Ramadan hat begonnen

In Altenas Moschee wird gebetet

Moschee Altena
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Selahattin Ünal zeigt den Gebetsraum der Männer.

Altena – Mit Sonnenuntergang hat am Dienstagabend für die Muslime der Fastenmonat Ramadan begonnen. Anders als im vergangenen Jahr dürfen Gläubige die Moscheen mit Maske und eigenem Gebetsteppich besuchen. Doch nicht alle Gemeinden nehmen das Recht auf Religionsausübung in der Moschee nach Sonnenuntergang wahr, sondern verzichten in Zeiten von hohen Inzidenzen vorerst auf gemeinsame Gebete nach 21 Uhr. Aber nicht die in Altena ...

Altena - In der Burgstadt kommen Mitglieder der Ditib-Gemeinde Mevlana Camii während des Ramadan zum Nachtgebet zusammen. Dafür hat in diesen Zeiten nicht jeder Verständnis. Das weiß auch Selahattin Ünal. Er ist der Vorsitzende der Altenaer Ditib-Gemeinde und sagt: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Auch deswegen lädt er ein zu einem Ortsbesuch in der Moschee an der Lüdenscheider Straße. Und wir nehmen diese Einladung an. Mit Interesse, aber auch mit Fragen. Der Reihe nach...

Natürlich existiert ein Hygienekonzept

Selahattin Ünal trägt Maske, als er, nachdem die Schuhe am Eingang der Moschee ausgezogen sind, in das Haus bittet. Es geht zunächst eine Marmortreppe hinauf, am oberen Ende der Treppe stehen Desinfektionsmittel parat. Neben diesen Desinfektionsmitteln liegen Listen aus, in denen sich Besucher der Moschee einzutragen haben. „Das ist Pflicht. Das machen wir jetzt schon 14 Monate so“, sagt Ünal, der vorangeht. Er zeigt einen Waschraum, der allerdings so zugestellt ist, dass man diesen nicht betreten kann. „Der Waschraum ist seit Monaten zu wegen Corona“, betont Ünal, der dann auf die Teestube zusteuert. „Auch die ist geschlossen“, sagt der Vorsitzende. Gemütlich vor oder nach dem Gebet zusammensitzen, Tee trinken und plaudern, es ist nicht möglich in Zeiten der Pandemie. Es geht eine weitere Treppe hinauf zum Gebetsraum der Frauen. Auf dem Teppich sind mit Klebeband mehrere Stellen gekennzeichnet, an denen gebetet werden darf. „Wir halten hier natürlich die Abstandsregel ein“, sagt Ünal. Die Gebetsteppiche müssen mitgebracht und die Maske darf nicht abgesetzt werden.

Händedesinfektion ist Pflicht, Maske natürlich auch.

Es geht die Treppe wieder runter und dann in den Gebetsraum der Männer. Der ist deutlich größer als der für die Frauen, auf dem Teppich sind auch hier etliche Klebebänder angebracht worden. „Wir haben genug Platz, um den Abstand einzuhalten. Und es kommen ja wegen Corona deutlich weniger zum Gebet als sonst. Viel weniger“, betont Ünal. Am Dienstag seien drei Frauen und zehn Männer zum Nachtgebet erschienen. In „normalen Zeiten“ wären es deutlich mehr gewesen, meint Ünal, „aber viele Mitglieder kommen schon seit Monaten nicht mehr in die Moschee, weil sie Angst haben, sich zu infizieren.“ Diese Sorge kann Ünal („Wir nehmen Corona sehr ernst“) sehr gut verstehen. Die Altenaer Ditib-Gemeinde empfiehlt, wie so viele andere Gemeinden auch, allen Mitgliedern der Generation 65plus, zuhause zu beten und nicht in die Moschee zu kommen. Und unter 15-Jährige dürfen wegen Corona nicht zum Gebet in die Moschee. Außerdem, so Ünal, sei das Nachtgebet, das eigentlich länger als eine Stunde dauern würde, zeitlich deutlich gekürzt worden. Je kürzer das Gebet, desto kürzer der Aufenthalt in der Moschee.

Wir verstehen die Kritik.

Selahattin Ünal

Nach diesem Rundgang folgt das eigentliche Gespräch. Angesprochen darauf, dass beispielsweise die benachbarten Muslime in Werdohl und Neuenrade im Ramadan zunächst auf ein gemeinsames Gebet in der Moschee nach Sonnenuntergang freiwillig verzichten, in Altena aber das Nachtgebet möglich ist und es deswegen auch Unverständnis in der Stadt gibt, redet Ünal nicht klein. „Wir verstehen die Kritik“, sagt der 56-Jährige, „aber wir erfüllen hier die Voraussetzungen und machen nichts Verbotenes. Wir verstoßen gegen Nichts.“ Ünal verweist darauf, dass das Nachtgebet als auch der direkte Weg zur Moschee und zurück nach 21 Uhr – Stichwort Ausgangssperre – rechtens und das vom Kreis ja auch so bestätigt worden sei. „Außerdem“, sagt Ünal, habe es eine Abstimmung mit der Stadt Altena, mit der man „gut zusammen“ arbeite, gegeben. Ünal: „So etwas regelt man nicht von heute auf morgen.“ Die personenbezogenen Formulare, die die Gemeinde ihren Mitgliedern aushändigt (wir berichteten), würden weiterhin herausgegeben, obwohl diese „Passierscheine“ im MK auch nach 21 Uhr keine Pflicht sind. Der Ramadan sei ein wichtiger Bestandteil des islamischen Glaubens. Denjenigen, die zum Nachtgebet in die Moschee kommen möchten, wolle man diese Möglichkeit nicht nehmen.

Fastenbrechen im engsten Familienkreis

Auf die Einladung von Freunden und Familien, um gemeinsam das Fasten zu brechen, sollte aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation natürlich verzichtet werden, hatte der Märkische Kreis am Montag mitgeteilt. Für Ünal ist das eine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten und er appelliert an die Muslime, sich an die Schutzverordnung zu halten. Das allabendlichen Fastenbrechen Iftar sollte jeder Muslim „zuhause selber machen“ im kleinsten Familienkreis, betont Ünal. Kontaktbeschränkungen müssten eingehalten werden. Unter anderem darauf weise die Ditib-Gemeinde in Altena ihre Mitglieder in einem „SMS-Service“ hin. „Mit diesem Service halten wir unsere Mitglieder über Neuigkeiten auf dem Laufenden“, sagt Ünal, „wir nehmen Corona ernst. Sehr ernst.“

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