Roßbacher: Von Drachen und vertrackten Stories

Verena Roßbacher liest aus ihrem Roman und erklärt ihr Schreiben. ▪

ALTENA Freunde journalistischen Schreibens konnten sich am Dienstagabend in der Stadtbücherei verstanden fühlen: „Ich lese sehr gerne Zeitungen, weil man aus ihnen so viele unterschiedliche Informationen ziehen kann. Zeitungen sind großartig“, gab Verena Roßbacher eine wichtige Quelle ihres Schreibens preis.

Vor kleinem Publikum las die Literaturstipendiatin der Märkischen Kulturkonferenz 2011 aus ihrem Roman „Verlangen nach Drachen“, stellte Personen, ihre Verstrickungen, Motive und Orte vor.

Die 1979 im österreichischen Vorarlberg geborene Autorin verriet bei einigen exotischen Themen ihrer Protagonisten, was für Zeitungsschnipsel sie sich für den Tag X aufbewahrt hatte, an dem sie sie in Literatur verwandeln würde.

Die Lesung war dabei viel mehr als die Pflichtübung einer Stipendiatin, die sich dem geneigten Publikum auch mal präsentieren muss. „Wir haben hier schon einige Leute lesen hören, aber das war etwas ganz Besonderes“, lobte Büchereileiter Antonius Gusik. „Sie sollten noch ein Hörbuch daraus machen.“ Roßbacher verlieh ihren oftmals skurrilen und komischen Figuren in den nicht weniger bizarren Szenerien mit prägnanter und lebendiger Stimme Gestalt und Ausdruck. Viele Figuren aus „Verlangen nach Drachen“ lernte das Publikum während der Lesung vorzugsweise in Dialogen kennen: die Aushilfskellnerin Klara, ihren Vater, einige ihrer Männer und den Steinesammler, Floristen und Universalautodidakten Alexander von Lenau. Man parliert über Evolution und Schöpfungslehre, Vegetarismus und Fleischfresserei, die bakterienfraßbasierte Verbesserung der Klangqualität von Stradivaris und die evolutionstheoretische Bedeutung des Urvogels Archäopterix.

Eine Besucherin lobte nach der Lesung die „komischen, überzeichneten Figuren“ und attestierte der Autorin „eine große Tiefe dahinter“. Verena Roßbacher fühlte sich verstanden: „Es freut mich sehr, dass Sie das sagen!“ Und sie fügte an: „Es geht nicht, eine große Tragik nicht komisch zu erzählen.“ Nur tragisch ohne Humor zu sein, habe „etwas Eitles“.

Sogar so etwas Altmodisches wie ein Vorbild nannte Roßbacher: den österreichischen Schriftsteller Heimito von Doderer. „Ich schätze ihn als Humanisten und für seine Annahme, dass Menschen sich verändern, sich entwickeln können.“ Ebendiese Frage stellte sie im Gespräch auch an ihre eigenen Figuren. „In der Lektüre über Doderer habe ich verstanden, was Schreiben heißt.“ In ihr habe er die „Lust an vertrackten Geschichten“ geweckt.

Mit solcher Lust scheut die Autorin die zerstörerische Klarheit im Hinblick darauf, was ihre Figuren gerade tun: „Gesagt, gedacht oder geträumt? – Ich liebe es, das offen zu lassen.“

von Thomas Krumm

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