Bewertung des ADFC

 Radfahren in Altena: Nach Angst geht‘s steil bergab

Ab „Angst“ hat der offizielle Radweg vom Nettenscheid nach Altena ein Gefälle von über 20 Prozent.
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Ab „Angst“ hat der offizielle Radweg vom Nettenscheid nach Altena ein Gefälle von über 20 Prozent.

Wie fahrradfreundlich sind die deutschen Städte und Gemeinden? In Altena muss der Radfahrer schon ein bisschen was können - oder aufrüsten.

Altena – Der Allgemeinde Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat wieder nachgefragt – und im Märkischen Kreis mehr Resonanz erfahren als je zuvor. Sieben Städte kamen in die Wertung, bisher waren es nur vier. Altena war wieder nicht dabei. Der Grund: Gewertet wurde eine Stadt nur dann, wenn wenigstens 50 Bewertungen eingingen. „In Altena hat es leider nur sieben Teilnehmende gegeben“, bedauert Martin Isbruch, Kreisvorsitzender des ADFC. Auch aus Nachrodt haben sich nicht genügend Menschen beteiligt.

Während Lüdenscheid mit einem glatten „mangelhaft“ erneut die „Rote Laterne“ für die bundesweit schlechtesten Fahrrad-Bedingungen bekam, wurde Plettenberg von den Teilnehmenden des ADFC Fahrradklima-Tests deutlich besser benotet, mit „ausreichend plus“ (3,71).

„Dass Plettenberg mit 111 Teilnehmenden erstmals in die Wertung kam, liegt vor allem an der engagierten Arbeit der dortigen jungen ADFC-Ortsgruppe“, lobt Isbruch in einer Pressemitteilung. „Ebenso wie in allen anderen MK-Städten gibt es auch in Plettenberg noch eine Menge zu tun, aber Verbesserungen werden eben auch wahrgenommen von den Radfahrenden“ resümiert er die erstmalige Wertung Plettenbergs und macht damit auch den anderen märkischen Städten Mut, die Radverkehrsbedingungen nachhaltig zu verbessern. „Wer das nicht tut wie Lüdenscheid, wird dann eben auch abgestraft“, so Isbruch.

Radfahren: Die Bedingungen im MK

Schlechter als bei der letzten Befragung 2018 schnitt neben Lüdenscheid (5,01) auch Iserlohn (4,23) ab, relativ konstant blieb das Ergebnis in Hemer (4,03) und Menden (3,96). Die Städte Balve (3,96) und Werdohl (4,47) kamen ebenso wie Plettenberg (3,71) erstmals in die Auswertung.

Für den gesamten Kreis zieht Isbruch Schlussfolgerungen aus dem aktuellen ADFC-Fahrradklima-Test:

. Sieben Städte statt bisher nur vier in der Wertung: Das zeigt das gestiegene Bewusstsein der Menschen für das Fahrrad, auch in hügeligen Städten.

. Die Menschen im Märkischen Kreis wollen mehr Rad fahren. Mit der Situation sind sie aber unzufrieden.

. Weiterer Indikator für mehr Fahrräder im MK: Auch im Märkischen Kreis verkaufen die Radhändler von Jahr zu Jahr mehr Fahrräder und Pedelecs – schon vor der Pandemie, aber in der Corona-Zeit nochmals verstärkt.

Radfahren in Altena: Enges Tal, viele Steigungen

Nach Ansicht des ADFC braucht jede Stadt ein Radverkehrskonzept. Auch der Kreis müsse Verantwortung übernehmen und die Vernetzung und Kooperation der Städte begleiten und fördern. Im ländlichen Raum sei zudem die Zusammenarbeit mit Straßen.NRW besonders wichtig, da viele Städte und Ortsteile durch Landes- oder Bundesstraßen angebunden seien.

Natürlich wisse er, dass das Radfahren in Altena wegen der engen Tallagen und der damit verbundenen, oft erheblichen Steigungen ein sehr spezielles sei, sagte Isbruch auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings mache ein Pedelec, also ein Rad mit elektrischem Zusatzantrieb, vieles möglich. Gerade diese Art von Zweirad erfährt seit einiger Zeit einen großen Zulauf, hat der ADFC-Funktionär beobachtet. Er führt das auch auf Leasing-Angebote von Arbeitgebern zurück. Da sei es natürlich wünschenswert, wenn die Fahrräder auch für den gefahrlosen Weg zur Arbeit genutzt werden könnten.

Waldwege als Ersatz für Radwege

Falls der Lenneradweg irgendwann einmal fertig werden sollte, stelle er nicht nur ein touristisches Ziel dar, sondern sei auch für Pendler interessant, die in Werdohl, Altena oder Nachrodt arbeiten, meint der ADFC. Schwieriger wird es, wenn man von Altena aus mit dem Rad in Richtung Lüdenscheid oder Dahle/Evingsen möchte: Weder in der Nette noch in der Rahmede ist Platz für einen Radweg.

Waldwege könnten eine Lösung sein, meint Isenbruch. Beispiel: Wer aus der Stadtmitte nach Evingsen will, muss nicht unbedingt durch die Nette fahren, sondern kann auch das kleine Sträßchen zum Hegenscheid wählen und dann am Flugplatz vorbei in Richtung Elfenfohren radeln.

Radfahren in der Innenstadt

Die Strecke ist gerade mal einen Kilometer länger und mit dem Pedelec problemlos zu schaffen. Allerdings müsse man bei solchen Routenführungen einen Blick auf die Beschaffenheit der Wege haben, mahnt der ADFC. Ideal sei es, wenn sie asphaltiert sind. Ansonsten seien ständige Kontrolle und – wenn nötig – Ausbesserung das Mindeste.

Prüfen, ob Einbahnstraßen in beiden Fahrtrichtungen für Fahrradfahrer freigegeben werden können, bessere Ab- und Unterstellmöglichkeiten und Tempo 30 auf möglichst vielen innerstädtischen Straßen: Das sind weitere Punkte, die Fahrradfahrern auch in Altena das Leben leichter machen würden, meint Isenbruch, der das Fahrradfahrverbot auf der Lennestraße in Zweifel zieht. Altenas Fußgängerzone sei so wenig frequentiert, dass Radeln im Schritttempo dort möglich sein müsste, meint er.

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