Realschüler erlernen in Projektwoche das Angeln

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Idyllisches Plätzchen für ein ungewöhnliches Schulprojekt: An einem Forellenteich in Heidermühle setzen sich Realschüler in dieser Woche mit dem Angelsport auseinander.

Altena - Jedes Jahr das alte Spiel: Vor den Ferien ist Projektwoche – meistens mit immer dem gleichen Programm. An der Realschule sorgen jetzt die Neuntklässler Max Müller und Mika Adolph für frischen Wind. Sie sind die Initiatoren eines Angelprojektes.

Von Thomas Bender

Beide sind begeisterte Sportangler und bei Früh auf Altena beziehungsweise Forelle Evingsen engagiert. „Wir wollten unseren Mitschülern zeigen, dass Angeln eben nicht langweilig ist“, begründeten sie gestern ihr Engagement. Bei ihrem Klassenlehrer Dieter Langenbach liefen sie mit ihrem Vorschlag offene Türen ein – er angelt gelegentlich selbst, hat aber längst nicht das Fachwissen seiner Schüler.

Mit vollem Elan knieten sich Max und Mika in die Vorbereitungen. Die Ausrüstungen waren da noch das geringste Problem: Angeln, Köder und Zubehör für die 16 Teilnehmer stellten sie aus ihrem eigenen Fundus zur Verfügung. Blieb die Frage nach dem passenden Ort: Dass es ein Angelteich sein sollte, stand schnell fest – Andreas Block, der Pächter des Forellenhof Heidermühler am oberen Ende des Stephanopeler Tals, ließ sich von dem Projekt begeistern und öffnet seine sonst nur am Wochenende zugängliche Anlage für die Schüler. Dafür hat sich Ehefrau Elke eigens Urlaub nehmen müssen.

Und warum nicht die Lenne? Es sei wahrscheinlich nicht besonders motivierend, wenn die Schüler stundenlang am Fluss säßen, ohne etwas zu fangen, argumentiert Lehrer Langenbach. Am Fischteich ist der Erfolg fast garantiert: Elf Kilo pro Tag setzen die Pächter für die Schüler ein, schon nach einer guten Stunde zappelten gestern die ersten Regenbogenforellen am Haken.

Bevor es losgehen konnte, gab es zunächst ein bisschen Theorie: Max und Mika zeigten ihren Mitschülern, wie der Haken an die Schnur kommt und wie Würmer und andere Köder befestigt werden. Auch das waidgerechte Töten der Fische gehörte zur ersten Unterrichtseinheit – mögliche Bedenken zerstreuten die beiden Schüler mit dem Hinweis darauf, dass das für die Tiere stressfreier sei als die Schlachtung beim industriellen Fischfang. Außerdem müsse jeder, der Fleisch oder Fisch essen wolle, sich mit diesem Thema auseinandersetzen, argumentiert Mika.

Eine andere gewöhnungsbedürftige Arbeit übernehmen die beiden Hobbyangler für ihre Mitschüler: Sie nehmen die gefangenen Fische für sie aus – das ist am Teich ohnehin nicht erlaubt, sondern muss zuhause erfolgen. Am Ende wird geteilt, jeder bekommt unabhängig von seinem Anglerglück die gleiche Menge Fisch.

„Für die Schüler ist das hier auch ein tolles Gemeinschaftserlebnis“, sagte Langenbach gestern auf der idyllisch gelegenen Anlage. Obwohl das Angebot allen Schülern der oberen Klassen offen stand, beteiligen sich fast ausschließlich solche aus der Klasse, deren Klassenlehrer er seit fünf Jahren ist. Dabei schwingt auf beiden Seiten auch ein bißchen Wehmut mit: Weil die Realschule ausläuft und deswegen immer weniger Lehrer braucht, ist das Projekt Langenbachs letzte Amtshandlung. Er muss nach den Ferien an eine Hagener Schule wechseln.

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