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Unfassbare Zustände: 35 Katzen aus Ekel-Wohnung gerettet

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Kathrin Spohr und Sabine Schröder mit einem kleinen Kätzchen aus der Drama-Wohnung.

Altena - Aus schlimmsten Verhältnissen gerettet: 35 Katzen, dehydriert, verletzt und abgemagert, wurden aus einer Wohnung in der Rahmede geholt. Die Tiere sind jetzt in der Obhut des Tierheims.

Die armen Tiere. Oder: Wozu Menschen fähig sind. Mehr fällt dem Betrachter kaum ein: Der Boden vollgeschissen, verdreckt, versifft. Ein kleiner runder Wasserbehälter mitten im winzigen Raum, ein kleiner Fressnapf. 

35 Katzen, hauptsächlich schwarz-weiße und getigerte, waren abgemagert, liefen wirr umher, versteckten sich in Plastiktüten. Der Gestank war unerträglich. Zwei Polizisten, zwei Vertreter des Ordnungsamtes und drei vom Veterinäramt retteten mit sechs Tierschützern die verwahrlosten und verängstigten Tiere aus einer Wohnung in der Rahmede. 

Ende gut, alles gut? Kann man so nicht sagen. Da blieb auch den hart gesottenen und einiges gewöhnten Tierschützern die Luft weg: „Das war desaströs“, sagt Sabine Schröder. 

Dank einiger Hinweise aus der Bevölkerung konnten insgesamt 35 Katzen in Obhut genommen werden. Doch kurz vor dem „Zugriff“ hatte der Besitzer die Tiere im letzten Moment noch schnell verschwinden lassen und sie bei Nachbarn untergebracht.

Deyhdriert, verängstigt, Eiter und Blut

Dort landeten die Samtpfoten in einem Kinderzimmer, das augenscheinlich nach kurzer Zeit als solches nicht mehr zu erkennen war. Die Katzen: dehydriert, verängstigt, einige mit eitrigen und blutigen Geschlechtsorganen, viele mit Zahnfleischentzündungen. 

Dieser Kater hatte ein Loch im Rücken.

Ein Kater hatte ein Loch im Rücken. Acht Katzen sind zudem trächtig, eine hat im Tierheim Iserlohn jetzt Nachwuchs zur Welt gebracht. 

„Das Tierheim Lüdenscheid war so nett und hat uns 13 Katzen abgenommen“, sagt Kathrin Spohr, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Iserlohn. 

Wie kann es zu solchen Zuständen kommen? Diese Frage können die Tierschützer schnell beantworten: Es ist die unkontrollierte Vermehrung. Obwohl es in Altena eine Kastrationspflicht gibt, lassen Besitzer den Dingen ihren Lauf. Das Problem wächst ihnen nach und nach über den Kopf. 

"Ich träume von einer Auffangstation" 

Sabine Schröder „Das ist kein Einzelfall. Seit der Gründung der Altenaer Gruppe vor drei Monaten haben wir schon 70 Katzen aufgenommen“, sagt Sabine Schröder, die mit Andrea und Ralph Tröller, Sabine Morawitz und Kathrin Spohr vor Ort in der Rahmede war. 

Schlechte, vergammelte Haltung macht Altena zu einem heißen Pflaster, was die Tierhaltung betrifft. Und so sind die Tierschützer dankbar für die gute Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt. „Die gehen auch allen Hinweisen nach. Das ist nicht in jeder Stadt so.“ 

Bevölkerung besser informieren

Sabine Schröder möchte sich für mehr Aufklärung und Information einsetzen. Spätestens beim Flohmarkt soll ein großer Tierschutzstand aufgebaut werden. Denn die Bevölkerung soll wissen, dass es Hilfe gibt. Hilfe zum Beispiel bei den Kosten für die Kastrationen. 

„Kein Geld zu haben, ist kein Grund, den Leuten das Tier weg zu nehmen. Einige benötigen nur Hilfe“, weiß Sabine Schröder, die davon träumt, dass es in Altena irgendwann eine Auffangstation geben wird. Eine Kastration kostet bei einer Katze 120 Euro, beim Kater 90 Euro. 

Einige Katzen sind bereits vermittelt 

Im Iserlohner Tierheim sind aktuell noch 25 Katzen aus der Altenaer Drama-Wohnung. Einige konnten schon vermittelt werden. Sie sind jetzt gechippt, entwurmt, entfloht, kastriert. Kosten pro Tier für den Tierschutzverein: 210 Euro pro Tier ohne Futter. 

Wer einer Katze ein schönes, neues Zuhause geben möchte, darf sie für 90 Euro mitnehmen. Spenden werden ebenfalls händeringend benötigt. 

Fundtierpauschalen gibt es von den Städten Altena, Iserlohn, Hemer, Sundern, Balve, Nachrodt und Arnsberg. Für sichergestellte Tiere aus schlechter Haltung gibt es Geld vom Kreis. Doch der Kampf gegen Verwahrlosung ist damit nicht gewonnen.

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