Meinungen in Dortmund gehen weit auseinander

So reagiert Dortmund auf OB-Kandidat Hollstein (CDU) aus Altena

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Von der Burgstadt nach Dortmund will Dr. Andreas Hollstein als (Ober-)Bürgermeister wechseln.

Die einen wollen einen OB mit Dortmunder Wurzeln und trauen Hollstein das Amt nicht zu, die anderen halten ihn für den Richtigen: In Dortmund gehen die Meinungen zum neuen OB-Kandidaten der CDU weit auseinander.

  • Andreas Hollstein aus Altena wird Bürgermeister-Kandidat in Dortmund
  • Er tritt bei der Kommunalwahl 2020 für die CDU  an
  • Die Reaktionen auf Hollstein gehen in Dortmund weit auseinander.

Altena/Dortmund - Er sei der Bessere für Dortmund. Das sagte Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein am Wochenende den Ruhrnachrichten. Ob das auch die Dortmunder Wähler so sehen, das weiß man frühestens am 13. September 2020. Dann ist Kommunalwahl, Hollstein tritt als Oberbürgermeisterkandidat der Dortmunder CDU an.

Die Dortmunder Öffentlichkeit hat das bisher weitgehend unkommentiert gelassen. Es gibt kaum Diskussionen in den sozialen Medien, Online-Berichte über seine Nominierung werden nur spärlich kommentiert und auch Leserbriefe gibt es zur Hollstein-Kandidatur in der 600.000-Einwohner-Stadt so gut wie gar nicht. 

Und die Dortmunder Politik? Die SPD versucht, das Thema totzuschweigen. Geschäftsstelle, die Vorsitzende Nadja Lüders, Hollsteins potenzieller Gegenkandidat Thomas Westphal: Keiner reagierte auf Anfragen der Redaktion. 

FDP: "Dortmund braucht Großstadt-Bürgermeister"

Gesprächiger ist die FDP: Deren stellvertretender Vorsitzender Philip Schmidtke-Mönkediek äußerte sich unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Hollstein-Kandidatur: Dortmund brauche einen Großstadt-Bürgermeister, betonte er: „Wir brauchen eine Persönlichkeit, die ihre Wurzeln in Dortmund hat und gleichzeitig für die Modernisierung einer großen Stadt steht.“ Die FDP denkt jetzt darüber nach, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. 

Grüne unterstützen CDU-Kandidaten nicht

Das werden auch die Grünen tun. „Wir werden ein gutes, eigenes Angebot machen – personell und inhaltlich“, sagte deren Sprecher Julian Jansen im Gespräch mit der Redaktion. Er bestätigte auch, dass es bezüglich der Kommunalwahl bereits im Sommer Gespräche zwischen den Dortmunder Kreisverbänden von CDU und Grünen gegeben habe. 

Auf gar keinen Fall komme es für die Großstadt-Grünen in Frage, einen Kandidaten mit einem CDU-Parteibuch zu unterstützen, stellte Jansen klar. Der enge Schulterschluss, den es in Altena zwischen CDU und Grünen gibt, wird von den Dortmunder Medien immer wieder betont. Für die strategischen Überlegungen der Dortmunder Grünen spiele die Hollstein-Kandidatur allerdings „keine besonders große Rolle“, sagte Jansen. Abzuwarten bleibe, „was eigentlich Andreas Hollsteins Idee für Dortmund ist“. 

Stichwahl entscheidender Faktor

Dass die Grünen durchaus Gewicht haben in der BVB-Metropole, das zeigt ein Blick auf die Europawahl im Mai 2019. Aus der gingen die Dortmunder Grünen als stärkste Partei hervor, sie holten 25 Prozent der Stimmen – anschließend suchte sogar Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) das Gespräch mit Vertretern der Dortmunder Grünen. Die SPD kam im Mai auf 23 Prozent, die CDU blieb unter 20 Prozent. 

Bei der letzten Kommunalwahl wählten die Dortmunder den Amtsinhaber Ulrich Sierau (SPD) wieder, allerdings nur knapp. Er konnte sich erst in der Stichwahl mit 51,6 Prozent gegen die CDU-Kandidatin Annette Littmann durchsetzen. 

Das könnte nächstes Jahr anders sein: Für die Wahl 2020 gilt im Moment noch, dass es keine Stichwahl geben wird, sondern derjenige Bürgermeister wird, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen hat. 

Eine interessante Reaktion kommt von den Ruhrbaronen. Das ist ein Blog, in dem Journalisten im Internet über Ruhrgebietsthemen schreiben. Über die Hollstein-Nominierung äußert sich dort Michael Westerhoff, freiberuflicher Journalist und Journalistik-Dozent bei verschiedenen Hochschulen. 

Er habe an einen Scherz geglaubt, als die Nachricht von der Kandidatur die Runde gemacht habe, schreibt er. Grundsätzlich spreche ja nichts dagegen, einen Kandidaten von außen zu holen – „wenn es ein erfahrener Mensch ist. Ein Ex-Minister, ein Regierungspräsident, ein Staatssekretär. Aber der Bürgermeister von Altena?“ Das sei etwa so, „als wenn man einen Handyverkäufer vom Westenhellweg zum Telekom-Vorstandsvorsitzenden befördert“. 

"Bankrott-Erklärung für CDU"

Westerhoff räumt ein, dass Hollstein sicher ein interessanter Querdenker sei. Taktisch sei seine Nominierung aber ein Fehler: „Wer in Dortmund konservativ und wirtschaftsfreundlich wählen will, macht sein Kreuzchen bei der SPD. Und wer liberale Positionen bevorzugt, eben bei den Grünen. Aber wer soll Hollstein wählen?“ Insgesamt sei dessen Nominierung eine Bankrotterklärung für die Dortmunder CDU, urteilt Westerhoff. 

„Offen und aufrichtig“ gehe Hollstein auf Menschen zu, er tauge „nicht für eingetretene Pfade des Links-Rechts-Denken“. Das schreibt der 66-jährige Hagener Klaus Maliga im Nordstadtblog. Maliga war lange Jahre als Journalist in Altena tätig.

 Er leitete die 2013 geschlossene Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau und beobachtet die Altenaer Kommunalpolitik seither aus der Ferne. Hollstein sei es gelungen, auch unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen und die Stadt durch innovative Ideen wie den Bau des Burgaufzugs voranzubringen. 

Bezuschussung: Kritik in Richtung Dortmund 

Es ist noch nicht allzu lange her, da schaute Hollstein zusammen mit den anderen Bürgermeistern äußerst kritisch in Richtung Dortmund: Die Stadt musste als Beleg für eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raums herhalten, weil die Pro-Kopf-Bezuschussung durch das Land 2014 in Dortmund mehr als das Dreifache dessen betrug, was für die Bürger im Märkischen Kreis aufgewendet wurde.

Hollstein kritisierte das immer wieder, zum Beispiel beim Neujahrsempfang 2013: „Einem Landesvater oder einer Landesmutter müssen alle Bürger gleich viel wert sein

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