Heidrun Schick geht in Rente

Traditions-Friseursalon im MK schließt für immer

Heidrun Schick
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Heidrun Schick mit ihrem Goldenen Meisterbrief im Salon Schick in Altena.

Im Altenaer Stadtteil Knerling geht jetzt eine Tradition zuende: Heidrun Schick schließt ihren Friseursalon.

Altena Das Friseurhandwerk liegt in der Familie: Schon der Großvater und der Vater gingen dieser Tätigkeit nach. Das Geschäft der Großeltern befand sich im Übrigen in Nachrodt. Der Vater erwarb den Meisterbrief im Jahr 1948, und auch Heidrun Schicks Bruder blieb der Branche treu.

In Altena gegründet 1963, übernahm die heutige Inhaberin Heidrun Schick das Geschäft 1985 vom Vater. Jetzt schließt dieser Salon, aber nicht nur vorübergehend aufgrund des Lockdowns – wie die übrigen in der Burgstadt. Heidrun Schick hat sich nämlich entschlossen, das Geschäft an den Nagel zu hängen. „Das ist zehn Jahre überfällig“, sagt die Inhaberin mit einem Lächeln und verweist auf ihr Alter. „Ich bin 74.“

Mit 74 Jahren ist Schluss im Salon in Altena

Trotz ihrer langen Berufserfahrung sei der Ausbruch des Coronavirus in dieser Dimension Neuland für sie: „So was habe ich noch nicht erlebt.“ Dennoch habe die gegenwärtige Pandemie nichts oder nur am Rande mit der Entscheidung zu tun, den Salon zu schließen. „Jetzt will ich es“, sagt Heidrun Schick mit dem Hinweis darauf, dass diese Entscheidung in ihr reifen musste.

Natürlich gibt es langjährigen Kundenbindungen am Knerling. „Die Kunden sind absolut traurig“, hat Heidrun Schick festgestellt, „aber sie zeigen auch viel Verständnis für die Entscheidung.“ Seit drei Monaten wussten die Kunden, dass der 15. Dezember 2020 der letzte Öffnungstag sein würde.

Viele langjährige Kunden am Knerling

Wie viele Frisuren sie in ihrer langjährigen Tätigkeit geschnitten hat, das kann Heidrun Schick gar nicht sagen. Sicher ist nur, dass es viele waren. Sehr viele. Und das bezieht sich nur auf den Salon am Knerling, sondern auch auf die Bühne des Nachrodter „Brettken am drögen Pütt“. Dort, wie später auch beim „Seniorenclub“ am Theater Hagen, stand die Friseurmeisterin nicht nur als Darstellerin gerne auf der Bühne, sondern kümmerte sich auch professionell um die Maske, also das adrette Aussehen der Darsteller.

Auch wenn der Salon nun geschlossen ist, das Theaterspielen möchte die Altenaerin beibehalten – wenn es denn Corona wieder möglich macht. „Das ist und bleibt mein Hobby.“

Goldener Meisterbrief

Die Friseurin hatte von der Handwerkskammer Dortmund im vergangenen Jahr den Goldenen Meisterbrief erhalten. Sie war dem Beruf also seit über 50 Jahren treu. Und das darf man wörtlich nehmen, denn mit über 70 Jahren stand sie immer noch regelmäßig in ihrem Salon an der Gustav-Selve-Straße und kümmerte sich um den Look ihrer Kundinnen. Und die wussten die Kontinuität zu schätzen, die ihnen am Knerling geboten wurde. „Die Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht“, blickt Heidrun Schick zurück. „Und es hält mich jung.“

Rückblende: Man schrieb den 19. Februar 1968, als Heidrun Schick ihre Meisterprüfung absolvierte. Lang ist’s her, und die Zeiten waren andere, wie es so schön heißt. Von den sechs Prüflingen, die sich den Aufgaben stellten, waren fünf männlichen Geschlechts und Heidrun Schick die einzige Frau.

Früher wurde mehr gelockt

Die angehenden Meister mussten damals eine Ondulation abliefern, eine Dauerwelle, eine Färbung, einen Schnitt für Damen und für Herren sowie eine Kosmetik. Vorausgegangen war ein dreimonatiger Vorbereitungskurs auf der Meisterschule. „Damals“, erinnert sich die Friseurmeisterin, „wurde viel mehr Technik angewandt als heute.“

Heute müsse eine Frisur durch den Schnitt sitzen. „Früher wurde noch intensiver gelockt oder auf Wickler gedreht.“ Es fällt das Stichwort „Eisenbahnschienen“. Dabei handelt es sich um eine handgelegte Wasserwelle, auch das Brenneisen kam zum Einsatz.

Der Umzug des väterlichen Salons aus Nachrodt zum Knerling erfolgte 1963. „Damals hatten wir noch Übergardinen, damit niemand von außen hereinschauen konnte“, erinnert sich Heidrun Schick an die früheren Gepflogenheiten.

Das Gebäude hat auch eine durchaus interessante Geschichte: Es diente zuvor als Gaststätte und Tanzlokal, nach dem Zweiten Weltkrieg auch für einige Jahre als Schule, schließlich wurde es zum Friseursalon. Bis jetzt. Zukunft ungewiss.

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