erwachen“. Immerhin steigt der Gaspreis mit der jetzt anstehenden Erhöhung innerhalb weniger Monate um etwa 40 Prozent, was für Eigenheimbesitzer in jedem Fall einige hundert Euro pro Jahr ausmachen wird. Dass der Gasverbrauch wegen des milden Winters niedriger sein dürfe als der der Vorjahre, ist da nur ein schwacher Trost.

Gastarif für Neukunden: Noch keine Post von der Verbraucherzentrale

Von der Preiserhöhung zum 1. April nicht betroffen sind jene Kunden, die nach dem 1. Dezember 2021 zu den Stadtwerken Altena stießen und deshalb deren Gaspreise für Neukunden zahlen müssen. Wie viele andere Stadtwerke auch haben die in Altena gegen Jahresende einen speziellen Tarif eingeführt, der deutlich über dem für die sogenannten Bestandskunden liegt. Während für die der Preis auf knapp 10 Cent/Kilowattstunde steigt, zahlen die Neukunden über 15 Cent. Es gebe etwa 50 solcher Fälle, berichtet Voß. Hintergrund war die Liefereinstellung durch Energiediscounter.

In solchen Fällen fallen deren Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung durch die Stadtwerke als Grundversorger. Diese sind verpflichtet, die Kunden bei Wegfall des bisherigen Lieferanten zunächst weiter zu versorgen, müssen die dafür zusätzlich benötigte Energie aber nach Angaben ihrer Spitzenverbände zu aktuell extrem hohen Preisen zukaufen. Die Verbraucherzentrale NRW kritisiert diese Tarife. Es handele sich um eine Ungleichbehandlung, die gegen geltende Vorschriften des Energierechts verstoße. Sie hat deshalb nun Abmahnungen an die Rheinenergie, die Stadtwerke Gütersloh und die Wuppertaler WSW Energie & Wasser AG verschickt. Deren Neukundentarife lägen allerdings erheblich über denen in Altena, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Voß. Vielleicht liegt es daran, dass die Verbraucherzentrale sich bei in der Burgstadt noch nicht gemeldet hat.

An den Industriekunden der Stadtwerke gehen diese Preiserhöhungen übrigens vorbei – zunächst jedenfalls. Für diese Fälle gelte eine andere Systematik, erklärt Voß: Mit diesen Sondervertragskunden schließt das Unternehmen langfristige Verträge ab und sichert sich dann sofort die Menge Gas, die die jeweilige Firma im Laufe der Zeit benötigen wird. Im Klartext: Hat die Drahtzieherei X. vor zwei Jahren einen Vertrag mit den Stadtwerken geschlossen, dann zahlen die für das heute erforderliche Gas noch immer jenen Preis, der 2020 aufgerufen wurde. Schlechte Karten haben aber jene Firmen, deren Verträge während der Hochpreisphase neu verhandelt werden müssen.

Preiserhöhung: Schon wieder wird das Gas teurer

Auch die Beschaffungsstrategie für das von den Privatkunden benötigte Gas ist langfristig angelegt. Dadurch sei auch einigermaßen sicher, dass es in diesem Jahr keine weiteren Preiserhöhungen geben werde: „Die für 2022 erforderliche Menge haben wir uns schon gesichert“, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Ein Blick nach Nachrodt: Dort sind die Stadtwerke Iserlohn Grundversorger, sie erhöhten für Bestandskunden zuletzt am 1. Oktober auf 7,5 Cent/Kilowattstunden, Dabei bleibe es auch, sagt Vertriebsleiter Peter Grabowsky. Der Tarif für Neukunden wird hier zum 1. April sogar leicht gesenkt. Sie erhalten außerdem das Angebot, sich auf zwei Jahre an das Unternehmen zu binden. Im Schnitt sei damit eine Einsparung von 350 Euro verbunden, teilt das Unternehmen mit.

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