Riesige Marihuana-Plantage in der Nette: Prozessauftakt am Landgericht

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Prozessauftakt im Landgericht: die drei Angeklagten mit ihren Verteidigern.

Altena – 1109 Cannabis-Pflanzen fand die Polizei in einem Haus in der Nette. Nun beginnt der Prozess gegen die Drogenanbauer. Sie versuchen, glimpflich davonzukommen.

Als Erntebrigade betätigten sich Polizeibeamte am 25. September 2019 in einem Haus an der Bachstraße in der Nette. Ein starker Marihuana-Duft hatte zunächst Anwohner und dann das Ordnungsamt auf den Plan gerufen. Bei einer Durchsuchung des Mehrfamilienhauses fanden die Beamten eine auf fünf Räume verteilte Plantage mit 1109 Pflanzen, von denen ein Teil erntereif war. Auch 500 Gramm Marihuana aus einer früheren Ernte stellten die Beamten sicher. 

38 Kilo Marihuana geerntet

Im Landgericht Hagen müssen sich nun drei Angeklagte wegen des Handels mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmitteln verantworten. Bei vier Ernten sollen sie insgesamt 38 Kilogramm Marihuana geerntet und zu einem Preis von 3500 Euro pro Kilogramm verkauft haben. 

Teil der Anklage war deshalb auch der Antrag auf Einziehung des mutmaßlichen Erlöses aus diesen Drogengeschäften: 127 750 Euro sollen die Angeklagten der Gerichtskasse aushändigen. 

Das zum Gewächshaus umfunktionierte Mehrfamilienhaus soll sich im Besitz einer 54-jährigen Frau und ihres 59-jährigen Mannes aus Gelsenkirchen befunden haben. Auch ein 38-jähriger Mann aus Altena soll die Plantage gepflegt haben. Laut Anklage waren damit aber auch die beiden Gelsenkirchener beschäftigt: Alle drei sollen in den gemeinsamen Handel mit den Betäubungsmitteln eingebunden gewesen sein und ihre Plantage in Altena „gedüngt, gewässert und mit ausreichend Licht und Luft versorgt“ haben. 

Corona-Antrag abgelehnt

Auf eine fachkundige Pflege deuten Wirkstoffgehalte des sichergestellten Marihuanas zwischen 16 und 18 Prozent hin. Mit dem Abtransport der Drogen habe sein Mandant aus Altena nichts zu tun gehabt, versicherte Rechtsanwalt Dirk Löber. 

Vor Beginn der Verhandlung hatte er einen Antrag auf Aussetzung des Strafverfahrens gestellt. Der wegen der Corona-Krise verordnete Abstand zu seinem Mandanten lasse nur eine eingeschränkte Kommunikation zu. Dadurch sei „das Rechtsstaatsprinzip und das Recht auf eine faire Verteidigung“ nicht gewährleistet: „Die Verteidigung ist unzulässig beschränkt in ihren Möglichkeiten.“ 

Schuld gegenseitig zugeschoben

Die Kammer wies den Vorwurf zurück und sicherte zu, die Sitzung für Beratungen zwischen den Angeklagten und ihren Verteidigern jederzeit zu unterbrechen. Für die Beantwortung der Frage, wie sich die Verantwortlichkeiten und Tätigkeiten auf die Angeklagten verteilten, haben die Richter sechs weitere Verhandlungstage eingeplant. 

Der Verteidiger des 59-jährigen Hauseigentümers bemühte sich ebenfalls, seine persönlichen Aktivitäten zu relativieren: „Er kann seine Ehefrau doch nicht festbinden.“ Die ersten Reaktionen auf die Anklage deuten noch einen erheblichen Aufklärungsbedarf an. Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 31. März, ab 9 Uhr fortgesetzt.

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