Realschul-Sturm: „Wir feiern nicht, wir eskalieren“

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Abschluss an der Richard-Schirrmann-Realschule: 43 Junge Leute feierten ausgelassen.

ALTENA - Wichtige Durchsage: Der Schulsturm fällt heute aus organisatorischen Gründen aus. Wichtig Durchsage...“ – Gleich zwei Mal schockierte diese Information die Schulgemeinde der Richard-Schirrmann-Realschule am Donnerstag gegen 12.05 Uhr. Doch, Achtung, das ganze war ein Gag – der traditionelle Schulsturm der abgehenden Zehnerschüler fand doch statt.

„Unsere Abschlussschüler wollten die jüngeren Jahrgänge, für die so ein Event immer etwas Besonderes ist, etwas ärgern“, schmunzelte Anja Schauwe, die gemeinsam mit Gerald Scholz die 10 a und 10 b als Klassenlehrer betreute. „Ganz, ganz liebe Schüler waren das“, sagte Schauwe und blickte etwas ratlos auf den sich mit lautem Getöse anbahnenden Schulsturm. Denn: Nach ihrer Einschätzung sei diese Sache „etwas sehr unorganisiert.“ Doch die 43 jungen Leute, die überwiegend in die Partnerbetriebe VDM ThyssenKrupp, Mark E und Fr. und H. Lüling in feste Ausbildungsverhältnisse wechseln, hatten sich dann doch noch etwas für das Lehrergespann und Kollegium ausgedacht.

In einer munteren Quiz-Runde galt es vor den Augen der ganzen Schulgemeinde so weltwichtige Fragen zu beantworten wie: „Wie lange sind Björn und Vicky ein Paar?“ oder „Welche Schuhgröße hat unser Schulleiter Heribert Hertel?“ Bei richtigem Raten oder Wissen gab es ein schier ohrenbetäubendes Konzert aus Pfiffen, Rufen und kräftigen Stößen in bunte Tröten, die sicherlich auch auf jeder Public-Viewing-Veranstaltung einiges her machen.

Scholz und Schauwe erzählten beiläufig, dass einige der Abschluss-Schülerinnen und Schüler auch das Abitur anstreben. „Wir haben sie an die Gesamtschule, das Burggymnasium und das Berufskolleg überwiesen“, sagten sie.

Das Leistungsniveau, so unterstrich auch noch einmal Schulleiter Heribert Hertel, sei gut gewesen. Mit Recht ist er und sein Kollegium stolz darauf, dass an der Netter Straße „praktisch jeder Schüler einen Abschluss erzielte, der für sein weiteres, persönliches Weiterkommen Sinn macht und Grund legt.“

Motto-T-Shirts zeigten an, unter welches Thema die „etwas unorganisierten, aber liebenswerten Mädchen und Jungen“ ihren Abschluss-Auftritt gestellt hatten: Jeder, etwa zahlreiche Eltern, Großeltern oder Geschwister, die den Schulhof säumten, konnte da auf Rücken und Brust der RSS-Schüler lesen: „Wir feiern nicht, wir eskalieren.“

Böse Anmerkung eines Pädagogen, der aber nicht genannt werden wollte: „Fragen Sie doch mal, was eskalieren in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet.“

Heute erhalten die 43 jungen Leute ihre Abschlusszeugnisse. Dann ist auch die Stunde der Schulmitwirkungsorgane, der Elternschaft und natürlich der Schulleitung. Es hat Tradition an der Richard-Schirrmann-Realschule, den Kindern noch einige Lebensweisheiten mit auf den weiteren Weg zu geben. Eine Abschlussschülerin meinte: „Es hat mir hier an der RSS immer Freude gemacht, zu lernen. Die Lehrer waren nett, das Klima stimmte und ich habe viel gelernt.“ Ein Kompliment, das sowohl Heribert Hertel als auch seine Kollegen sicherlich mit Freude hören.

von Johannes Bonnekoh

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