Schmierereien „nicht tolerierbar“

Schandfleck Behördenparkhaus: Zustände katastrophal - Künstler greift Missstände auf

Grelle Mahner: Gunther Lill hat orangefarbene Quadrate an Schmierereien geklebt und sie dann fotografiert
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Grelle Mahner: Gunther Lill hat orangefarbene Quadrate an Schmierereien Charakter“ geklebt und sie dann fotografiert

Lärm, Schmutz, Müll, nächtliche Partys und Rallyes und sogar tätliche Angriffe: Die Zustände im Behördenparkhaus sind katastrophal. Jetzt gibt es gar eine Fotoserie dazu.

Altena – Das Problem raubt Anwohnern den letzten Nerv, machen viele Altenaer wütend und beschäftigen die Ordnungskräfte ebenso wie die Kommunalpolitiker. Und nun auch den Altenaer Künstler Gunther Lill. Er hat den Schandfleck zum Gegenstand einer neuen Fotoserie gemacht.

Mit farbigen Quadraten macht er auf Graffiti aufmerksam, an denen er sich stört. Insbesondere geht es dem 62-Jährigen um Schmierereien, die einen „beleidigenden oder anarchistischen Charakter“ haben. So zum Beispiel die Buchstabenfolge „ACAB“, die für „all cops are bastards“ steht. Übersetzt bedeutet das: „Alle Bullen sind Schweine.“

Nicht tolerierbar

Solche Schriftzüge dürften nicht einfach hingenommen werden, moniert Gunther Lill. „Wenn man solche unakzeptablen Machwerke für jeden sichtbar über längere Zeit stehen lässt, darf man sich nicht wundern, wenn das Rechtsempfinden dauerhaft beschädigt wird, wenn Behörden nicht mehr ernst genommen werden und wenn der Respekt gegenüber Amtsträgern noch weiter schwindet, als es ohnehin bereits der Fall ist.“ Kriminelle Zeichen sagten nicht nur viel über denjenigen aus, der sie angebracht hat, sondern hätten auch negative Ausstrahlungswirkung auf das Umfeld. „Daher sind sie vor allem in einem Behördenparkhaus nicht tolerierbar.“

Ein Kunstprojekt?

Die Schmiererein sollten „unbedingt zeitnah“ entfernt werden, fordert Gunther Lill. Das erhofft er sich als Reaktion auf seine Arbeit. Er hat die beleidigenden Schriftzüge und Schmierereien mit orangefarbene Quadraten markiert, dann fotografiert und die Quadrate wieder entfernt. Die Markierungen und seine Fotos sollen die illegalen Stellen deutlich zeigen. Auf diese Weise soll ein Impuls gesetzt werden, sie zu beseitigen. „Wer auch immer dies dann tun wird“, erklärt der Künstler. Er denkt kreativ; meint, dass eine aufwendige Reinigung nicht zwingend nötig ist, um dem Problem Herr zu werden. „Man könnte daraus ein Kunstprojekt machen – die beschmierten Wände mit richtigen Graffiti gestalten.“ Dies könne einen nachhaltigen Erfolg bringen, denn bestehende Graffiti würden von Sprayern normalerweise nicht einfach übersprüht.

Die Wände regelmäßig von kriminellen zu reinigen, wäre aber auch eine Option, sagt Lill, Er betont, dass er mit seinem künstlerischen Projekt niemanden angreifen oder Versäumnisse anprangern wolle.

Bewusstsein schärfen

Vielmehr möchte er das Bewusstsein aller in Altena dafür schärfen, dass in dem Parkhaus Missstände herrschen, die nicht zu tolerieren seien. Das bezieht sich nicht nur auf die Graffiti: Erst im April hatte es eine Ortsbegehung mit dem CDU-Ratsherrn Thorsten Müller gegeben. Anwohner beklagten sich über Müll, Drogen, Vandalismus, Lärm. Im Anschluss beschäftigte sich auch der Stadtentwicklungsausschuss mit den Zuständen im Parkhaus. CDU und SPD hatten ein Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen, um den nächtlichen Gelage ein Ende zu bereiten. Als mögliche Lösung wurde über die Installation von Videokameras gesprochen, diese wird gerade mit Blick auf Datenschutz geprüft. Zudem wird die städtische Satzung über Sicherheit und Ordnung auf Straßen, Wegen und Plätzen überarbeitet, um Polizei und Ordnungsamt die Arbeit zu erleichtern und eine Handhabe zu haben.

Spiegel vorhalten

Gunther Lill will mit seiner Fotoserie auch den Verursachern den Spiegel vorhalten. „Ich frage mich, ob die Leute, die das machen, auch etwas Besseres können. Können sie auch Anspruchsvolleres und Sehenswertes? Können sie eventuell sogar künstlerisch Wertvolles? Ich will sie zum Nachdenken bringen.“ Genauso wie eben alle anderen Menschen, die das Parkhaus nutzen, ohne sich an den Schmierereien zu stören. Seine Fotos eröffnen dem „Betrachter ein breites Spektrum zur Meinungsbildung, Diskussion und Grenzziehung“, erklärt Lill.

Die Bilderserie, der der Altenaer den Titel „Nichts tun ist keine Option!“ gegeben hat, kann man sich auf seiner Homepage unter www.stylish-arts.com ansehen.

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