Schnadegänger überprüfen die Grenzen von einst

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Auf die Schnad gingen diese Wanderer zwischen Lüdenscheid und Altena.

ALTENA - Der Heimat- und Bürgerverein hatte für Samstagnachmittag zu einem Schnadegang um den Dickenhagen aufgerufen. Zahlreiche Mitglieder waren zum Ausgangsort auf dem Großendrescheid gekommen, um von dort aus die ehemaligen Grenzen der Landgemeinde Lüdenscheid und Altena abzumarschieren.

„Wenn man sich die alte Grenzkarte ansieht, so ist auffällig, dass das Gebiet der Landgemeinde Lüdenscheid wie ein Pfeil in das Gebiet der Stadt Altena geht“, erklärte Wanderführer Rüdiger Groll. „Die Höhen gehören bis zum Dickenhagen zum Amt Lüdenscheid während die Flächen kurz unter der Höhe auf beiden Seiten bereits zum Gebiet der Stadt Altena gehören.“

Im Archiv der Stadt Altena findet der Name Dickenhagen im Jahr 1769 Erwähnung, wie Rüdiger Groll herausgefunden hat. „Hier beschwert sich ein Landmesser Merner darüber, dass er aufgrund der steilen Hanglage Schwierigkeiten hat, einen direkten Weg von der Steinernen Brücke zum Dickenhagen zu vermessen.“ Auf direkter Verbindung wäre der Weg etwa 220 Ruten weit gewesen, aufgrund der Steilheit messe er deshalb 750 Ruten. Die Maßeinheit „Rute“, so Rüdiger Groll, sei je nach Region unterschiedlich gewesen. „Altena gehörte zu diesem Zeitpunkt zu Preußen. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Landmesser die preußische Rute gemeint hat. Hiernach entspricht eine Rute gleich 3,76 Meter.“ Umgerechnet bedeutet das, dass die direkte Verbindung von der Steinernen Brücke zum Dickenhagen 830 Meter gewesen wäre, wegen des Umwegs schlägt die Entfernung mit 2820 Metern zu Buche.

Aus einer Grundsteuer-Mutterrolle aus dem Jahr 1809 geht hervor, dass die Bewirtschaftung des Bodens auf dem Dickenhagen sehr mühsam gewesen sein muss, wusste Rüdiger Groll weitere Einzelheiten zu berichten. Dennoch muss der Dickenhagen in der Vergangenheit ein beliebter Ort gewesen sein, wie der Wanderführer vermutet. „So gab es in den 1930er und 1940er Jahren das so genannte Stahlhelmheim. Der Stahlhelm war eine Organisation, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurde und deren Ziel es war, dass alle Kriegsteilnehmer für ihr Wirken Anerkennung finden sollten.“ Um später einer Zwangsauflösung durch die NSDAP zu entgehen, wurde die Organisation als eigener Traditionsverband 1935 aufgelöst.

„Aus dem Bewohnerverzeichnis des Amtes Lüdenscheid geht hervor, dass um 1928 mehrere Familien auf dem Dickenhagen gewohnt haben“, weiß Rüdiger Groll. Neben Landwirt Schneider und dem Fabrikarbeiter Kaiser ist auch der Name der Familie König zu finden. Zwar fehlten weiter Eintragungen, doch Rüdiger Groll weiß „dass auf dem Dickenhagen einiges passiert ist“. Unter anderem habe 1943 der damalige Gauleiter Albert Hoffmann seinen Wohnsitz aus dem Ruhrgebiet in das Forsthaus auf dem Dickenhagen verlegt - so die Erzählungen. Aus seinen Unterlagen geht des Weiteren hervor, dass der Dickenhagen um 1951/52 die größte Anzahl an Bewohnern hatte.

von Susanne Riedl

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