Dampflok Carl bekommt neuen Kessel

Restaurierung der historischen Lok dauert Jahre

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Besser als in Altena: In den Niederlanden steht Carl warm und trocken.

Altena - So eine alte Dampflok hat es schwer, wenn es darum geht, ihr einen Weg zurück ins Leben zu bahnen: Das gilt auch und gerade für Carl, den Veteranen der einstigen Kreis Altenaer Eisenbahn.

Seit November 2016 gehört die Lokomotive zur sieben Maschinen umfassenden Sammlung von Wim Pater, der den „Kleinbaan Service“ in Winschoten in der niederländischen Provinz Groningen betreibt. Paters Ziel ist es, Carl wieder in betriebsfähigen Zustand auf die Schiene zu bringen. Auf die Frage, wie es Carl denn derzeit so geht, muss Wim Pater nicht lange nach einer Antwort suchen: „Es geht ihm besser als damals in Altena.

Carl steht trocken

Er steht in einer trockenen und beheizten Halle“, berichtet der neue Eigentümer. Allein: Auf den ersten Blick hat sich noch nicht ganz so viel getan bei der Wiederertüchtigung der alten Dampfmaschine. Wim Pater war jedoch keineswegs untätig, hat sich auf die Suche nach Teilen begeben und bei einer Firma in Wetzlar einen neuen Dampfkessel in Auftrag gegeben. „In ein paar Wochen“, so Pater, werde Carl die Rückreise nach Deutschland antreten und dann mit dem neuen Kessel ausgestattet. Dabei geht es auch um gehörige Ausgaben, berichtet Pater. Allein der neue Kessel wird mit rund 100 000 Euro zu Buche schlagen. Schwierig sei die Suche nach Teilen ohnehin, weiß der Bahnoldtimer-Freund. Nur vereinzelt bekomme noch originale Teile, meist im Tausch. „Anderes muss man anfertigen lassen.“ Für die ehemalige KAE-Lokomotive gelte zudem die Diagnose:

Es ist sehr vieles weg

„Es ist sehr vieles weg.“ Immerhin ist Wim Pater mittlerweile in den Besitz eines neuen Dampfläutwerks gelangt, und auch ein neuer Schornstein steht auf der Liste. All das seien kleine Schritte und das Hobby sei mühsam; „aber es geht zurück ins Leben“, ist Wim Pater zuversichtlich. „Das ist es eben kein Hobby, in dem etwas von Heute auf Morgen fertig wird.“ Aus seiner Erfahrung erwartet der Eisenbahnfreund, dass es „drei bis fünf Jahre dauert“, bis Carl wieder betriebstüchtig ist. Das liege auch daran, dass es nur wenige Fachleute gebe, die ein solches Fahrzeug sachgerecht restaurieren können. „Und die, die es gibt, sind sehr gut ausgelastet und haben kaum Kapazitäten frei“, weiß Pater.

Sammler alter Loks

Er sammelt die betagten Lokomotiven seit dem Jahr 2009. Mit 30 Kilometern in der Stunde war „Carl“ von 1907 bis 1961 aktiv. Bis zu 80 Tonnen bewegte er damals von der Stelle. Rückblende: Ihren eigentlichen Namen hatte die „Kreis Altenaer Eisenbahn AG“ erst im Jahre 1922 erhalten. Gegründet aber wurde sie bereits 1887 als „Kreis Altenaer Schmalspur-Eisenbahn AG“. Die erste KAE-Bahnstrecke baute die Berliner Firma Soenderop & Co, die bis ins Jahr 1889 hinein, auch deren Betreiberin war, während heimische Privat- und Geschäftsleute, der Preußische Staat sowie die Landgemeinde Lüdenscheid die Aktien des Unternehmens hielten. Das insgesamt 41 Kilometer lange Streckennetz, dessen Trassen nicht miteinander verbunden waren, umfasste drei große Hauptstrecken und zwei kleinere Strecken, die für den Güterverkehr genutzt wurden.

Unter Dampf durch Altena

Die wichtigsten Trassen waren Lüdenscheid-Werdohl (Versetalbahn), Altena-Lüdenscheid (Rahmedetalbahn) und Halver-Schalksmühle. Wieder unter Dampf wollten Carl einst auch die Kleinbahnfreunde aus Herscheid-Hüinghausen setzen, die bereits mehrere Leidensgenossen von „Carl“ zurück auf die Schienen zurückgebracht hatten. Den Zuschlag aber erhielt letztlich Wim Pater - Carl wechselte für eine „Ablösesumme“ von 100 000 Euro in die Niederlande.

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