„Schöner Sauerländer Schiefer“

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Recht aufwändig gestaltet sich die Dachsanierung am Drahtmuseum. Dort wurde vor 60 Jahren asbesthaltiges Material verbaut, das jetzt durch Naturschiefer ersetzt wird.

Altena - Derzeit steigt man dem Deutschen Drahtmuseum verstärkt aufs Dach. Grund ist eine Asbestsanierung am historischen Gebäude. Bei der Gelegenheit wird auch der Giebel an der Nordseite verputzt, wo ein Gebäude der Evangelischen Kirchengemeinde stand, das als Unterkunft für Asylbewerber diente.

Nach einem Brand war die Entscheidung gefallen, dieses Haus im Sommer 2014 abreißen zu lassen. Seitdem machte die Nordseite des Drahtmusueums nicht mehr den besten Eindruck – das wird nun korrigiert.

Bei der finanziell aufwändigeren Dachsanierung hat man es mit Sünden aus der Vergangenheit zu tun. Die Pressestelle des Märkischen Kreises berichtet, dass das Drahtmuseum bis in die 50er oder 60er Jahres des vorigen Jahrhunderts hinein mit thüringischem Schiefer gedeckt war. Dann aber griff man bei einer Neueindeckung zu Asbestzement-Platten. Dies wird nun rückgängig gemacht. „Das Gebäude bekommt ein Dach aus schönem Sauerländer Schiefer“, so Kreis-Sprecher Hendrik Klein. Auch die Außenwände des zweiten Obergeschosses werden damit verkleidet. Insgesamt ein nicht ganz preiswertes Unterfangen, denn für die aktuellen Arbeiten rechnet der Kreis mit Ausgaben in Höhe von rund 400 000 Euro. Auch zeitlich nimmt das Vorhaben eine gewisse Dimension ein. Bis September oder Oktober werden die Arbeiten wohl andauern.

Im Zusammenhang mit der Asbestsanierung fällt der Blick auch auf die Dachkonstruktion über einem Teil des Gebäudes, die recht einzigartig ist: Das Dach über dem „Neubau“, der 1927/28 an den Hauptbau aus dem Jahr 1912 angefügt wurde, ist in der so genannten Zollinger-Bauweise errichtet. Benannt ist sie nach ihrem Erfinder, dem Architekten Friedrich Zollinger. Es handelt sich um eine Konstruktion aus sich kreuzenden Holzlamellen, die zu einem gewölbeartigen Netzwerk geformt werden. Dieses trägt die Dachhaut. Die Lamellen am Drahtmuseum haben eine Stärke von zwei Zentimetern.

So ein Dach, berichtet der städtische Denkmalbeauftragte Jürgen Wagner, gebe es in Altena nur zwei Mal: Einmal eben an der Thoméestraße und ein zweites Mal an der Nordstraße. Sachkundige Besucher, so Wagner, würden da schon einmal ins Staunen geraten. Die Bauweise sei eher im Raum Merseburg oder Berlin verbreitet gewesen. Die besondere Dachbauweise war mit ein Grund dafür, dass das Gebäude im Oktober 2015 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

In der Begründung für diese Entscheidung heißt es unter anderem: „Das heutige Drahtmuseum, das ehemalige Lyzeum, ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Altena und darüber hinaus, da es aufgrund seines hervorragend und in vielen Details erhaltenen Zustands ein wichtiges Zeugnis für die Ausbildung von Mädchen im frühen 20. Jahrhundert darstellt.“

Neben den naturwissenschaftlichen Räumen seien es vor allem die Bibliothek, der Zeichensaal und die Aula, die einen herausragenden Stellenwert einnehmen und damit einen Eindruck von der Ausrichtung der Ausbildung vermitteln. Viel Wert wurde auf die musische Ausrichtung der Ausbildung – Gesang, Zeichnen, Schauspiel – gelegt. Besonders beeindruckend sei der großzügige Zeichensaal, der den oben beschriebenen Stellenwert der Zeichenausbildung belegt.

Hierzu passe ein Tonrelief im Treppenhaus. Für die Erhaltung und Nutzung lägen wissenschaftliche, also architekturgeschichtliche Gründe vor, „da es sich um einen soliden, in seiner Struktur gut erhaltenen Schulbau handelt, der in seiner Ausgestaltung ein typischer Bau des Heimatschutzstiles mit expressionistischer Innengestaltung ist.“ Weitere Gründe für die architekturgeschichtliche Bedeutung sind die Aula aus Stahlbeton und die Zollinger-Dächer des „Neubaus“.

Auch lägen städtebauliche Gründe vor, da der Bau bei der topographischen Situation unterhalb der Burg und in Opposition zum Burggymnasium auf der anderen Talseite heute noch eine prägnante Wirkung entfaltet.

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