Große Welt in kleinen Bildern: Spannende Ausstellung im Kreisarchiv

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Heiß begehrt: Sammelbilder.

Altena – „Das Bilderbuch des kleinen Mannes – Sammelbilder für Groß und Klein“ ist derzeit im Kreisarchiv in Altena zu sehen. Dort erfahren Besucher auch,  dass das Sammelfieber durch ein Fleischextrakt ausbrach.

Bis Oktober zeigt das Kreisarchiv die Ausstellung „Das Bilderbuch des kleinen Mannes – Sammelbilder für Groß und Klein“. Herzstück ist die Sammlung von Ernst Schnepper, der dem Kreisarchiv rund 120 Alben vermacht hatte. „Heute sehe ich alle meine alten Freunde wieder“, sagte Ernst Schnepper bei der Eröffnung der Ausstellung im Kreishaus I. 

Sichtlich bewegt schaute sich der 84-Jährige an, wie seine Kaufmannsbilder und Sammelalben präsentiert werden. Bei seinem Rundgang mit Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski und Archivar Ulrich Biroth wurden viele Erinnerungen wach. „Seit meiner frühesten Jugend war ich hinter den Bildertüten her. Sie brachten mir die große weite Welt in mein kleines Kinderzimmer“, erzählte Schnepper. 

Die kleinen, oft farbig und aufwendig gestalteten Sammelbilder wurden beim Kauf bestimmter Markenwaren dazugegeben und lösten in Deutschland schon vor 170 Jahren eine Sammelleidenschaft aus. „Anfangs waren die Bildchen allerdings dem gehobenen Bürgertum vorbehalten, weil sie mit dem Kauf von Luxusgütern verbunden waren“, erklärte Biroth, der für die Ausstellung selbst einige Sammelalben beigesteuert hat. 

Angefangen bei Schokolade

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Firma Stollwerck damit begonnen, auf dem Einwickelpapier ihrer Schokolade farbige Bildchen zu drucken. 1872 verhalf die Justus-Liebig-Companie dem Reklamebild zum Durchbruch. Das Unternehmen fügte seinem Produkt „Liebig‘s Fleischextrakt“ die sogenannten „Liebigbilder“ bei. „Zeitweise waren die Liebigbilder gefragter als das Produkt“, erzählte Biroth lachend. 

Auch heute noch werden die Liebig-Sammelalben und Bilder hoch gehandelt. Viele Firmen folgten dem Liebigbeispiel. Zum Massenphänomen wurden die Sammelbilder erst im Ersten Weltkrieg, als Zigarettenmarken und Margarinehersteller das Werbepotential entdeckten. 

Ulrich Biroth und Dr. Christiane Todrowski führen Ernst Schnepper durch die Sammelbilder-Austellung im Kreishaus in Altena.  

Während des Zweiten Weltkriegs sammelte Ernst Schnepper als Schulkind unter verschärften Bedingungen: Sowohl Geld als auch Güter waren oft knapp. Dennoch wurde die ganze Familie eingespannt. Sein erstes Sammelalbum beschäftigte sich mit der Tier- und Pflanzenwelt im Wald. 

Es gab auch Illustrationen zu bekannten Schauspielern und berühmten Köpfen. Auch die Nazis nutzten die Sammelalben als Propagandamittel. Schließlich wurde die Produktion in Deutschland ganz eingestellt und erst nach Kriegsende wieder aufgenommen. „In der Zeit haben wir die Hefte aus Italien bekommen, mit Abbildungen von Kampfflugzeugen und Panzern“, erzählte Schnepper. 

In den 1950er Jahren wurde die Zugabe von Sammelbildchen zu Tabak- und anderen Produkten verboten. In den 1960er Jahren lösten Fußballbildchen die Sammelbilder ab. „Meine Mutter hat oft mit mir geschimpft, wenn ich wieder mit Sammelbildern nach Hause kam. Sie lagerten alle in unserem Wohnzimmer“, erinnert sich Schnepper. Später schimpfte dann seine Frau über seine Sammelwut. Die vergangenen Jahre lagerten die Alben auf dem Dachboden.

 „Das erleben wir oft, dass solche historischen Schätze auf irgendwelchen Dachböden vergessen werden“, sagt Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski. Sie bittet daher darum, das Kreisarchiv zu informieren, bevor alte Fotoalben oder Dokumente Entrümplungsaktionen zum Opfer fallen. 

Die Ausstellung 

Die Schau „Das Bilderbuch des kleinen Mannes“ ist noch bis Oktober im Kreisarchiv im Kreishaus I, Bismarckstraße 15, in Altena zu sehen.

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