Radler auf dem Abstellgleis: Radwege fehlen in Altena

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Ein kleines Stück freie Fahrt gibt es auf dem Radweg am Stortel, der Teil der Lenneroute ist. Fortsetzung in Richtung Altena folgt – vielleicht irgendwann einmal.

Altena - Radfahrer gibt's immer mehr auf Altenas Straßen, doch an Radwegen hapert es. An machen Punkten lauern Gefahren und Konflikte.

Es werden immer mehr: Unter anderem wegen des – noch unvollständigen – Radwegs Lenneroute und der steigenden Zahl von elektrisch angetriebenen Pedelecs nimmt die Zahl der Fahrradfahrer auf Altenas Straßen spürbar zu. 

Trotzdem wird das Thema Radwege von Politik und Verwaltung wenig bis gar nicht beachtet. Das ist nicht allein der Stadt zuzuschreiben. Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist neben Bundes- und Landesstraßen auch für Radwege zuständig und kommt nicht recht voran mit der Planung der Strecke zwischen Werdohl und Altena an der B 236. Mit im Boot sitzen die Kommunen; alle beißen sich die Zähne aus an der engen Tallage. 

Wobei schon länger klar ist, wie es zwischen Stortel und Innenstadt weitergehen soll: Zunächst soll die Lenne gequert werden, dazu ist eine Brücke erforderlich. Um die will sich die Stadt kümmern. Wann sie kommen wird, steht in den Sternen.

Immerhin: Am Selve-Kreisel, der auch in die Verantwortung von Straßen.NRW fällt, ist an Radfahrer gedacht worden: Sie müssen nicht durch den Kreisverkehr, sondern werden auf eigenen Wegen außen herum geleitet. Dort, wo sie die Einfahrten in den Kreisverkehr queren müssen, haben sie Vorfahrt. Hoffentlich wissen das die Autofahrer. 

Schilder fehlen

Weniger klar als am Kreisel ist die Situation an der Bahnhofsstraße zwischen Aral-Tankstelle und Getränkemarkt: Dort ist der Gehweg zweifarbig gepflastert – eigentlich ein Zeichen dafür, dass er für Fußgänger und Radfahrer gedacht ist. Entsprechende Schilder dafür gibt es aber nicht, außerdem ist der Gehweg zu schmal. 

Ein weiterer Akteur ist das NRW-Verkehrsministerium, das schon vor vielen Jahren begonnen hat, ein landesweites Radverkehrsnetz zu knüpfen. „Ein weiterer bedeutender Schritt zur Förderung des Fahrradverkehrs in NRW“, lobt sich das Ministerium selbst. Das Radverkehrsnetz verbindet demnach alle Kommunen des Landes mit einer einheitlichen Wegweisung für den Radverkehr. 

„Die Zentren der Kommunen sowie die Bahnhöfe werden auf möglichst kurzen und direkten Wegen miteinander verknüpft. Es handelt sich um ein Netz, das primär dem täglichen Bedarf dient, für Fahrten zur Arbeit oder zum Einkauf“, erklärt das Ministerium auf seiner Homepage. Erkennbar sind die dort ausgearbeiteten Routen an weiß-roten Schildern.

Radweg mit satter Steigung

 Ohne jede Rücksprache mit den Kommunen seien sie aufgehängt worden, wunderte sich Stadtplaner Roland Balkenhol, als die Schilder vor Jahren die Verbindung vom Halsknopf zum Gehöft Anschlag als Radroute in Richtung Neuenrade auswiesen. Auf 850 Metern hat diese eine Steigung von 123 Metern – im Schnitt 16 Prozent. 

Von Lüdenscheid nach Altena führt die Radroute zwangsläufig durch die Rahmede – eine für Radfahrer eher ungemütliche Tour. Nicht nachvollziehbar ist, dass sie auch dort auf der viel befahrenen Landstraße bleiben sollen, wo das gar nicht nötig ist. Beispiel Wacholderbrücke: „Geradeaus weiterfahren“ signalisiert das – übrigens arg verblichene – Radrouten-Schild an der Fußgängerampel. 

Viel besser wäre es, Radfahrer würden nach rechts in Richtung Südstraße geleitet. Auf der Parallele zur Rahmedestraße herrscht kaum Verkehr. Apropos Südstraße: Schon im Mai 2017 habe er vorgeschlagen, die Einbahnstraßenregelung für Fahrradfahrer aufzuheben, schrieb Jörg Kempfer Anfang 2019 in einem Leserbrief an das AK.

Lichtblick: Ein eigener Weg führt Radfahrer außen um den Selve-Kreisel.

Außer einer Eingangsbestätigung habe er bis heute keine Reaktion erhalten, berichtet er. Kempfer meint, dass es angesichts des geringen Verkehrsaufkommens durchaus möglich sei, Radfahrer aus Richtung Steinerne Brücke zur Wacholderbrücke fahren zu lassen und ihnen so den Weg über die Rahmedestraße zu ersparen. Das zu regeln, wäre Sache der Stadt.

Radfahrer und Fußgänger auf schmalen Wegen

Ebenso wie die Beschilderung an der Lenneuferstraße. Dort gibt es auf dem Fußweg entlang des Langen Kamps auf einer Länge von knapp 500 Meter einen kombinierten Fuß- und Radweg. Dort hat die Stadt das Verkehrszeichen 240 aufstellen lassen. „Damit sind sowohl Fußgänger als auch Radfahrer verpflichtet, diesen Weg zu benutzen“, erklärt Dietmar Boronowski von der Pressestelle der Polizei. 

Zwischen fünf und 35 Euro kann es kosten, wenn Radfahrer die Schilder ignorieren. Allerdings widerspricht der gemeinsame Fuß- und Radweg neben dem Langen Kamp so ziemlich allen Regeln, die es gibt: „Die Anlage gemeinsamer Geh- und Radwege [durch Zeichen 240] ist in Ortsdurchfahrten aus Gründen der Verkehrssicherheit auf Ausnahmefälle zu beschränken“, heißt es in den Ortsdurchfahrten-Richtlinien des Bundesverkehrsministeriums. 

Wo gerade dort der Ausnahmefall liegen soll, bleibt offen. Eine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung legt fest, dass solche kombinierten Fuß- und Radwege innerorts wenigstens 2,50 Meter breit sein sollen – der in Altena bringt es an seiner schmalsten Stelle gerade mal auf 1,20 Meter. 

Zudem radeln die Zweiradfahrer auch noch unmittelbar an den (oft vielen) Fahrgästen vorbei, die an der MVG-Haltestelle Langer Kamp auf den Bus warten.

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