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Schimmelhaus hat neuen Eigentümer: Was passiert mit Schrottimmobilie an Springer Straße?

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Von: Thomas Krumm

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Ein Bild des Grauens: So sieht es im Inneren der Schrottimmobilie an der Springer Straße in Evingsen aus, für die ein Investor bei der Zwangsversteigerung jetzt mehr als 275 000 Euro geboten hat.
Ein Bild des Grauens: So sieht es im Inneren der Schrottimmobilie an der Springer Straße in Evingsen aus, für die ein Investor bei der Zwangsversteigerung jetzt mehr als 275 000 Euro geboten hat. © Krumm, Thomas

Einen schier unglaublichen Verlauf hat im Amtsgericht Altena die Zwangsversteigerung einer Schrottimmobilie in Evingsen genommen, die die Gutachterin mit einem Verkehrswert von null Euro bewertet hatte.

Mit dem 123. Gebot erreichte das Höchstgebot für das Mehrfamilienhaus an der Springer Straße einen Betrag von 275 001 Euro. Dabei war völlig klar, dass dieser Wert nichts mehr mit den Fundamentaldaten des Gebäudes zu tun hatte. Denn aufgrund eines Wassereinbruchs sind Wände und Boden im Erdgeschoss von schwarzem Schimmel überzogen.

Mitten in der Corona-Zeit, am 21. April 2021, hatte es einen ersten Anlauf zur Versteigerung der Immobilie gegeben. Rund 80 Interessenten drängten sich damals im und vor dem Lennestein, bis Polizei und Ordnungsamt die Versammlung auflösten. In den Saal 201 des Amtsgerichts kamen nun immerhin noch 30 Beobachter und Interessenten, die dicht gedrängt nebeneinander saßen. Die zuständige Rechtspflegerin erinnerte an den Wassereinbruch vor einigen Jahren und an den weit verbreiteten Schimmel. „Hausschwamm ist nicht ausgeschlossen.“ Das Haus habe schadhafte Strom- und Wasserleitungen und sei unbewohnbar. Eine Ordnungsverfügung der Stadt Altena verbietet die Nutzung als Wohnraum.

Mindestgebot lag bei 32.000 Euro

Das Mindestgebot lag aufgrund zu zahlender Gerichtsgebühren, Abgaben und Grundsteuern dennoch bei knapp 32 000 Euro. Bevor es losging, hatte ein möglicher Bieter eine Frage an den einzigen anwesenden Gläubiger: „Ich hätte gerne die Schmerzgrenze gewusst.“ Natürlich gab es auf diese Frage keine Antwort. Aber, was dann folgte, war schier unglaublich und ließ alle möglichen Schmerzgrenzen der Gläubiger weit hinter sich: „Ich biete direkt 50 000 Euro“, erklärte der erste Bieter. Mit dem vierten Gebot lag der Betrag bereits bei 150 000 Euro, was überraschend wenige Anwesende veranlasste, den Saal zu verlassen. Bei 190 000 Euro war noch rund die Hälfte der Interessenten vor Ort, bei 205 000 Euro verließen weitere drei Erwachsene und das einzige Baby den Saal.

Die Schrottimmobilie an der Springer Straße gehört jetzt dem Investor, der zuvor bereits das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße ersteigert hatte. Was mit beiden Objekten passiert, ist völlig unklar.
Die Schrottimmobilie an der Springer Straße gehört jetzt dem Investor, der zuvor bereits das ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße ersteigert hatte. Was mit beiden Objekten passiert, ist völlig unklar. © Krumm, Thomas

Nach einer Verlängerung der Bietzeit von 30 Minuten um weitere 45 Minuten lag das Höchstgebot schließlich bei 275 001 Euro. Zum Zuge kam derselbe Bieter, der am 2. Mai bereits das leerstehende ehemalige Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße für ebenfalls exorbitante 185 001 Euro ersteigert hatte.

Zwei mögliche Szenarien

Nun stellt sich die Frage, warum jemand für ein unbewohnbares und kaum sanierungsfähiges Gebäude derart viel Geld bietet. Ein seriöser Interessent, der die früh gebotenen 50 000 Euro zum Anlass nahm, sich fortan auf die Rolle eines Beobachters dieses bizarren und durchaus filmreifen Geschehens zu beschränken, entwarf im Gespräch nach der Versteigerung zwei Alternativen, was jetzt passieren könnte: Das Geld wird tatsächlich bezahlt, weil es irgendwo auf der Welt einen Investor gibt, der bereit ist, noch mehr zu bezahlen – ohne zu wissen, was er da erwirbt. Oder die 275 001 Euro werden gar nicht erst bezahlt, und das Objekt wird ungeachtet dessen zu einem noch höheren Preis weiterveräußert. Sollte das nicht gelingen, könnte das Gebäude auf Antrag eines Gläubigers erneut beschlagnahmt und zwangsversteigert werden. Die Frage ist nur, wer bis dahin viel Geld daran verdient haben wird und wer die Rechnung letztlich bezahlt.

Städtebaulich sind solche – möglicherweise betrügerischen – Praktiken ein Ärgernis, weil sie die Weiterentwicklung und Bereinigung von Problembereichen behindern. Der seriöse Investor nannte nach der Versteigerung einen realistischeren Preis für das Haus an der Springer Straße: 20 000 Euro. Dafür könne ein Investor die Schrottimmobilie abreißen und das schön gelegene Grundstück bebauen oder vermarkten. Doch etwas Sinnvolles wird in Evingsen voraussichtlich ebenso wenig passieren wie an dem alten Bankgebäude an der Lüdenscheider Straße.

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