ABG renoviert - Mieter müssen Staub und Lärm ertragen

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Von den blauen Badezimmerfliesen und der Deckenverkleidung, die sie sich einst einbauen ließen, müssen sich Monika und Dietmar Gehrke bald trennen. Auch ihr Badezimmer wird renoviert.

ALTENA - Dietmar Gehrke zeigte sich höchst besorgt, als die Altenaer Baugesellschaft ihre Pläne für die energetische Sanierung der Häuser Mozartstraße 22 bis 26 vorstellte. Nicht nur die Versorgungsleitungen, sondern auch Fenster, Türen und Badezimmer werden in diesem Zuge erneuert.

Das alles erfolgt im bewohnten Zustand des Wohnraums. Und Dietmar Gehrke ist lungenkrank.

Viel zu viele Informationen sind auf Dietmar Gehrke und seine Frau Monika eingeprasselt, bis die Baugesellschaft mit der umfangreichen Sanierungsmaßnahme begann. Nicht nur eine Verschlechterung des Gesundheitszustands, sondern auch die Zerstörung des in Eigenleistung renovierten Wohnraums befürchteten die Gehrkes, als sie sahen, wie im Nebenhaus die Handwerker anrückten.

Sämtliche Balkone sind an den Häusern schon abmontiert worden, damit die Handwerker die Baugerüste aufstellen konnten. Mit dem Feinstaub, der sich auf den Trittbrettern vor seinen Fenstern aktuell ablagert, kann Dietmar Gehrke noch leben. Den Hammer, der die Fliesen in seinem Badezimmer herauskloppen wird, fürchtet der 70-Jährige allerdings sehr aufgrund seiner geschädigten Lunge.

Jörg Hammerschmidt, bei der Baugesellschaft zuständig für Modernisierung, muss in diesen Tagen viele Individuallösungen finden in der Mozartstraße. Mieter von Badezimmern, die aktuell wegen der Sanierung nicht nutzbar sind, weichen zum Duschen und für den Toilettengang in leerstehende Nachbarwohnungen aus. Die Sanierung erfolgt Raum für Raum, so dass nicht parallel in jedem Zimmer die Möbel verrückt werden müssen. „Angenehm ist das für Mieter nicht, aber wir haben einen Zeitplan aufgestellt, der genau festlegt, wann die Handwerker in welchem Raum arbeiten und inwiefern die Wände dafür zugänglich sein müssen“, erklärt Baugesellschafts-Vorstand Joachim Effertz. In dieser Planung liegt auch die Lösung für Mieter wie Dietmar Gehrke: Während Arbeiten mit hoher Schmutzbelastung anfallen, können Staubwände eingesetzt werden, die den übrigen Wohnraum vor hohem Staubaufkommen schützen.

Das ist eine Lösung, mit der sich die Gehrkes anfreunden können. In diesen Tagen verabschieden sie sich von ihren blauen Badezimmerfliesen, der Wanne und der Feuchtraumdecke, die sie sich einst einbauen ließen, als sie die Wohnung vor 37 Jahren bezogen. Jedes Bad wird individuell und optisch auch nach den Wünschen der Mieter neugestaltet. Auch das war ein Punkt, der den Gehrkes zu schaffen machte: „Wir haben dafür ja mal viel Geld gezahlt.“

Mit dem Einbau der neuen Türen fürchteten Gehrkes, dass nach Abschluss der Arbeiten eine komplette Renovierung der Räume nötig sein würde. Manche Türrahmen sind schmaler und schließen nicht mehr mit den Tapetenkanten ab. „Da haben die Mieter die Wahl: Sie können diese Lücken mit einer Borde überdecken lassen. Oder sie nutzen die Gelegenheit, dass die Möbel gerade abgerückt sind, zum Renovieren und sorgen so selbst für einen einheitlichen Abschluss“, erklärt Joachim Effertz.

Monika Gehrke hat sich für letzteren Punkt entschieden und will Weihnachten nicht nur in energetisch sanierten, sondern auch in frisch renovierten Räumen feiern. Dass sie diesen Zeitplan einhalten kann, hat Jörg Hammerschmidt ihr versprochen. Er will nun feste Sprechstunden in den leerstehenden Wohnungen der Mozartstraße 22 bis 26 einrichten, damit die Mieter sich mit individuellen Fragen an ihn wenden können.

Für jedes Haus ist zudem ein Mietersprecher gewählt, der allgemeine Anfragen sammeln und an die Baugesellschaft weiterleiten kann. Dietmar Gehrke macht diesen Job. Er hat sich aufgrund seiner besonderen Situation einmal mehr informiert. „Auch, wenn das nervenaufreibend ist. Aber ich bin jetzt beruhigt“, sagt er. - Ina Hornemann

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