Das Opfer leidet seit der Tat

ALTENA ▪ Opfer eines Raubüberfalls zu werden, kann die Seele krank machen. Dies wurde selten so deutlich wie am Freitag im Landgericht Hagen bei der Fortsetzung des Prozesses gegen einen 19-jährigen Räuber und seinen mutmaßlichen 21-jährigen Komplizen.

Eine junge Mitarbeiterin der Bäckerei Beul brach in Tränen aus und brauchte einen zweiten Anlauf, um ihre Aussage zu machen. Zwischenzeitlich hatte ihre Kollegin bereits den Ablauf des Überfalls am 27. Juni geschildert, sodass die junge Frau ihre schmerzhaften Erinnerungen nicht mehr in Worte fassen musste.

Richter Marcus Teich befragte die Zeugin lediglich zu den Folgen der Tat für ihr persönliches Leben: „Ich habe Angst. Ich komme da nicht alleine raus“, erklärte die junge Frau, die wegen des Überfalls inzwischen in einem anderen Geschäft als Verkäuferin tätig ist. Ihre Kollegin schilderte den Überfall: „Er hielt eine Waffe in der Hand und zog zwei-drei Mal durch – als ob er laden würde.“ Die 47-Jährige zeigte ein robusteres Naturell im Umgang mit der Bedrohung: „Für mich muss alles weitergehen.“

Nach dem Überfall des Maskierten lief die Bäckereigehilfin auf die Straße und beobachtete, wie der Räuber in Richtung Tiergarten verschwand. Ob er dort das Fahrzeug seines mutmaßlichen Mittäters bestieg, konnte die Zeugin nicht beobachten. Allerdings gab es am Freitag mehrere Zeugenaussagen, die den 21-Jährigen belasteten. „Beide haben mich gefragt, ob ich bei den Überfällen mitmachen wollte“, erinnerte sich ein Zeuge aus dem Umfeld der Angeklagten.

Der junge Mann erzählte auch, wie der 21-Jährige ihm eine Pistole im Kofferraum seines Autos gezeigt habe und dass die beiden Angeklagten noch vor der Berichterstattung vom Überfall auf die Bäckerei Beul wussten. Halb scherzhaft, halb ernst sei ein Vorschlag für den Überfall auf ein Wettbüro gemacht worden, berichtete ein weiterer Zeuge. ▪ thk

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