Bandidos-Prozess vor dem Landgericht

Falsches T-Shirt: Rocker aus dem MK rasten aus

Prozess Bandidos
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Gegen Mitglieder und Unterstützer der Bandidos wird vor dem Landgericht verhandelt.

Falsches T-Shirt zum falschen Zeitpunkt getragen: Deshalb geriet ein Mann mit Bandidos aneinander. Es flog ein Tisch, auch Reizgas war im Einsatz. Nicht nur deshalb stehen Rocker aus dem MK vor dem Landgericht. Es geht um versuchten Mord, Drogen und Waffenbesitz.

Der Rockerprozess bleibt ein schwieriger Fall: Zwar gab es bei der Verhandlung am Donnerstag (4. Februar) tatsächlich Zeugen, die sich nicht auf ihr Aussageverweigerungsrecht beriefen und aussagten. Doch es gab eine ganze Reihe von Zeugen, die gar nicht erst im Landgericht Hagen erschien.

Im Fokus stand eine Auseinandersetzung in einer Shisha-Bar in Hagen am 16. Juni 2018, bei der auch der Angeklagte aus Altena dabei gewesen sein soll. Im Verlauf des Streits sollen einige der angeklagten Männer, die den Bandidos angehören, einen Zeugen gezwungen haben, sein T-Shirt auszuziehen. Denn auf dem entdeckten sie ein vermeintliches Symbol der „Hell’s Angel“, bekanntlich die größten Konkurrenten und Feinde der Bandidos.

Reizgas versprüht: Rocker entschuldigt sich bei Frauen

Zwei junge Frauen, die sich an jenem Abend zufällig in der Bar aufhielten, erinnerten sich als Zeuginnen vor Gericht an die Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein Tisch geflogen sei, und an die Aufforderung das T-Shirt auszuziehen. Auch Reizgas sei zum Einsatz gekommen. Die Frauen bekamen davon etwas ab.

Einen der sechs Angeklagten kannten die Zeuginnen. Er hatte das Pfefferspray eingesetzt und ihnen hinterher je 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt und sich entschuldigt. Ihm tue das alles leid, soll er zu den Zeuginnen gesagt haben.

Der Mann hatte zunächst gezögert, sein Shirt auszuziehen, es dann aber doch getan. Die Zeuginnen hatten dabei keine Verletzungen von der vorangegangene Auseinandersetzung am Körper des Mannes entdeckt.

T-Shirt keine Werbung für „Hell‘s Angels“?

Einiges spricht dafür, dass auch dieser Zeuge – wie viele andere Beteiligte – nach der Vernehmung durch die Polizei direkt im Anschluss des Vorfalls nun nicht erneut aussagen wird. Interessant war deshalb der Bericht eines Polizisten, der den Mann nach dem Streit vernommen hatte.

Ihm hatte dieser erzählt, dass er das Shirt nicht als Symbol und Werbung für die „Hell’s Angels“ getragen habe. Vielmehr sei es ihm um die Zahl 81 gegangen, die auch auf dem Kleidungsstück abgedruckt war. Das ist sein Geburtsjahr.

Beruflich mit Bandidos und Hell‘s Angels zu tun

Er habe beruflich sowohl mit den „Hell’s Angels“ als auch mit den „Bandidos“ zu tun und stehe deshalb auf keiner der beiden Seiten. Für ihn sei die Sache erledigt. „Zurückhaltend“ sei der Zeuge schon bei der polizeilichen Vernehmung gewesen, sagte der Polizeibeamte vor Gericht. „Man musste immer wieder nachbohren.“

Bis zum nächsten Verhandlungstag am 25. Februar haben die Prozessbeteiligten nun viel zu lesen. Zum einen die Auswertungen von Handydaten und Telefongesprächen zwischen den Angeklagten, zum anderen die Statuten des „Bandidos“-Motorradclubs.

Vorwurf: Auf Konkurrenz geschossen

Sechs Männer aus Altena, Hagen und Iserlohn müssen sich im Landgericht Hagen unter anderem wegen versuchten Mordes, illegalen Waffenbesitzes, Gründung einer kriminellen Vereinigung und anderer schwerer Straftaten verantworten.

Als führende Mitglieder des am 1. April 2018 von ihnen gegründeten Motorradclubs „Bandidos MC“ Hagen sollen sie zur Durchsetzung ihres Machtanspruchs unter anderem auf Mitglieder eines konkurrierenden Motorradclubs geschossen und dabei deren Tod in Kauf genommen haben. Nachdem eine beisitzende Richterin „aus persönlichen Gründen“ im September 2020 hinwarf, musste der Prozess nun nochmal von vorne beginnen. 

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