Aus der U-Haft entlassen

Raubprozess: Zwei Beschuldigte wieder frei

+
Zwei der vier Angeklagten konnten am Freitag auf freien Fuß gesetzt werden.

Neuenrade - Es hatte sich bereits abgezeichnet: Zwei der vier Angeklagten wurden am Freitag auf freien Fuß gesetzt, nehmen aber weiterhin am Prozess teil. Die Kammer sah keine ausreichenden Gründe mehr, um den 23-Jährigen aus Schwerte und die 26-Jährige aus Krefeld weiter in Untersuchungshaft zu lassen.

Ein zuvor ergangener rechtlicher Hinweis hatte bereits angedeutet, dass die Kammer nunmehr nur noch davon ausgeht, dass die junge Frau Beihilfe zu einem Einbruchdiebstahl geleistet hat. 

Ihr nachzuweisen, dass sie darüber hinaus von den Plänen eines räuberischen Überfalls gewusst hat, dürfte kaum möglich sein. Die für den Vorwurf der Beihilfe zu erwartende Strafe rechtfertigte auch aus Sicht von Staatsanwalt Nils Warmbold keine weitere Untersuchungshaft. 

Verteidigung begrüßt Entscheidung

Die junge Frau hatte die Täter nach Neuenrade gefahren, da diese keine Führerscheine haben. Wie viel sie gewusst hat oder gewusst haben muss – diese Fragen muss die Kammer noch beantworten. 

„Die Verteidigung begrüßt die Entscheidung“, kommentierte die Rechtsanwältin der 26-Jährigen das Ende der Untersuchungshaft ihrer Mandantin. „Keine Bedenken“ gegen die Freilassung ihres Mandanten hatten auch die beiden Anwälte des 23-Jährigen aus Schwerte, der bei der Festnahme am Friedhof in Neuenrade nicht dabei war. 

Handydaten und seine Freundschaft zu einem jungen Straftäter aus Neuenrade hatten ihn offenbar ins Zielkreuz der Fahnder gebracht. Nun ist für ihn sogar ein Freispruch denkbar. 

Der junge Neuenrader, den die Kammer gerne noch als Zeugen vernehmen würde, kam gestern schon zum zweiten Mal nicht ins Landgericht. Nun soll er am Mittwoch mithilfe der Polizei eine dritte Chance bekommen. 

Textnachrichten vom Tatort

Schwer wiegt nach der teilweisen Entlastung der zweiten Reihe der Vorwurf gegen jene beiden Angeklagten, die standesgemäß in der ersten Reihe sitzen und aus der Nummer nicht rauskommen werden. 

Zu überzeugend war die Situation zum Zeitpunkt ihrer vorläufigen Festnahme, als sie noch den Schmuck der beraubten alten Dame bei sich hatten. Einer von ihnen hatte aus der Villa offenbar noch begeisterte Textnachrichten verschickt, wie toll es dort sei. Vor dieser Beweislage hatten beide Angeklagte schon zum Auftakt kapituliert und ein weitgehendes Geständnis abgelegt. 

Nach den psychiatrischen Gutachten am Mittwoch sollen – nach derzeitigem Stand – am Donnerstag die Plädoyers und das Urteil folgen. Verhandelt wird jeweils ab 9 Uhr im Landgericht Hagen.

Der Fall

Vier Angeklagte müssen sich im Landgericht Hagen wegen gemeinschaftlichen Menschenraubes und räuberischer Erpressung verantworten. Sie sollen in verschiedenen Rollen am Überfall auf eine 95-jährige Bewohnerin und deren 57-jährige Betreuerin in einer Villa in Neuenrade am 18. Juni 2016 beteiligt gewesen sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare