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Riesen-Resonanz: Eine Million Euro Spenden für Altenas Flutopfer

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Von: Thomas Bender

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Spenden für Hochwasser-Opfer
Nach dem Hochwasser sammelten DRK, Caritas und Kirchen Spenden für die Betroffenen. Die Resonanz war riesig. © Robert Günther/dpa-tmn

Die Summe ist beachtlich: Rund eine Million Euro habe DRK, Caritas und Kirchen an Spenden für Altenas Flutopfer gesammelt und große Teile ausgezahlt. Doch Geld allein reicht nicht. Nun gibt es psychologische Hilfe.

Altena/Nachrodt – Bei der Wiederaufbauhilfe des Landes ruckelt es. Den Eindruck haben viele. Ansonsten aber läuft die Hilfe für die Flutopfer gut, aber von der Öffentlichkeit oft unbemerkt. Wer zum Beispiel weiß, dass aus vier großen Spendentöpfen bereits hunderttausende Euro an betroffene Altenaer und Nachrodter ausgezahlt worden sind?

Beispiel DRK: Dem Kreisverband Märkischer Kreis standen unter anderem vom Aktionsbündnis „NRW hilft“, aber auch aus Eigenmitteln und aus Spenden 280 000 Euro zur Verfügung. „Davon konnten wir bislang 240 000 Euro an über 170 betroffene Haushalte ausgeben. Der Großteil der Finanzhilfen erfolgte für Soforthilfen, Haushaltshilfen und Härtefallhilfen“, berichtet Vorstand Pascal Hülle.

Flut: Katholische Kirche hilft in der „Akutphase“

Die evangelische Kirche gründete schon zwei Tage nach der verheerenden Katastrophe einen gemeinsamen Hilfsfonds der Firma Selter aus Dahle, der evangelischen Kirchengemeinde in Altena und des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. Er startete mit einem Sockelbetrag von 30 000 Euro und wuchs aufgrund einer enormen Spendenbereitschaft in kurzer Zeit auf mehr als 300 000 Euro. Bereits nach 14 Tagen konnten davon insgesamt 240 000 Euro ausgezahlt werden. Das Geld ging an Familien und Alleinstehende vorwiegend in Altena.

Auch die katholische Kirchengemeinde blieb nicht untätig: Sie trug bisher rund 180 000 Euro zusammen und finanzierte davon Notfallhilfe in der Akutphase und Zuschüsse zu Anschaffungen wie Kochplatten, Wäschetrockner und Bohrmaschinen. Auch für die Verpflegung von Hilfskräften wurden Gelder der Kirche eingesetzt.

Nach der Flut: Sachkundige Personen finanziert

50 000 Euro brachte Essens Bischof Franz-Josef Overbeck mit, als er zehn Tage nach der Flut das Lennetal besuchte. Das Geld ging an den Caritasverband für das Dekanat Altena-Lüdenscheid. Dessen Vorsitzender Stefan Hesse spricht von einem „sehr dynamischen Spendengeschehen“. Rund 300 000 Euro seien bisher eingegangen und in großen Teilen auch schon wieder ausgegeben worden – auch für Dinge, an die man nicht unbedingt denkt, wenn es um Fluthilfe geht. So finanzierte die Caritas „sachkundige Personen“, die jeder hinzuziehen musste, der einen Flutschaden von mehr als 50 000 Euro meldete, um beim Land Wiederaufbauhilfe zu beantragen.

Die Hilfestellung bei diesem und anderem „Papierkram“ habe in den vergangenen Monat viel Zeit gekostet, berichtet Hesse. Personal der Caritas arbeitete dazu in der Freiheit 26 mit, wo Mitarbeiter von Stadt- und Kreisverwaltung beim Stellen der Anträge auf Fluthilfe behilflich sind.

In diesem Zusammenhang weist die Stadt darauf hin, dass Anträge auf Hilfen aus dem Spendentopf der Stadt, der mit rund 1,5 Millionen Euro ebenfalls sehr gut gefüllt ist, bis Samstag, 15. Januar, bei der Stadt eingegangen sein müssen. Mit diesen Mitteln soll vor allem bei Großschäden die Differenz zwischen der tatsächlichen Schadenshöhe und der Erstattung durch das Land beziehungsweise durch Versicherungen abgemildert werden. Ganz wichtig:

Beratungsstellen und Sprechstunden

Außerdem bietet die Caritas regelmäßige Sprechstunden im Apollo-Kino an. Das Interesse daran sei zwar zuletzt etwas zurückgegangen, könne jetzt aber wieder zunehmen, meint Hesse: Kämen die ersten Bescheide über Leistungen aus der Wiederaufbauhilfe, dann seien damit sicherlich auch Fragen verbunden. Eine große Hilfe sei die Inhaberin des Kinos, sagte Hesse: „Nicole Güldner ist wirklich Gold wert. Sie kennt die Leute, das schafft Vertrauen.“

Hesse geht davon aus, dass das Thema Flut die Caritas noch wenigstens zwei Jahre lang beschäftigen wird. Sie habe nicht nur große materielle Schäden mit sich gebracht, sondern auch seelische. Die psychosoziale Betreuung der Flutopfer brauche ihre Zeit. Über dafür geschultes Personal verfügt die Caritas in ihren verschiedenen Beratungsstellen.

Neues Projekt „Herz-Seelen-Hilfe“ des DRK

Auch das DRK will sich jetzt verstärkt um die Psyche der Flutopfer kümmern und hat dazu das Projekt „Herz-Seelen-Hilfe“ ins Leben gerufen. Dazu würden Anfang 2022 in den DRK-Kreisverbänden Märkischer Kreis, Arnsberg, Hagen und Witten ehrenamtliche Helfer ausgebildet, die den Menschen dann qualifiziert beistehen können, kündigt DRK-Vorstand Pascal Hülle an. Schon jetzt kümmern sich die DRK-Streetworker Susanne Strübli und Aykut Aggül auch um die seelischen Nöte der Betroffenen, wenn das erforderlich ist.

In erster Linie geht es aber darum, Betroffene des Hochwassers bei der Antragsstellung zum Wiederaufbau zu unterstützen. Dazu besuchen sie betroffene Haushalte direkt und helfen bei der Antragsstellung. Außerdem vermitteln sie weitere Hilfen wie Bausachverständige, soziale Unterstützung oder bieten sich einfach als Gesprächspartner an.

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