Schlägerei mit Ordnungshütern

Riesenkrach mit Reizgas beim Schützenfest: Renitenter Fahrer muss zahlen

Die Straßensperrung hatte der Fahrer bewusst ignoriert.
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Die Straßensperrung hatte der Fahrer bewusst ignoriert.

Er wollte partout durch die Innenstadt fahren: Weil die zum Schützenfest gesperrt war, eskalierte der Streit mit Ordnungshütern - inklusive Schlägen, Reizgas und Verletzten. Das kommt den Fahrer teuer zu stehen.

Altena – Weiträumig abgesperrt war die Altenaer Innenstadt am 2. Juni 2018. Es war der Samstag des Schützenfestes, und an mehreren Sammelstellen warteten die Schützen auf autofreie Straßen für den Marsch zum Zelt. Doch ein grüner Mercedes hatte sich um die Absperrungen herumgemogelt, obwohl Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Absperrungen bewachten.

Am Kreisverkehr am Markaner gelang es dem Fahrer aus Dortmund dennoch, auf die Lenneuferstraße und schließlich in die Fußgängerzone einzubiegen. „Ich bin Aussteller. Ich musste zu meinem Geschäft. Die Lennestraße war frei und da stand Lieferverkehr frei“, erklärte der Angeklagte (60) im Amtsgericht Altena.

Nach Unglück in Menden: Sperrung zur Sicherheit

Dort musste er sich nun verantworten, weil der Streit mit den Ordnungshütern derart eskaliert war, dass es am Ende eine Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen vorsätzlicher Körperverletzung gab. Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes schilderten die Geschehnisse als Zeugen.

Hintergrund für das Sicherheitskonzept beim Schützenfest war ein Vorfall mit einem Autofahrer in Menden, der im Juli 2009 beim Schützenzug zwei Menschen getötet und fast 50 weitere Menschen teilweise schwer verletzt hatte. Das Sicherheitskonzept sollte in Altena dafür sorgen, dass die rund 2000 Schützen auf verschiedenen Wegen gefahrlos zum Festgelände gelangten. Und noch ein anderer Umstand machte den Ordnungshütern Sorge, wie einer vor Gericht erläuterte: „Es war alles voller Besucher und Kinder.“

Ordnungshüter wollen Fahrer Schlüssel wegnehmen

Zunächst scheiterte der Versuch, den Mercedes-Fahrer mit einem Fahrzeug aus der Gefahrenzone zu geleiten und ihn auf dem Weg über das andere Lenneufer zum Kirmesplatz zu bringen. Er habe die Hilfe verweigert und sich erneut auf den direkten Weg zum Kirmesplatz begeben, erinnerte sich der Zeuge.

Nun hatten er und sein Kollege genug. Von beiden Seiten öffneten sie am Markaner die Türen des Mercedes. „Es gab eine Riesenklopperei im Auto. Wir wollten ihm nur den Schlüssel abziehen“, erklärte einer der beteiligten Ordnungsamtsmitarbeiter. „Er wollte es nicht verstehen, nicht mit uns kommunizieren. Es ging um nichts.“

Polizei fixiert Mann am Boden

Bei dem heftigen Gerangel wurden die beiden Mitarbeiter der Stadt und der Fahrer leicht verletzt. Erst durch den Einsatz von Reizgas, das im Fahrzeuginnenraum auch sie selbst traf, konnten die Ordnungshüter den Widerstand des Angeklagten beenden. Die herbeigerufenen Polizeibeamten, die zu Fuß kamen, brachten ihn zu Boden und fixierte den Mann.

„Der Angeklagte wollte einfach nur mit seinen Kisten zum Kirmesplatz, alles andere war ihm egal“, stellte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer nach einer fast zweistündigen Verhandlung fest. Sie beantragte eine Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und eine Geldbuße von 500 Euro für den nicht vorbestraften 60-Jährigen, den sie in einer „Ausnahmesituation“ sah.

Angeklagter: „Verhalten nicht strafbar“

Auch der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte hielt ein Plädoyer: „Ich habe das Verhalten der Beamten für unrechtmäßig gehalten. Deshalb ist mein Verhalten nicht strafbar“, argumentierte er.

Richter Dirk Reckschmidt folgte dem Plädoyer der Staatsanwältin und beendete die Verhandlung mit einem Vorschlag, der allen Beteiligten die Auseinandersetzung hätte ersparen können: „Kisten untern Arm und laufen.“

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