Schablonenmalerei im Haus Köster Emden bleibt unter Bodenfenster sichtbar

Einzigartiger Bodenfund

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Restauratorin Sarah Renn rückt Klebstoffresten des Linoleumbodens mit dem Skalpell zu Leibe, damit die darunterliegende Bodenmalerei wieder gut sichtbar wird.

Altena – Was da bei Renovierungsarbeiten im VHS-Saal im ersten Obergeschoss des Hauses Lennestraße 93 gefunden wurde, lässt Fachleute aufhorchen. Auf dem Boden aus Eichenholz befindet sich eine Schablonenmalerei, die in ganz Westfalen einzigartig sein dürfte.

Und damit nicht genug: Gleich nebenan stieß man auf einen der ältesten Linoleumfußböden in Deutschland - mit einem Stempel des Reichspatentamtes. „Beide Funde bilden ein Alleinstellungsmerkmal“, freut sich der städtische Denkmalschutzbeauftragte Jürgen Wagner. „In ganz Westfalen gibt es keinen weiteren solchen Boden, der bekannt wäre“. Das habe das Denkmalamt in Münster so bestätigt.

Entdeckt wurde die Bodenmalerei bei Vorarbeiten zur Erneuerung des alten Holzfußbodens. „Niemand wusste von diesen Malereien“, sagt Wagner. Da er zufällig kurz zuvor etwas über solche Arbeiten gelesen hatte, wurde er gleich hellhörig, stoppte die Handwerkerarbeiten und setzte die Münsteraner Denkmalbehörde in Kenntnis. Besuche vor Ort folgten - und die Feststellung, dass man es hier mit etwas Besonderem zu tun hat. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Man findet es manchmal als Deckenbemalung – aber als Fußboden, nein“, sagt Restaurator Markus Tönnes.

Er und seine Kollegin Sarah Renn von den Kalker Werkstätten in Köln rücken derzeit dem besonderen Fund mit einem wasserbasierten Gel und dem Skalpell zu Leibe. Es geht dabei darum, den Klebstoff abzulösen, der sich auf den Holzbohlen befindet und den darüber verlegten Linoleumboden abzulösen. Später werden beide den Farbauftrag behutsam auffrischen. Jürgen Wagner nimmt an, dass die Bodenmalerei nach einem Eigentümerwechsel Ende des 19. Jahrhunderts aufgetragen wurde. „Es dürfte sich um einen wohlhabenden Mann gehandelt haben“, denkt Restauratorin Sarah Renn laut nach. „Es war ein repräsentativer Raum“. Der heutige VHS-Saal misst 45 Quadratmeter, die Arbeit der Restauratoren beschränkt sich auf 16 Quadratmeter.

Die Denkmalschützer sind übereingekommen, dass diese seltenen Spuren der Vergangenheit sichtbar bleiben sollen: Es wird zwei Bodenfenster geben. Eines für die historische Schablonenmalerei und eines für den kaum weniger interessanten Linoleumboden, der ungewöhnlich kunstvoll gefertigt ist. Zum Haus Köster-Emden: Es dürfte im Jahr 1707 gebaut worden sein. 1755 ging es in den Besitz von Reidemeister Carl Wilhelm Selkinghaus über. Vorbesitzer scheint die eine Beamtenfamilie Wortmann gewesen zu sein. 1884 wurde das Gebäude an Carl Gustav Klincke verkauft.

 Den Namen Haus Köster-Emden erhielt die Immobilie durch den letzten privaten Besitzer, Paul Köster, Schwiegersohn von Klincke. Er gehörte im Ersten Weltkrieg zur Besatzung des Kreuzers Emden und durfte nach dessen Versenkung den Namen als vererbbaren Beinamen führen. Die Stadt Altena kaufte das Gebäude 1975. Es beherbergte bis 2014 die Stadtgalerie.

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