Scharfe Kritik an Bistum und Kirche

Die Bürger von Altena bangen um ihr St. Vinzenz-Krankenhaus.

ALTENA - Je schärfer die Kritik an Pfarrer und Bistum, desto lauter der Applaus – eine Diskussionsveranstaltung auf dem Wochenmarkt zeigte gestern die Empörung der Altenaer über die Krankenhauspläne der katholischen Kirche. Erstmals schäme er sich wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Institution, sagte Bürgermeister Dr. Hollstein. Er empfinde „Wut auf den Pfarrer“, vor allem aber auf das Bistum. Dort werden nach Hollsteins Überzeugung die Entscheidungen über das Krankenhaus getroffen.

Viel zu früh sei die Aufregung verpufft, als es vor sechs Monaten nach den Rücktritten von Aufsichtsratsmitgliedern einen öffentlichen Aufschrei gab. Diese Einschätzung stammt von Hollsteins Vorgänger Günter Topmann. Er appellierte dafür, sich zur Wehr zu setzen: „Wir müssen auf die Straße gehen“. Bei den Mitarbeitern herrsche Bestürzung, schilderte Ulrich Schell von der Mitarbeitervertretung – „wir hätten nicht geglaubt, dass es diese radikale Lösung geben würde“. Dr. Hans Hellmut Baumeister, der ärztliche Direktor des Krankenhauses, warnte vor einem personellen Ausbluten – „gerade die guten“ unter Ärzten und Pflegern würden sich in der aktuellen Situation nach neuen Stellen umsehen. „Nahezu unverschämt“ sei es, dass die St. Vinzenz-Geschäftsführung den Mitarbeitern neue Arbeitsplätze in Wuppertal oder sogar Köln in Aussicht gestellt habe.

Ein weiterer Diskutant war gestern der niedergelassene Arzt Dr. Frank Leienbach: „Ich kann mir nicht vorstellen, hier ohne ein Akutkrankenhaus leben und arbeiten zu können“. Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Krankenhaus sei sehr eng, das komme den kranken Menschen zugute. Dementsprechend groß seien Unsicherheit und Ängste unter seinen Patienten, schilderte der Arzt. Das Kreiskrankenhaus in Lüdenscheid sei keine Alternative: „Das ist jetzt schon überlastet“, was stundenlange Wartezeiten bewiesen. ▪ ben.-

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