Schnelles Internet für Private: Wer wann wo in Altena profitiert

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Altena - Wann bekommen die Privathaushalte in Altena schnelles Internet? Die ersten Bürger schon 2020. Der Zeitplan des Ausbaus im Überblick.

In Zimmer 116 des Lüdenscheider Kreishauses präsentiert Sergej Rudsinski Zahlen, Karten und Daten, die beweisen: Dieser Mann hat den Überblick. Der Breitbandkoordinator beim Märkischen Kreis weiß, dass es in Altena exakt 5372 Adressen gibt (Eigenheime, Mehrfamilienhäuser und Firmen), von denen bis 2025 45,7 Prozent über den sogenannten eigenwirtschaftlichen Ausbau mit schnellem Internet versorgt werden. 

Das ist dann sozusagen Privatsache von Telekom und Unitymedia, die in Altena eigene Kabelnetze betreiben. Gut 54 Prozent des Stadtgebietes werden nur versorgt, wenn der Staat in die Tasche greift. 

Breitbandkoordinator Sergej Rudsinski.

Das tut er – und zwar kräftig: Rund 66 Millionen Euro Zuschuss erhofft sich Rudsinski für den Märkischen Kreis. Insgesamt vier Förderanträge sind gestellt, einer ist schon bewilligt. 

Gelb: Anschlüsse bis Anfang 2020

Auf einer großen Karte kann Rudsinski für jedes Altenaer Haus zeigen, was Sache ist in Sachen schnelles Internet. Aktuell ist Gelb an der Reihe. Mit dieser Farbe sind Gewerbegebiete gekennzeichnet, in denen der Netzausbau nach dem sogenannten RWP-Verfahren (Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm) gefördert wird. 

Es sollen vor allem Firmen an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen werden. Dazu wurden in den vergangenen Monaten in der Rahmede Straßen und Gehwege aufgerissen, der Anschluss der einzelnen Gebäude hat begonnen. 

Wer an diesen Straßen ein Wohnhaus hat, kann sich für 800 Euro ebenfalls ans schnellste aller bislang verfügbaren Netze anschließen lassen. Im nächsten Frühjahr soll alles fertig sein. 

Rot: Glasfaser bis vermutlich 2022

Gut sieht es für etwa 3400 Privathaushalte in Gebieten aus, die auf Rudsinskis Karte rot markiert sind. Dahle und Evingsen, Teile des Mühlendorfes und der Rahmede, in Rosmart und sogar Großen- und Kleinendrescheid. 

Für die hat der Märkische Kreis vor einigen Wochen eine Förderung nach dem so genannten 3. Call beantragt. Unter „Call“ versteht man Förderprogramme des Bundes, die auch den Anschluss privater Haushalte ans Glasfasernetz mitfinanzieren. Der Bund übernimmt 50 Prozent der förderungsfähigen Kosten. 

Die Grafik zeigt, wann wo schnelles Internet verfügbar sein wird.

Sobald der Bewilligungsbescheid vorliegt, kann Rudsinski beim Land einen weiteren Förderantrag stellen. NRW übernimmt in Altena die andere Hälfte der Kosten. Bei weniger klammen Kommunen, die nicht in der der Haushaltssicherung sind und deshalb einen Eigenanteil leisten müssen, sind es nur 40 Prozent. 

Natürlich sei es misslich, dass er den Förderantrag beim Land erst dann stellen könne, wenn der beim Bund genehmigt sei, sagt Rudsinski: „Das kostet uns eine Menge Zeit.“ Er hofft, dass die in der Karte rot markierten Grundstücke 2022 ans Glasfasernetz angeschlossen sind.

Grün und blau: Weiße Flecken ab 2021 dran 

Kaum zu glauben: Selbst zum einsam zwischen dem Hegenscheid und Evingsen gelegenen Gehöft Rüssenberg, zu dem noch nicht einmal eine asphaltierte Straße führt, soll ein Glasfaserkabel gelegt werden, und auch nach Horst und zum Anschlag. 

Lauter Adressen, an denen kaum mehr als eine Handvoll Menschen leben. Während sich an den zuvor genannten Paketen die Netzbetreiber finanziell beteiligen, ist die Anbindung dieser weißen Flecken für sie völlig uninteresssant. 

