Schattenspiel in der Grundschule Breitenhagen

Friedrich Raad und Dimitri Lermann (vorne) vom Theater der Dämmerung aus Düsseldorf hinter der Bühne.

ALTENA - „...und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!“ – Zart blau und gelblich braun leuchten die Leinwände, stehen damit in einem gewissen Kontrast zum behelfsmäßig abgedunkelten Foyer der Grundschule am Breitenhagen. 160 Augenpaare blicken Richtung Bühnen-Leinwände, warten auf das Grimmsche Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“.

Das wurde vom Theater der Dämmerung aus Düsseldorf als Scherenschnitt aufgeführt. Theaterspieler Friedrich Raad macht vor dem 50-minütigem Spiel das jugendliche Publikum und die Lehrerinnen neugierig. „Wir beide, Kollege Dimitri Lermann und ich, benötigen gleich eure Hilfe: Lacht. Klatscht. Seit froh oder auch traurig. Ihr seid heute das Theater.“

Nur Augenblicke später lässt sich die ganze Schulgemeinde regelrecht verzaubern von den filigranen, wohl um die 60 Zentimeter großen Scherenschnittfiguren, die das grimmsche Märchen beleben. Vor wechselnden Hintergründen, je nach Stimmung detailverliebt ausgeschnitten oder minimalistisch angedeutet, agieren die Figuren über die Leinwände. Das Fischerpaar – rundlich und mit derben Gesichtszügen – provoziert gleich zum Anfang so manchen Lacher, wenn sich die Frau etwa am Po kratzt und umständlich auf einem Stuhl am Ufer des Meeres Platz nimmt.

Der auf hochdeutsch gesprochene Text zu den Bewegungen der Figuren und die pointierte Sprache von Friedrich Raad sorgen immer wieder für Lebendigkeit. „Mantje, mantje timpetee, Buttje, Buttje in der See“ – diesen Satz aus dem Munde des Fischer kannte am Breitenhagen jedes Kind und bei den anwesenden Lehrerinnen wird wohl so manche bei diesem Spruch an die eigene Kinder(märchen)zeit gedacht haben.

Als „Märchen von der Gier“ hatte Friedrich Raad das Stück angekündigt und als eine Art Analyse einer Ehe konnte, wer wollte, das Märchen am Donnerstag betrachten. Es zeigte kindgerecht den ständigen Konflikt zwischen Mann und Frau als eine Art Lehrstück vom Haben und Sein. Die Geschichte eines langweiligen Lebens als Fischer breitete sich hier aus, in dem ein desillusionierter Ehemann gedankenlos dem einfachsten Weg folgt, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Auf der anderen Seite seine Frau, die niemals glücklich sein kann, mit dem, was sie hat. Als ihr Mann einen Butt fängt, der verzaubert ist und Wünsche wahr macht, werden die Bedürfnisse und Forderungen der Frau immer maßloser. Und der Fischer ist nicht in der Lage, Nein zu sagen...

Das Ende des Stückes war dann schon bedrückend und schlug den Bogen gekonnt zum hier und jetzt. Die im Eingangsbild leicht blau darstellte See erscheint nun dunkel, stinkend und faulig. „Die Gier hat es geschafft, dass unser Planet, das Meer, die Natur völlig aus dem Gleichgewicht kommen“, mahnten Raad und Lermann. Doch Ende gut, alles gut: Wenn Menschen begriffen, dass sie Teil der Natur seien und anschließend auch so handelten, dann habe der Planet, das Meer, die gesamte Natur eine Chance, so die Scherenschnitt-Theaterspieler.

Die Grundschule am Breitenhagen sei immer auf der Suche nach etwas, das sich vom üblichen Fernseh-Allerlei unterscheide. Dabei sei man durchaus bereit, Jahr für Jahr neue Wege zu beschreiten und auch Risiken einzugehen, sagte Rektor Jörg Schlüter. Er dankte ausdrücklich dem Kulturring der Stadt Altena, der die Aufführung erst möglich gemacht hat. Das Theaterstück habe sich wohltuend unterschieden.

von Johannes Bonnekoh

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