Schönstes Rathaus NRWs: Diese unschönen Ecken des Altenaer Rathaus bekommt niemand zu Gesicht

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Wenig einladende Umgebung: Das direkt ans Rathaus angrenzende Behördenparkhaus stört die Optik ganz erheblich.

Altena – Der Eindruck ist nett: Was der Zuschauer beim Video zum Wettbewerb "schönstes Rathaus in NRW"  vom Altenaer Rathaus zu sehen bekommt, wirkt gut. Doch das Video zeigt vieles nicht.

Wo steht das schönste Rathaus im ganzen Land? Das will das NRW-Heimatministerium wissen und stellt 75 Rathäuser vor, die in einem ersten Vorentscheid nominiert wurden. 

Darunter ist auch das in Altena, was selbst den Hausherren zu irritieren scheint: „Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass dieses Rathaus sicherlich nicht das Schönste in NRW von der Außenansicht her ist“, sagt Dr. Andreas Hollstein (CDU) in einem einminütigen Video, mit dem das Ministerium das Verwaltungsgebäude vorstellt. Dann verweist er jedoch auf die inneren Werte des Gebäudes. 

Gebrauchtes Mobiliar

Das Video zeigt das Amtszimmer des Bürgermeisters mit schönem Burg-Blick und das benachbarte Trauzimmer, das ursprünglich als Sitzungssaal diente und deshalb mit repräsentativen kunstverglasten Fenster ausgestattet ist. 

Das Rathaus wirkt von außen ansprechend.

Auch ein Blick ins Treppenhaus wird den Betrachtern des Videos gegönnt. Hollstein geht auch kurz auf die Historie ein: Das Gebäude entstand in der Gründerzeit um 1885 zunächst als Sitz der Kreisverwaltung, wurde der aber schon bald zu popelig. Deshalb ließ sie schon wenige Jahre später direkt nebenan ein sehr viel prächtigeres Kreishaus errichten. 

Weiter als ins Erdgeschoss sind die Macher des Videos nicht vorgedrungen. Der nach dem Zweiten Weltkrieg angebaute große Sitzungssaal im Obergeschoss zum Beispiel wird nicht gezeigt. Er ist eher schlicht und wurde vor einigen Jahren mit gebrauchtem Mobiliar ausgestattet, das teils aus der alten Sparkassenhauptstelle stammte und teils im Internet günstig eingekauft wurde.

Dieses Fenster braucht mal Farbe – noch besser wäre, es würde gegen ein gedämmtes ausgetauscht.

„Greenwashing“ nennt sich neudeutsch das, was im Auftrag des Ministeriums gefilmt wurde. Beispiel Behördenparkhaus: Das ist alles andere als hübsch, steht direkt neben dem Rathaus und hat damit natürlich negative Auswirkungen auf das Gesamtbild. 

Davon sieht man in dem Film allerdings ebenso wenig wie von manch schäbiger Ecke, die es rund ums Rathaus gibt – auch deshalb, weil in der Vergangenheit nicht alle Schäden am Gebäude sofort beseitigt wurden. 

Wenig Klicks fürs Rathaus

Das Interesse an Altenas Verwaltungssitz ist übrigens gering: Das Video steht seit drei Wochen im Internet und wurde seitdem erst 140 Mal aufgerufen.

Hier gibt es das Video zu sehen

Nachrodt schafft bessere Werte: Das dortige Amtshaus kommt auf 169 Klicks. 651 Menschen wollten bisher die Vorstellung des Werdohler Rathauses sehen, das Video aus Lüdenscheid wurde schon 1443 Mal angeschaut. Aus dem Märkischen Kreis machen außerdem noch Schalksmühle (499 Klicks), Plettenberg (448) und Neuenrade (324) mit. 

Mit der Vorstellung der 75 Rathäuser im Internet ist die erste Runde des Contests abgeschlossen. Ende der Woche geht es weiter, dann startet die Abstimmung. 

An manchen Ecken sieht man, dass an der Unterhaltung gespart wurde.

Dabei geht es allein um die Ehre, ein Preis wurde nicht ausgelobt. Dem Ministerium gehe es darum, die Rathäuser als „Heimat der Demokratie in unseren Städten und Gemeinden“ zu würdigen, sagte die zuständige Ministerin Ina Scharrenbach. Ein weiteres Anliegen sei es, den dort ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitikern Respekt zu zollen. 

Eher kritisch sieht das die SPD-Landtagsfraktion: Sie stellte eine Anfrage nach Kosten und Aufwand. Ausgegeben wurden nach Mitteilung des Ministeriums knapp 10 000 Euro für einen externen Dienstleister. Die Videos seien von Mitarbeitern des Ministeriums gedreht worden. Sie waren für jedes der 75 Rathäuser mehrere Stunden im Einsatz.

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