Trotzdem soll das schnelle Internet auch dort ankommen, weshalb es neuerdings den 6. Call gibt. 246 Privatadresssen fallen dort hinein, weiß Rudsinski, der im vergangenen Monat den Förderantrag auch für diese Gebiete auf den Weg gebracht hat. 

Eine ähnliche Sonderförderung erhofft sich Rudsinski für die drei noch nicht am Glasfasernetz hängenden Schulgebäude (Mühlendorf, Nette und Hundertwasserschule) und 81 Adressen in Gewerbegebieten, in denen die vom Bund festgelegten Zielwerte noch nicht erreicht werden. 

30 Mbit/Sekunde sollen es pro Arbeitsplatz oder ans Netz angebundene Maschine sein. Am Hünengraben zum Beispiel wird dieser Wert nicht erreicht. Vorgesehen ist, mit dem Anschluss der weißen Flecken 2021/2022 zu beginnen. 

Der große, graue Rest des Stadtgebietes 

Soweit zu den bunten Flecken auf der Karte aus dem Büro des Breitbandkoordinators. Sie betreffen 2915 – und damit mehr als die Hälfte – aller Altenaer Adressen. Sie sollen Glasfasernetz und damit die neueste Technologie bekommen, die Übertragungsraten von 1000 Mbit erlaubt. 

Der graue Rest auf der Karte kommt weniger gut weg: Dort findet (oder fand schon) der sogenannte „eigenwirtschaftliche Ausbau“ statt. Das bedeutet, dass Netzbetreiber dort in Eigenregie und ohne öffentliche Hilfen tätig werden. 

In Altena sind das in erster Linie die Telekom und Unitymedia, zwischen denen es nicht nur technische Unterschiede gibt. Unitymedia besitzt in Teilen des Stadtgebietes (zum Beispiel Breitenhagen, Pragpaul und Teile des Mühlendorfs) ein Kabelnetz, das einst für die Versorgung der Haushalte mit Kabelfernsehen aufgebaut wurde. 

Über diese Kabel können heute auch Internet und Telefonie abgewickelt werden. Unitymedia verspricht eine Geschwindigkeit von 400 Mbit/Sekunde – deutlich mehr als die 16 Mbit, mit denen mancher heute auskommen muss. 

Als Rechtsnachfolger der Post hat die Telekom 1995 das nahezu flächendeckende Telefonnetz übernommen, das inzwischen zusätzlich die Datenübertragung übernimmt. Die bisher üblichen Kupferleitungen lassen aber nur die Übertragung relativ geringer Datenmengen zu.

Eine flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln ist für das Unternehmen aber zumindest im ländlichen Raum nicht darstellbar. Deshalb zieht die Telekom Glasfaserkabel nur bis zu ausgesuchten Schaltkästen, ab dort geht es mit den alten Kupferleitungen weiter. Das erlaubt Datengeschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit. 

Her ist Glasfaser schon angekommen: Im Stadtgebiet gibt es mehrere solcher Stationen. In dem Schrank, der noch fehlt, geht es dann weiter in das Kupfernetz der „letzten Meile".

Ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen der Telekom und anderen Netzbetreibern besteht darin, dass nur die Telekom ihr Netz auch für andere Anbieter wie 1und1 oder O2 zur Verfügung stellen muss. Das ist deshalb wichtig, weil es in Altena grundsätzlich drei verschiedene Varianten gibt: 

1.Schnelles Internet nur über das Netz der Telekom: Das ist vor allem im Umfeld der Ortsvermittlungsstellen (also zum Beispiel an der unteren Bachstraße) der Fall, zurzeit kann das Unternehmen dort noch nicht immer 250 Mbit, sondern nur 100 Mbit liefern. Dieses Netz dürfen auch Konkurrenten der Telekom nutzen. 

2. Schnelles Internet nur von Unitymedia: Das ist in Teilen der Kirchstraße der Fall, aber auch an der Feldstraße. Wer dort wohnt und keinen Vertrag mit Unitymedia machen möchte, bleibt abgehängt vom schnellen Netz. 

2.Schnelles Internet von der Telekom und Unitymedia: Die Qual der Wahl haben beispielsweise die Bewohner am Knerling, Breitenhagen und Pragpaul. Dort machen sich die beiden Netzbetreiber Konkurrenz. Das gilt in Kürze auch am Tiergarten, wo die Telekom gerade aufrüstet. Zur Beratung ihrer dort lebenden Kunden schickte sie in dieser Woche ihr Beratungsmobil in die Stadt. 

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