Das Rezept: „Versuche nie so zu sein, wie ein Mann“

Britta Hölper nennt ihren Führungsstil „sachlich“.

ALTENA - Geschäftsführerin in einer Männer-Domäne? Britta Hölper kann sich kaum einen besseren Job vorstellen. Die Diplom-Kauffrau leitet die Geschicke der Möhling GmbH & Co. KG. 300 Mitarbeiter hat das Metall verarbeitende Unternehmen allein am Standort Dahle. Neben dem Job hat Britta Hölper außerdem eine zweijährige Tochter, die ihr ebenfalls einiges abverlangt. Ein straff organisierter Alltag ist da Pflicht. Von Lydia Machelett

„Es ist oft schon ein raues Umfeld“, erklärt Hölper. Metallverarbeitung sei halt eine Männerwelt. Dennoch habe sie ihren Weg der Führung gefunden. Ihr Aufgabenschwerpunkt im Unternehmen liege im Personalwesen. „Ich glaube schon, dass das, was man als Frau im Beruf leistet, immer noch ein bisschen kritischer beäugt wird, als die Arbeit der männlichen Kollegen“, erklärt die 31-Jährige die Problematik. Dennoch stellt sie sich täglich der Herausforderung. „Es gab mal einen Anruf, bei dem ein Schrotthändler mit der Geschäftsleitung verbunden werden wollte und mir nicht glaubte, dass er schon mit dieser verbunden war – die Frau konnte nach seiner Einschätzung nach nur die Sekretärin sein“, erinnert sie sich lachend. Auch bei Treffen mit anderen Firmen oder Kunden sei sie oft die einzige Frau am Tisch. Doch das schreckt Britta Hölper nicht – ihr Geheimrezept: „Versuche nie so zu sein, wie ein Mann, denn du bist es nicht.“

Aber auch sie habe erst einmal lernen müssen damit umzugehen, insbesondere dann, wenn es um Konfliktlösungen gehe. „Ein Mann kann in letzter Konsequenz immer mal richtig laut werden. Eine Frau, die schreit, wird nicht ernst genommen“, erklärt sie. Ihren Führungsstil beschreibt Hölper als „sachlich“. Offene Diskussionen und das gemeinsame Sammeln von Ideen gehören zu ihrem Konzept. Die Firma Möhling setzt auf ein Geschäftsführungsteam. „Die Kombination männlich-weiblich, führt dazu, dass viele Entscheidungen runder werden, weil man aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu einer Entscheidung kommt“, verdeutlicht Hölper.

„Als ich hier angefangen habe, haben sicher einige geglaubt das wäre nur ein kurzer Auftritt und bezweifelt, dass ich auch mit Kind meiner Aufgabe als Geschäftsführerin gerecht werden kann“, erinnert sie sich. Aber die Kritiker wurden eines besseren belehrt: „Ich habe während meiner gesamten Schwangerschaft gearbeitet und meine Tochter war das erste Mal mit in der Firma, als sie eine Woche alt war“, berichtet die stolze Mutter. Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, das sei oft nicht leicht. „Es bedarf einfach einer guten Organisation, viel Flexibilität und natürlich Kreativität. Ohne die Unterstützung meines Mannes, der ebenfalls fester Bestandteil unseres Betreuungskonzeptes ist, würde das ganze aber nicht funktionieren“, so die 31-Jährige. Ihre Position im Unternehmen ermögliche ihr aber auch eine freiere Zeiteinteilung. „Da habe ich es schon leichter, als jemand der in einen festen, fremdbestimmten Arbeitsalltag eingebunden ist.“ Ob dieses Wissens versucht Hölper vielleicht den Eltern, insbesondere den Müttern, den Wiedereinstieg bei Möhling zu erleichtern. So käme es schon mal vor, dass Mütter im Notfall ihre Kinder mit zur Arbeit brächten.

Generell bedauert Britta Hölper, dass Frauen in der Gesellschaft häufig in eine Ecke gedrängt werden. So sei eine Hausfrau immer einfach nur eine Hausfrau und eine Karrierefrau oftmals einfach nur eine Rabenmutter. Daher lautet ihr Appell, dieses Schwarz-Weiß-Denken aufzugeben und beides als eine Herausforderung zu sehen.

„Ich genieße den Ausgleich“, erklärt Hölper. Sie habe durch ihre Arbeit einerseits Unterhaltungen, die inhaltlich nicht um Windeln, Kindergarten und Kinderkrankheiten gingen, und auf der anderen Seite das Kind, was ihr immer zeige, dass es wichtigeres auf der Welt gibt als den Job. „Ich denke, man sollte immer die Qualität der Zeit mit dem Kind in den Vordergrund stellen. Auch eine Hausfrau kann sich nicht 24 Stunden allein um das Kind kümmern“, erklärt Britta Hölper weiter. Die Zeit zu Hause widme sie voll ihrer Tochter, Ärger in der Firma sei dann im Nu vergessen.

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