Runder Tisch mit den Hilfsorganisationen

"Billigheimer" reißen ein Loch in den Katastrophenschutz

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Staatssekretär Dr. Günter Krings (Mitte), Landrat Thomas Gemke und MdB Christel Voßbeck-Kayser lauschten den Ausführungen der Mitglieder der MK-Hilfsorganisationen im THW-Heim in der Brachtenbeck.

Altena - Landrat Thomas Gemke, Staatssekretär Dr. Günter Krings und die heimische Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser hörten am Freitagabend viel Kritik beim runden Tisch zum Thema Krisen- und Katastrophenschutz im Märkischen Kreis.

Insbesondere die Auftragsvergabe für den Krankentransport an günstigere Dienstleister hat ein sowohl personelles, wie auch finanzielles Loch in die Kassen von Hilfsorganisationen wie den Johannitern gerissen. „Uns sind dadurch Leute abgesprungen, die jetzt im Katastrophenschutz fehlen!“ erklärte Christopher Tomaszik.

Auch in Altena sind sie aus dem Stadtbild verschwunden, die Sanitäter, Rettungsdienstler und Fahrer, die sich um die Versorgung und den Krankentransport kranker Menschen gekümmert haben. Die Johanniter fühlen sich bestraft, weil sie ihre Mitarbeiter für diese Aufgaben fair bezahlt haben. Denn der Märkische Kreis vergab diese Aufträge an „Billigheimer“. „Die zahlen schlecht, haben dadurch viele personelle Ausfälle und wir müssen sie oft vertreten. Dabei hätte es mit der Bereichausnahme doch sogar eine gesetzliche Möglichkeit gegeben, dass bewährte Organisationen diese Aufgaben hätten behalten können“, erklärte Christopher Tomaszik von den Lüdenscheider Johannitern.

Gegen jene Bereichsausnahme können private Dienstleister jedoch klagen, weshalb der Märkische Kreis sich einer Prozesslawine ausgesetzt sehe, sollte er sich nicht an die günstigsten Anbieter halten, erläuterte Landrat Thomas Gemke, der die Not bewährter Organisationen aber wahrnehmen muss. „Denn diejenigen, die ihre Arbeitsplätze verloren haben, sehen auch keinen Grund mehr, sich im Katastrophenschutz fortzubilden. Da sind wir unterrepräsentiert“, ergänzte Tomaszik.

Zudem sehen sich viele Helfer auch unterversichert, wie THW-Vertreter und auch der stellvertretende Kreisbrandinspektor Michael Kling erläuterten. „Auf kommunaler Ebene haben wir Feuerwehrleute auf Abschluss einer sogenannten Idiotenversicherung gedrängt, die wirklich jede Verletzung im Einsatz abdeckt“, so Kling. 

Vor Abschluss dieser Police blieb mancher Feuerwehrmann in Nachrodt-Wiblingwerde auf seinen Unfallkosten sitzen, wenn er im Einsatz nur über einen Bordstein und nicht über einen Schlauch gestolpert war. „Das sind alles Sachen, die Ehrenamtlern den Spaß an ihrem Hobby vermiesen.“

Aus dem Spaß am Hobby wird insbesondere aufgrund der veränderten allgemeinen Sicherheitslage oft Ernst. Hilfskräfte seien größeren Herausforderungen im Katastrophenschutz ausgesetzt, als noch vor zehn Jahren und müssten entsprechend viele Übungsstunden mehr ableisten, um auf diese Veränderungen einzugehen. „Vielleicht wäre es gut, wenn sich dieses Engagement auch mal auf die Rente derer auswirken könnte, die sich um die Sicherheit der Allgemeinheit bemühen“, gab der Runde Tisch den Politikern mit.

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