Gericht: Kohlberghaus statt Eickelborn

ALTENA ▪ Schon am ersten von drei geplanten Verhandlungstagen vor dem Landgericht stand am Dienstag fest: Ein 39-jähriger Bewohner der geschlossenen Abteilung des Kohlberghauses darf weiterhin dort wohnen.

Nach Anhörung seiner Rechtsbetreuerin und des Geschäftsführers der Einrichtung, Jörg-Martin Ihde, stellte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen das Verfahren gegen den Beschuldigten ein. Dieser sollte am 24. Februar 2011 einem Pfleger einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben, weil er entlassen werden wollte. Von einem zweiten Übergriff war ein Mitbewohner der Einrichtung betroffen: Er sollte Schläge ins Gesicht und in den Magen bekommen haben.

Kleinere Rangeleien würden innerhalb der Einrichtung geklärt, berichtete Jörg-Martin Ihde. Dass es nach diesen ernsteren Vorfällen überhaupt zu einer Anzeige kam, begründete der Geschäftsführer mit der Absicht, diesen Patienten „handlebar“ zu halten. Das ändere aber nichts daran, dass das Kohlberghaus die richtige Adresse für den 39-Jährigen sei: „Für solche Leute ist die Einrichtung da.“

Die Prozessbeteiligten waren sich relativ schnell eilig, dass eine mögliche Verlegung des Patienten in eine geschlossene psychiatrische Anstalt erheblich größere Risiken bieten würde als die Rückkehr in eine geschlossene Abteilung des Kohlberghauses. Zwar sei der Personalschlüssel dort nicht so großzügig wie etwa in Eickelborn, doch habe sich der Beschuldigte in Altena gut eingelebt. Verlassen darf er die Einrichtung nur in Begleitung mehrerer Betreuer.

Kopfschütteln löste bei Gericht die Weigerung des Leiters des Kohlberghauses aus, den Angeklagten in seiner Verantwortung nach Hagen bringen zu lassen. Daraufhin brachte die Rechtsbetreuerin des 39-Jährigen diesen von Altena ins Gerichtsgebäude. Dort sorgte schon eine kleine Verspätung des Gespanns für eine gewisse Beunruhigung.

Dass der 39-Jährige sicherlich nicht zu den unproblematischen Bewohnern des Kohlberghauses zählt, wurde auch im Gerichtssaal deutlich. Immer wieder unterbrach er den Fortgang der Verhandlung durch lautstarke Proteste und plötzliche Weinkrämpfe. Allerdings gab es auch helle Momente im Auftritt des schwer kranken Mannes.

Nachdem auch der psychiatrische Gutachter einen Verbleib des Beschuldigten im Kohlberghaus befürwortet hatte, folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin und stellte das Verfahren ein. „Weil der Beschuldigte sich im Kohlberghaus sehr wohl fühlt und dort sehr gut untergebracht ist“, begründete die Vorsitzende Richterin Dr. Fiebig-Bauer die Entscheidung. Die weitere Betreuungssituation müsse allerdings genau beobachtet werden.

„Viele gravierende Fälle und eine Veränderung der Sicherheitslage wären ein Anlass zu erneutem Nachdenken über einen Maßregelvollzug“, also die Einweisung in eine noch geschlossenere Anstalt, sagte die Richterin.

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