"Gesetz ist eine große Dummheit!"

Rauchverbot in Kneipen: Seit 10 Jahren ist das Gesetz nun schon Alltag

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Das Rauchverbot ist für Lazarus Oustabasidis (r.), der die Bierstube „Taverne“ an der Lennestraße betreib, eine große Dummheit.

Altena - Es hat sich ausgequalmt in der Burgstadt, zumindest in der Gastronomie. Vor zehn Jahren, im Juli 2008, trat das Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen in Kraft. Zumindest teilweise. Die Altenaer Wirte erinnern sich gut daran, dass es zunächst Ausnahmeregelungen gab und die Möglichkeit, Raucherräume einzurichten – davon wurde auch Gebrauch gemacht.

Dann trat 2013 das absolute Rauchverbot in Kraft, es war vorbei mit den Ausnahmen. Und heute? Wie beurteilen Altenaer Gastronomen, aber auch ihre Gäste und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die aktuelle Lage? Das Bild ist nicht ganz einheitlich. Das Gesetz sei nach einiger Zeit der Unzufriedenheit „angekommen“ heißt es, aber es ist auch von einer „großen Dummheit“ die Rede. Lazarus Oustabasidis, der die Bierstube „Taverne“ an der Lennestraße betreibt, ist dieser Meinung. 57 Jahre lang war er selbst Raucher, jetzt lebt er seit drei Jahren ohne Glimmstängel. Im Sommer könne man dank mittlerweile vergrößertem Außenbereich den Gästen eine Alternative anbieten – aber im Winter?

Und im Winter?

„Soll ich dann eine Oma zum Rauchen nach draußen schicken?“, fragt Oustabasidis und schüttelt mit dem Kopf. Er habe grundsätzlich nichts gegen ein Rauchverbot, betont der geborene Grieche. Aber, was er nicht verstehen kann: „Warum ist das nicht in allen Ländern Deutschlands einheitlich?“ Und klar sei auch: „Das ist schlecht für das Geschäft!“ Viele Gäste liebten eben zum kühlen Pils auch eine Zigarette. Und der Taverne-Wirt Oustabasidis hat auch Stammkunden, die auf den ersten Blick aus dem Rahmen fallen mögen: Jochen Keitsch zum Beispiel. Mittlerweile Rentner, hat er sein Leben lang nicht geraucht. „Aber es hat mich nie gestört, wenn andere um mich herum geraucht haben“, sagt Keitsch. „Warum denn auch?“ Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hagen und zuständig für die Betriebe im Märkischen Kreis, verfolgt das Thema seit den Anfängen der Raucher- /Nichtraucher-Diskussion. „Die Betriebe sagen nicht mehr viel.

Gianpaolo Alemanno, Eiscafé Cappuccino, ist mit seiner Ehefrau auch nícht glücklich über das Rauchverbot

Das Thema ist angekommen“, meint Martin. Der Dehoga-Sprecher macht aber darauf aufmerksam, dass hinsichtlich der Folgen der aktuellen Gesetzgebung auf die Größe der Gaststätten geachtet werden muss. „Die Restaurants sind eher froh, die größeren Betriebe oft sogar zufrieden.“ Bei den klassischen Kneipen sehe das aber anders aus. Der von der Politik seinerzeit versprochene „Ansturm der Nichtraucher“ sei nämlich auf jeden Fall ausgeblieben. „Für manche“, sagt Martin, „war das Nichtraucherschutzgesetz der Sargnagel.“ Der Dehoga-Sprecher hat auch ein einleuchtendes Beispiel parat: „Wenn ein Gast davor vier Bier getrunken hat, aber jetzt nur noch drei trinkt, weil er draußen eine Zigarettenpause machen muss, dann haben wir beim Umsatz ein Minus von 25 Prozent.“

Politik sorgte für Problem

Martin ist sich sicher: „Das ist ein von der Politik gemachtes Problem.“ Café Ko-Wirt Dimitrios Apostolidis und seine Frau Evangelia, mit ihrem Geschäft am Markaner zuhause, sehen das für ihre individuelle Situation anders: „Die Leute haben das akzeptiert, es fragt keiner mehr“, sagt Dimitrios Apostolidis zum Nichtraucher-Schutzgesetz. Ja, er hatte Probleme erwartet, aber die hätten sich letztlich nicht eingestellt. Zu denen, die noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes noch einmal in die Tasche gegriffen hatten, gehört Gianpaolo Alemanno, Inhaber des Eiscafés Cappuccino an der Mittleren Brücke.

Fehl-Investition

Er errichtete damals einen abgetrennten Raucherraum – weil für viele zum Cappuccino auch eine Zigarette gehört. „Anfangs“, sagt Alemanno, „haben sich die Raucher benachteiligt gefühlt.“ Auch der Eiscafé-Inhaber kritisiert, dass die Gesetze zum Rauchen so unterschiedlich ausfallen. Nur in Nordrhein-Westfalen, in Bayern und im Saarland gibt es das „absolute“ Rauchverbot.

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