Bandidos vor Gericht

Rocker-Prozess zieht sich hin - aus einem Grund    

Bandidos
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Mitglieder des Motorradclubs «Bandidos» in ihren berühmt-berüchtigten Kutten.

Alle Zeugen sind befragt, alle Angeklagten haben Teilgeständnisse abgelegt: Trotzdem zieht sich der Prozess gegen Rocker auch aus dem MK in die Länge. Von sechs sind nur noch fünf Angeklagte übrig.

Die letzten Zeugen sind befragt und die Angeklagten haben Teilgeständnisse abgelegt. Dennoch soll der Rockerprozess im Landgericht Hagen frühestens im August zu Ende gehen. Mit dieser Terminplanung hat die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen die Prozessbeteiligten überrascht.

Als Hausaufgabe gab es Mitschriften der von den Ermittlern sichergestellten Telefonkontakte der Angeklagten aus Hagen und Altena. Um diese Beweismittel bestmöglich auszuwerten, sollen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um die aufgezeichneten Telefongespräche und Sprachnachrichten in einer der nächsten Sitzungen im Schwurgerichtssaal anhören zu können und bei Bedarf von Dolmetschern übersetzen zu lassen.

„Großer Rockerprozess“: Angeklagter schon verurteilt und in Haft

Zuvor hatte sich die Zahl der Angeklagten von sechs auf fünf verringert: Das Verfahren gegen einen der beiden Hauptbeschuldigten aus Hagen wurde zunächst abgetrennt und während eines kurzen „Zwischenspiels“ mit ihm als einzigem Angeklagten weitergeführt. Bei der obligatorischen Klärung seiner Personalien hatte er Gelegenheit zu einer Klärung: Er sei nicht 33, sondern erst 23 Jahre alt. Die Anklage habe ihn zehn Jahre älter gemacht.

Das Gericht stellte das Verfahren gegen ihn erwartungsgemäß ein, weil er in einem weiteren, großen Rockerprozess unter anderem wegen bewaffneter Auseinandersetzungen mit den „Hells Angels“ in Köln bereits zu einer Haftstrafe von acht Jahren und vier Monaten verurteilt worden war. Nach der Einstellung seines Verfahrens verabschiedete er sich teilweise mit Handschlag von seinen Mitangeklagten und verschwand auf längere Zeit in der Haftanstalt. „So leer hier“, bemerkte die Vorsitzende mit Blick auf die fünf verbliebenen Angeklagten und deren zehn Verteidiger leicht ironisch.

Angeschossen: Angeklagter erzählt aus Rocker-Leben

Von einem gefährlichen Leben als Rocker berichtete auch der letzte Angeklagte, der noch keine Erklärung zu den ihm vorgeworfenen Taten abgegeben hatte. Er erzählte, dass er nach seinem Umzug nach Hagen dort angeschossen worden sei. „Ich bin froh, dass ich das überlebt habe.“ Sein Bericht bestätigte indirekt auch, dass es zwischen verfeindeten Rockergruppen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Erst nach Gastspielen bei den „Hells Angels“ und den „Freeway Riders“ im Raum Siegen war er zu den „Bandidos“ Hagen gestoßen. Schon als 14-Jähriger sei er ein Motorradfan gewesen, ließ er einen seiner Anwälte vortragen. Auch bei ihm galt– wie bei den meisten anderen Angeklagten –, dass er es offenbar schon in seiner Jugend nicht immer leicht gehabt hatte.

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