Nach der Pandemie

Schlechte Stimmung in der Industrie - mit großen Folgen für Stadtfinanzen

Stahlwerk ArcelorMittal
+
Die Industrie, vor allem Metallverarbeiter wie die vielen Drahtfirmen in Altena, haben derzeit am Markt zu kämpfen.

Lieferengpässe, Corona, Flut: Altenas Industriefirmen haben zu kämpfen. Daher rechnet die Stadt mit sinkenden Gewerbesteuer-Einnahmen. Doch es gibt einige Unwägbarkeiten.

Altena – Wie steht es um die Finanzen der Stadt? Der Bericht von Kämmerer Stefan Kemper bei der Ratssitzung offenbarte Licht und Schatten – und viele Unwägbarkeiten. Man befinde sich in einer Zeit „dazwischen“, sagte Kemper. Nämlich zeitlich zwischen der Bundestags- und der Landtagswahl im nächsten Jahr. Der Amtsantritt einer neuen Bundesregierung und später dann einer neuen Landesregierung – beides werde Auswirkungen haben auf den kommunalen Haushalt.

Natürlich galt ein Hauptaugenmerk der Entwicklung der Gewerbesteuer, die zentrale Bedeutung hat und zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt zählt. Derzeit liegt sie für 2021 bei rund sechs Millionen Euro. Vom sehr guten Jahr 2019, in dem letztlich zehn Millionen Euro flossen, ist man aktuell ein ganzes Stück entfernt.

Gewerbesteuer-Einbruch durch Corona: Hoffen auf „blaues Auge“

Es gebe „positive wie negative Tendenzen“, fasste Kemper zusammen. Für die Steuerentwicklung sei letztlich das vierte Quartal entscheidend. Das gelte es abzuwarten. Ein gutes Zeichen sei, dass es „keine sehr großen Rückgänge bei den Vorauszahlungen gibt“. Eine Glaskugel besitze er nicht, „aber vielleicht kommen wir mit einem blauen Auge davon“, sagte er mit Blick auf die Pandemie, die dazu führt, dass die Gewerbesteuer in allen Kommunen einbricht. Auch das Hochwasser und die immensen Schäden in den Firmen werden sich in der nächsten Zeit erheblich auf diese Einnahmequelle auswirken.

Die Entwicklung der Gewerbesteuer in Altena.

Für das Jahr 2020 sei ein negatives Jahresergebnis zu erwarten. Das liegt noch nicht vor. Weil aber pandemiebedingte Ausfälle in einen gesonderten Haushaltsposten „isoliert“ und dann über einen Zeitraum von 50 Jahren abgeschrieben werden können, könne ein ausgeglichener Haushalt dennoch gelingen, sagte Kemper.

Industrie kämpft mit Material-Engpässen

Ein Blick nach vorn: Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung könne auf eine konjunkturelle Trendwende hindeuten, meinte der Kämmerer. Der „Post-Lockdown-Boom“, bei dem die Geschäfte in der regionalen Wirtschaft kurzzeitig wieder deutlich anzogen, dürfte im dritten Quartal beendet sein.

Diese Einschätzung gibt er mit Blick auf die Konjunktur in ganz NRW, die aktuell zweigeteilt verlaufe: Handel und Dienstleister hätten angesichts der Lockerungen wieder Mut geschöpft, während die Industrie, von der Altenas Gewerbesteuer zu großen Teilen abhängt, wegen Materialengpässen ausgebremst werde.

Metallverarbeiter bleiben hinter Erwartungen zurück

Infolge der jüngsten Entwicklungen habe sich die Stimmung vor allem im verarbeitenden Gewerbe eingetrübt. Die Industrieunternehmen schätzten ihre aktuelle Lage merklich weniger gut ein als vor ein paar Monaten. „Das metallverarbeitende Gewerbe liegt bei seinen Erwartungen und in der Entwicklung aktuell ein Stück weit zurück“, so Kemper. Der Stand sei vergleichbar mit August 2020. Die gute Nachricht: Die Kurzarbeit sei wieder deutlich gesunken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare