Reformprozess wird die Kirchen verändern

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Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier erläuerte den Weg der evangelischen Kirche.

ALTENA - Zu einem Austausch über die Reformprozesse in ihren Kirchen hatten Dr. Dietmar Kehlbreier und Stefan Kemper am Donnerstagabend in den Gemeindesaal von St. Matthäus eingeladen.

„Kirche“ wird älter, kleiner und ärmer – das gilt für die evangelische und auch die katholische Kirche. Zunächst erläuterten die beiden Referenten, welche Reformbewegungen in der Evangelischen Kirche Westfalens und im Bistum Essen inzwischen angestoßen wurden.

Kehlbreier erklärte die „12 Leuchtfeuer“, mit denen die evangelische Kirche dem demografischen Wandel, dem Rückgang an Mitgliedern und dem damit einher gehenden Schwund an Kirchensteuern entgegen wirken will. Es soll deutschlandweit eine „evangelische Skyline“ etabliert werden, gefordert sei „geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität und Beweglichkeit in den Strukturen“.

„Nach der Reform ist vor dem Dialog“ beschrieb Stefan Kemper den Prozess in der katholischen Kirche. Die durch Bischof Felix Glenn vorangetriebenen Reformprozesse, die sich auf ähnliche Themen beziehen wie bei den evangelischen Glaubensbrüdern, seien zeitlich komprimiert, inzwischen sei man bereits in der Umsetzungsphase angekommen.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Parallelen zwischen den beiden Kirchen aufgezeigt: Sakramente als Dienstleistung werden gerne angenommen, der Kirchenbesuch an sich lässt aber nach. „Viele haben innerlich gekündigt“, erklärte Kemper“, „das Vertrauen in die katholische Kirche ist stark gesunken“.

Peter Krey, Presbyter der evangelischen Gemeinde bestätigte: „Wir erreichen nur drei bis fünf Prozent der Gemeinde über den Kirchenbesuch, zehn Prozent jedoch außerhalb des Gottesdienstes.“ Da müsse Kirche sich profilieren, die „Jugendkirche auf Zeit“ der evangelischen Gemeinde und dazu die Präsenz des Krankenhauses auf katholischer Seite seien dabei Schritte in die richtige Richtung.

Ulrich Slatosch, Notfallseelsorger in der katholischen Gemeinde, forderte in einem abschließenden Statement: „Wir müssen uns von dem Gedanken frei machen, dass Gemeinde nur lebendig ist, wenn der Tempel sonntags voll ist. Wir sind in einem Trauerprozess wegen geschlossener Kirchen, zusammen gelegter Gemeinden, weggekürzter Pfarrstellen. Doch jammern nützt nichts, wir sollen eine Frohe Botschaft verkünden. Jeder sollte den Geist in sich wirken lassen und sich nach seinen individuellen Möglichkeiten einsetzen. Wir sind Kirche und wir können was bewegen!“

von Silvia Sauser

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