Schlag auf Schlag wie beim Fernsehquiz

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Sven Grotendiek im Klassenzimmer. ▪

ALTENA ▪ Sein Geld verdient er an der Hagener Fernuni, an die Schulen geht er ehrenamtlich – am Mittwoch war Sven Grotendiek im Mühlendorf zu Gast, um mit den Kindern der dritten und vierten Klassen über sein Buch „Erzähle mir bitte von Gott! sagt die kleine Charlotte“ zu sprechen.

Natürlich steht Religion für die Grundschüler seit der ersten Klasse auf dem Stundenplan. Trotz oder vielleicht gerade deswegen folgte das Kollegium gerne einem Vorschlag von Frank Loska, der Grotendiek kennen gelernt hatte und sein Unterrichtsprojekt spannend fand. Es sei ja nur zu begrüßen, wenn die Schüler durch solche Unterrichtsbesuche andere Sichtweisen erführen und Themen anders an sie herangetragen würden, als das sonst üblich sei, sagte Schulleiter Wolfgang Wilbers. Und: „Die Kollegen sind sehr angetan“.

Zur Sache: Grotendieks Buch ist autobiografisch. Charlotte ist seine Tochter, er selbst der Vater, der dem eigenen Kind Gott und Religion erklären sollte. Er hat diese Geschichte nicht nur zu Papier gebracht, sondern sie wurde auch vertont – das Hörbuch war in den letzten Wochen Thema im Mühlendorfer Unterricht.

Die Jungen und Mädchen wussten also bestens Bescheid, als Grotendiek gestern das Gespräch mit ihnen suchte. Sie wussten, was eine Thora ist, wie Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote in Empfang genommen hat und was Gott mit Windpocken zu tun hat – so, wie ein Vater seine Kinder auch dann liebe, wenn sie ganz viele hässliche Pusteln hätten, liebe Gott alle Menschen, egal wie sie seien, erklärte der Autor. Schützenhilfe erhielt er, als es um den muslimischen Glauben ging: In der Klasse 3b gab es eine Reihe türkischstämmiger Schüler, die natürlich genau erklären konnten, warum man in der Moschee die Schuhe ausziehen muss.

Wie im Flug vergeht eine solche Schulstunde mit Grotendiek. Das liegt daran, dass er sofort den Kontakt zu den Jungen und Mädchen findet. Da gibt‘s keine Pausen, da geht es Schlag auf Schlag, fast so wie im Fernsehquiz. Wobei es aber bei Grotendiek keine falschen Antworten gibt – „so könnte man das auch sagen“, heißt das bei ihm oder „fast ganz richtig“.

Grotendiek hat für seine Arbeit einige Anerkennung erfahren: Sein Hörbuch wurde vom Bundesministerium für Familien gefördert, die Unterrichtsreihen ermöglicht der Kirchenkreis. Im Internet ist sein Buch aber heiß umstritten, weil es ausdrücklich als Erwiderung auf das Bilderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke gedacht ist – eine atheistische Sichtweise, der Grotendiek mit seinem Buch widerspricht. ▪ ben.-

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