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Levolds Chronik der Grafen von der Mark: Rarität in Bibliothek im Kreisarchiv

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Die deutsche Übersetzung der Grafenchronik aus dem Jahr 1955 und der voluminöse Sammelband.
Die deutsche Übersetzung der Grafenchronik aus dem Jahr 1955 und der voluminöse Sammelband. © Privat

Die Landeskundliche Bibliothek des Märkischen Kreises verfügte bisher nur über eine Kopie der märkischen Grafenchronik Levold von Northofs (1279-1359). Nun gelang es dem Team um Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski, ein seltenes Exemplar der Erstauflage zu erwerben.

Altena – Mit 51 Seiten ist die Chronik eher unscheinbar und leicht zu übersehen: Der mittelalterliche Bericht über die Entstehung der Grafschaft Mark ist eingebunden in ein umfangreiches dreibändiges Sammelwerk verschiedener Autoren mit Schriften über die deutsche Geschichte von Karl dem Großen (um 748-814) bis Kaiser Friedrich III. (1415-1493).

Aber ein hiesiger Antiquar ließ sich von dem lateinischen Text nicht abschrecken und sah das mehrere Kilogramm schwere und in Pergament gebundene Buch komplett durch. Als er die Levold-Chronik entdeckte, wusste er, dass die Landeskundliche Bibliothek in Altena die richtige Ansprechpartnerin für den Folianten ist.

In Westfalen ist die Landeskundliche Bibliothek damit die einzige Einrichtung, die ein Exemplar der seltenen Erstausgabe von 1613 aufweisen kann. Weitere Ausgaben des Buches in Nordrhein-Westfalen liegen in Köln und Detmold.

Das Titelblatt der Chronica comitum de Marca et Altena (Chronik der Grafen von der Mark und Altena) aus dem Jahr 1613.
Das Titelblatt der Chronica comitum de Marca et Altena (Chronik der Grafen von der Mark und Altena) aus dem Jahr 1613. © Bookmeyer/Märkischer Kreis

Levold von Northof stammt aus einem nahe Hamm-Pelkum in der nördlichen Grafschaft Mark ansässigen Rittergeschlecht. Sein Vater war ein Dienstmann der Grafen von der Mark. Er selbst verbrachte den Großteil seines Lebens in Lüttich, wo sein Gönner Graf Adolf von der Mark, seit 1313 dortiger Bischof, ihn zum Domherrn machte. Nach dem mutmaßlich frühen Tod seiner Eltern wuchs Levold bei seinem Verwandten, Drost Rutger von Altena, auf. Die Jahre auf der Burg Altena behielt er in liebevoller Erinnerung, denn keine andere Burg der Grafen erwähnt er in seiner Chronik so häufig wie die Befestigung an der Lenne.

Dort wird er auch Mitgliedern der Grafenfamilie begegnet sein, die vorübergehend auf der Burg weilten und Gefallen an dem jungen Mann fanden. Jedenfalls begleitete er Graf Engelbert II. 1326 an den päpstlichen Hof nach Avignon. Dessen Nachfolger Adolf II. (1328-1346), bestellte Levold sogar zum Lehrer seines Erstgeborenen Engelbert III. (geb. 1334). Dieser betraute Levold wiederum zum Erzieher seiner drei jüngeren Brüder, sodass Levold in mehr als vier Jahrzehnten fünf mächtige weltliche und geistliche Märker unterrichtete.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 1359 vollendete er seine Chronik der Grafen von der Mark, in der er in Form von Jahresrückblicken die Geschichte der Grafschaft Mark beschreibt. Damit leistete Levold einen wichtigen Beitrag zur mittelalterlichen Geschichtsschreibung Westfalens. Darüber hinaus stellt er seiner Chronik einen Fürstenspiegel voran, mit welchem er den künftigen Territorialherren Ratschläge zur Verwaltung der Grafschaft und Verhaltensregeln an die Hand gibt – und es heutigen Lesern ermöglicht, Einblicke in das damalige Verständnis von Herrschaft und das Leben an einem westfälischen Hof im Mittelalter zu gewinnen.

Die Landeskundliche Bibliothek ist im Kreisarchivneubau an der Bismarckstraße.
Die Landeskundliche Bibliothek ist im Kreishausneubau an der Bismarckstraße. © Privat

Obwohl Levold verfügte, dass seine Chronik dauerhaft auf der Burg Altena verwahrt werden solle, hat sein Werk die Jahrhunderte in Altena nicht überdauert. Umso schöner, dass der 1555 in Lemgo geborene Gelehrte Heinrich Meibom unbekannte oder verloren geglaubte Geschichtsquellen aufspürte und neu veröffentlichte. Dabei nutzte er die noch junge Technik des Buchdrucks und sorgte so dafür, dass die alten Schriften eine weit größere Verbreitung fanden als zu Lebzeiten ihrer Autoren. Von dieser 1613 in Hannover gedruckten Erstausgabe befindet sich nun ein Exemplar im Bestand der Landeskundlichen Bibliothek.

Interessierte Nutzer können die Chronik im Lesesaal des Kreisarchivs einsehen und einen Blick in die mittelalterliche Welt der Grafen von der Mark werfen. „Dabei muss sich niemand von der Sprache abschrecken lassen: Levold hat seine Chronik zwar in Latein geschrieben, eine deutsche Übersetzung besitzt die Landeskundliche Bibliothek in Altena aber auch“, sagt Kreisarchivarin Todrowski. Diese hatte der Altenaer Gymnasiallehrer Hermann Flebbe 1955 veröffentlicht. Neben dem übersetzten Text finden sich hier auch Erläuterungen zu Levolds Werk und Leben und damit Informationen, um das Bild des mittelalterlichen Chronisten der märkischen Region abzurunden.

Informationen

Weitere Informationen finden Interessierte online auf der Homepage des Märkischen Kreises. Für den Besuch des Kreisarchivs und der Landeskundliche Bibliothek, Bismarckstraße 21 in Altena, wird um telefonische Voranmeldung unter der Rufnummer 0 23 52 / 9 66 70 53 gebeten.

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